Stufen. Zu Dutzenden. Flach und grau türmen sie sich auf. Ein breiter Handlauf führt nach unten, wo kaltes Licht einer Neonröhre die Unterführung in ein paar Metern Tiefe erhellt. Sandstein blitzt unter weißer Farbe hervor. Der unterirdische Gang am Bahnhof in Ebenhausen ist kein Ort, an dem sich ein Mensch gerne aufhält. Trotzdem sehnen sich einige dorthin. Für sie bleibt der Zugang aber unmöglich. Mindestens noch bis 2018.

Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte, Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren: Sie alle haben dasselbe Problem. Der Bahnhof in Ebenhausen ist nicht barrierefrei, und er wird es so schnell nicht werden. Auch in den nächsten vier Jahren bleibt dieser Bahnhof für sie praktisch nicht nutzbar. Uwe Schmidt macht das wütend. Er ist der Behindertenbeauftragte der Stadt Hammelburg. "Wir haben ein Gleichstellungsgesetz. Das ist keine Bitte, sondern ein Recht." Uwe Schmidt sitzt selbst im Rollstuhl. Er macht sich für Barrierefreiheit in seiner Stadt stark. "Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir selbstständig sind." Deshalb sei es so bedeutend, dass der Hammelburger Bahnhof keine Schwellen mehr hat, über die er es alleine nicht geschafft hat. "So sind wir ein Stück mobiler."

Wichtiges Verkehrsmittel

"Leute mit Handicap sind in den allermeisten Fällen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen", sagt Bernhard Schlereth. Der Bad Kissinger Behinder tenbeauftragte sieht die Bahn in der Pflicht. Schließlich sei es vor allem der Zug, mit dem Menschen mit Behinderung "von A nach B kommen", sagt Schlereth.

Die Frequenz in Ebenhausen ist hoch. Der Bahnhof ist nicht nur eine Haltestelle, sondern ein Umsteigebahnhof. Die vielen Stufen machen Betroffene unzufrieden, sagt Franz Kuhn (CSU). Der Oerlenbacher Bürgermeister fühlt sich weitestgehend machtlos: "Die Gemeinde kann nur hoffen und appellieren." Dadurch, dass das Grundstück der Deutschen Bahn gehöre, sei er außen vor. "Es ist bedauerlich, aber zwingen kann ich sie nicht", sagt Franz Kuhn.

"Man muss am Ball bleiben", sagt Uwe Schmidt. "Immer wieder und immer wieder. Man nervt zwar, das weiß ich, aber nur so klappt es irgendwann." Den Finger auf die Wunde legen und Betroffene einladen, einen offenen Dialog führen - Ausdauer lohne sich, sagt der Behindertenbeauftragte.

Am Bahnhof in Ebenhausen sollten Menschen mit Behinderung Ausdauer haben. Vor 2018 rollt dort niemand ohne Hürden und Hilfe. Den Umsteigebahnhof sieht die Bahn als Teil des Bayernpakets 2018. Ein Programm, mit dem der Freistaat und die Deutsche Bahn Bahnhöfe barrierefrei ausbauen wollen. Wie ein Sprecher mitteilt, sollen in Ebenhausen die Unterführung erneuert, die Bahnsteige erhöht und die Zugangswege barrierefrei erschlossen werden. Die Planung habe aber erst begonnen. Weitere Umbau-Vorhaben von Bahnhöfen im Landkreis gebe es nicht.