Es ist acht Uhr morgens, Werner Schaidt und die Brüder Jonas (15) und Leon Heidenreich (6), die mithelfen, ziehen sich die neonfarbenen Warnwesten über und machen sich auf den Weg zum Ortseingang Weißenbach aus Richtung Modlos. Es ist die Zeit der Krötenwanderung. Eimer und Handschuhe sind in dieser Zeit wohl immer in Werner Schaidts Kofferraum zu finden. Gemeinsam sammeln die drei Helfer die Kröten ein, die hinter den Krötenzäunen am Straßenrand sitzen. Sie sind auf dem Weg zu ihrem Geburtsgewässer.
In Weißenbach gibt es gleich drei dieser Weiher, in denen Erdkröten vorkommen. Die Weibchen tragen dabei die Männchen auf ihrem Rücken, klar, dass man so nicht ganz so schnell vorankommt. Das, und die Suche nach Wärme auf Asphalt, wird leider vielen Krötenpärchen beim Überqueren der Straßen in dieser Zeit zum Verhängnis.
Umso besser ist es daher, dass es den Bund Naturschutz und Leute wie Werner Schaidt gibt.
Seit 18 Jahren engagiert er sich im Amphibienschutz und seit 16 Jahren kümmert er sich um die Stelle am Ortseingang Weißenbach am Forsthaus.
"Im Jahr 1998 gab es eine Vorplanung für das Amphibienleitsystems in der Ortsdurchfahrt Weißenbach, im Zuge des Straßenausbaus. Damals gab das Landratsamt Bad Kissingen eine Untersuchung in Auftrag, die wandernden Kröten zu erfassen, und an verschiedenen Stationen ihre benutzten Routen zu dokumentieren, um die meist verwendeten Strecken zu ermitteln. Die Universität Würzburg wurde damit betraut. Es wurden freiwillige Helfer gebraucht, die dabei helfen, da war ich auch dabei. Im Ort wurde aufgrund der Ergebnisse dann eine Amphibienschutzanlage mit Tunneln gebaut, damit die Tiere die Straße nicht überqueren müssen", erinnert sich Schaidt. An allen anderen Straßen, die überquert werden, stellen Ehrenamtliche jedes Jahr die Krötenzäune auf.


Jährliche Schwankungen

Wie lange die jährliche Krötenwanderung dauert kann Schaidt nicht pauschal sagen: "Das ist sehr stark witterungsabhängig. In diesem Jahr hatte ich nach acht Tagen ein drittel der zu erwartenden Tiere gezählt. Wäre es wärmer, würde es deutlich schneller gehen."
Die eingesammelten Tiere werden täglich gezählt und alles wird dokumentiert. In seinen Aufzeichnungen kann Schaidt erkennen, wie die Zahl der gewanderten Kröten jährlich schwankt.
"Den absoluten Rekord hatten wir im Jahr 2013 mit 2229 Kröten. Natürlich werden auch die toten gezählt, das waren 340. Ein sehr schwaches Jahr war beispielsweise 2004 mit 141 lebenden und 136 toten Kröten."
Die jungen Kröten, die in diesem Jahr in den Weißenbacher Weihern zur Welt kommen, werden dann im Laufe des Sommers, wie ihre Eltern auch schon, das Wasser wieder verlassen und den Rest des Jahres in Wäldern und Hecken verbringen. Manche bleiben in der Nähe, andere laufen kilometerweit weg. Erst nach fünf Jahren, nach der Geschlechtsreife, kehren die nun erwachsenen Kröten zu ihrem Geburtsgewässer zurück, das sie nach all der Zeit und der Entfernung problemlos wieder finden.
Jedoch hat die Kröte jede Menge Feinde, wie Marder, Katzen, Waschbären, aber auch Vögel und Schlangen.


Empfindliche Haut

Biologe Ingo Queck kennt die Gefahren für die Kröten, die nicht nur tierischer Art sind: "Leider werden auch bei der Rückwanderung, die sich über den ganzen Sommer ausdehnt, einige Tiere überfahren, denn die ist nicht so berechenbar wie die Wanderung im Frühjahr. Ein weiterer Feind aller Amphibien sind Pestizide und andere chemische Mittel, die in die Lebensräume gelangen. Amphibien haben eine sehr dünne, empfindliche Haut, durch die Chemikalien aber auch Pilze eindringen und die Tiere töten können."


Krötenarten
Erdkröte
Die häufigste Kröte hier ist die Erdkröte (lat. Bufo bufo). Sie bildet Laichschnüre, die sie um die Wasserpflanzen wickelt.

Geburtshelferkröte (lat. Alytes obstetricans), kommt auch in unseren Gegenden vor, jedoch nicht so häufig wie die Erdkröte. Bei ihr wickelt sich das Männchen die Laichschnüre um die Beine und führt sie immer mit sich, dadurch brauchen sie weniger Eier, denn sie passen ja darauf auf und die Gefahr des gefressen werdens ist geringer.

Kreuzkröte (lat. Bufo calamita) ist hier eher selten. bld