"Der aufregende Lebensalltag der Amerikaner und ein weiteres Jahr Zeit zum Nachdenken über meine Zukunftspläne haben mich dazu bewogen", erklärt die junge Frau ihre Beweggründe. Marie Kristin fährt mit den Kindern zu verschiedenen Aktivitäten, betreut sie bei den Hausaufgaben oder passt abends auf sie auf, wenn ihre Eltern ausgehen. Die Familie lebt in South Orange, New Jersey, einem etwa 16 000 Einwohner zählenden Vorort von New York.
Da es hier nur so von Aupairs wimmelt, vorwiegend aus Deutschland, hat Marie Kristin schnell Kontakte knüpfen können. In der Freizeit gehen sie gemeinsam in den Einkaufszentren bummeln, treffen sich auf einen Kaffee oder fahren nach New York. Denn der "Big Apple", so der Spitzname der Metropole, ist nur 30 Minuten mit dem Zug entfernt. "Eine Stadt, die mich mit ihren Menschenmassen, den berühmten gelben Taxis und den gigantischen Hochhäusern geradewegs in ihren Bann gezogen hat", bekennt sie.
Zum "Educare"-Programm gehören aber auch erste Einblicke ins Universitätsleben. Etwa sechs Wochenstunden Unterricht sind pro Semester vorgesehen. Die Hammelburgerin hat sich für Einführungskurse in Psychologie und Management entschieden.

Erdbeben zu spüren


Das Klima im Staate New Jersey ist dem deutschen sehr ähnlich. Allerdings müssen Besucher auch auf Naturkatastrophen gefasst sein. "Gleich zu Beginn meines Jahres stand ich in einem hin und her schaukelnden Restaurant. Das waren die Nachwirkungen von einem Erdbeben in Washington", erklärt Marie Kristin. Und im Herbst überraschte der Hurrikan Irene die Ostküste, der sich bis New Jersey aber zu einem tropischen Wirbelsturm abschwächte.
Besonders schwer fällt es der Hammelburgerin, sich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen. Deutschland ist der amerikanischen Ostküste sechs Stunden voraus. "Wenn ich um 18 Uhr mit der Arbeit fertig bin, schlafen meine Eltern schon", schildert sie die Konsequenzen. Die Kommunikation mit den Lieben zu Hause muss also genau abgestimmt werden, meistens per Internetanruf.
Viele schöne Dinge hat sie bislang schon erlebt, wie die bunt beleuchteten Niagarafälle im Mondlicht. "Erlebnisreich war auch der Roadtrip von New Jersey bis nach Miami mit plattem Reifen, defektem Frontscheinwerfer und dennoch viel Gekicher", schreibt Marie Kristin. Ein Höhepunkt für sie war auch der Besuch ihrer Familie aus Deutschland und die freien Wochenenden, die sie zum Reisen genutzt hat.
Ein Jahr weit weg von zu Hause zu sein, hat aber auch seine Schattenseiten. "Ich bin enttäuscht darüber, wie wenig sich manche Freunde darum bemühen, den Kontakt aufrechtzuerhalten", gesteht sie. Zudem ist die Arbeit mit den Kindern nicht immer einfach. Sie benötigen viel Aufmerksamkeit und suchen häufig auch die Konfrontation mit ihrem Aupair.

Fastfood statt Schwarzbrot


Hin und wieder kommt auch Sehnsucht nach der Heimat auf. Besonders an Festtagen wie Weihnachten oder dem eigenen Geburtstag. Marie Kristin vermisst vieles aus Deutschland, was Amerika nicht zu bieten hat, wie Schwarzbrot oder Kinderschokolade. Auch mit den Tempolimits hat sie ihre Probleme. "In New Jersey darf ich mit höchstens 110 Kilometern pro Stunde über die Autobahn schleichen", moniert sie. Kritisch sieht sich auch die "Wegschmeißgesellschaft" in den USA. "Was beim Essen übrig bleibt, landet im Müll", hat sie erlebt.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist alles größer: Gebäude, Autos, Parklücken und Essensportionen. "Letztere und das so beliebte Fastfood sind wohl die Gründe dafür, weshalb viele Aupairs während ihres Auslandsjahres zunehmen, im Durchschnitt fünf bis zehn Kilo", berichtet die Hammelburgerin. Damit ihr das nicht auch passiert, geht sie jeden Tag ins Fitnessstudio.
Die übertriebene Freundlichkeit der Amerikaner, ein typisches Klischee, hat sich für Marie Kristin Hofmann bestätigt. Zur Begrüßung gibt es jedes Mal ein herzliches "Wie geht es dir?" und Komplimente werden im Überfluss verteilt. "Auf mich wirkt die amerikanische Umgangsweise allerdings aufgesetzt und oberflächlich", meint die Deutsche. Aufforderungen zu einem Wiedersehen seien meist nicht wörtlich gemeint, sondern reine Höflichkeitsfloskeln.
Am 26. Juni hat die junge Frau ihren letzten Arbeitstag, weil die Kinder der Gastfamilie den Sommer in einem Ferienlager verbringen. Dann beginnt ihr Reisemonat, in dem sie die Westküste bereisen und, wenn das Geld reicht, noch eine Kreuzfahrt zu den Bahamas unternehmen wird. Außerdem stehen viele andere Punkte auf ihrer "Noch-zu-erledigen-Liste": Picknicken im Central Park, eine Poolparty besuchen, die Elite-Universität in Princeton besichtigen und, und, und. "Offensichtlich hat Amerika noch einiges in petto für mich", freut sich Marie Kristin Hofmann.