Drückende Hitze, dampfende Fritteusen, goldbraune Pommes, knuspriger Bacon: Anastasija Jampolski eilt vom Pizzaofen zum Herd, an dem sie die Burger brät. Die Gäste warten auf ihr Essen. Da muss alles schnell gehen. Schon seit zehn Jahren arbeitet die 34-Jährige im "Downtown-Diner" in der Bahnhofstraße in Hammelburg. "Wenn es draußen heiß ist, ist es bei uns in der Küche noch heißer", meint Anastasija, während sie routiniert das Fleisch wendet. Wenn andere die Sonne genießen, müssen Köche, Bedienungen oder Gärtner schwitzen.


"Ganz viel trinken"

Herd, Fritteusen, Spülmaschine und Pizzaofen sorgen für tropische Temperaturen. Neben all diesen Wärmequellen arbeiten? Für viele kaum vorstellbar - gerade bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad Celsius. "Ich finde die Hitze gar nicht so schlimm", sagt Anastasija. "Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Und wenn die Arbeit einem Spaß macht, blendet man die Hitze irgendwann einfach aus."
Birgit Sada, Geschäftsführerin des Downtown-Diners, arbeitet ebenfalls in der Küche mit. "An den ersten Tagen ist es am extremsten", sagt die 54-Jährige. Am schlimmsten finde sie es am Herd und neben den Fritteusen. Deren heißer Dampf sei besonders unangenehm. Der Gang ins Kühlhaus ist dann eine willkommene Abkühlung. "Wenn wir Zeit haben, dann gehen wir auch mal kurz raus an die frische Luft. Und ganz wichtig ist natürlich, viel zu trinken", sagt Birgit Sada.
Auch der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Unterfranken Ibo Ocak appelliert an Küchenkräfte, auf ihre Flüssigkeitszufuhr zu achten: "Ich kann es nur immer wieder sagen: Ganz viel trinken!" Eine Hitzewelle könne gesundheitsgefährdend sein. "Deshalb muss der Arbeitgeber für angenehme Temperaturen am Arbeitsplatz sorgen, indem er beispielsweise einen Ventilator anschafft", sagt der Gewerkschafter.


14 000 Liter am Tag

Viel trinken müssen auch die Pflanzen in den Bad Kissinger Kuranlagen. Rund 14 000 Liter Wasser jeden einzelnen Tag. Für Nachschub sorgen - wie bereits im Vorjahr - fünf Gärtner. "Aufgrund der Hitzewelle sind täglich zwei Gießwägen parallel unterwegs", berichtet Ines Hartmann, Pressesprecherin der Staatsbad GmbH. Dabei werde besonders auf die Gesundheit Wert gelegt: Die Mitarbeiter der Kurgärtnerei bekommen Sonnenschutz.
"Auf die Hitzewelle wird mit einem früheren Arbeitsbeginn reagiert, so dass die Gärtner bereits um 6 Uhr bei noch angenehmen Temperaturen mit der Arbeit beginnen und dementsprechend nicht in der Nachmittagshitze unterwegs sind", teilt Hartmann weiter mit. Auch für die Pflanzen sei es besser, wenn sie nicht in der prallen Sonne gegossen werden. Palmen und Beete mit Sommerbepflanzung werden zudem normalerweise alle zwei Tage gegossen, aufgrund der hohen Temperaturen jetzt täglich. Das Wasser zum Gießen bezieht die Kurgärtnerei von den Stadtwerken und der Rhön-Main-Gruppe.


Kein "Hitzefrei" mehr

Unter der Hitze leiden auch die Schüler. "Extrem hohe Raumtemperaturen können sich unter Umständen leistungsmindernd auswirken", betont Torsten Stein, der Leiter der Bad Kissinger Realschule. "Hitzefrei" im eigentlichen Sinne gebe es allerdings nicht. Laut Stein existieren keine gesetzlichen Regelungen, ab wann Schüler nach Hause geschickt werden müssen. Die Schule könne jedoch den Unterricht in kühlere Räume verlagern, den Sportunterricht in die Turnhallen verlegen und unter Umständen den Wahl- und Nachmittagsunterricht entfallen lassen.
"Ein vorzeitiges Ende des Pflichtunterrichts vor 13 Uhr beziehungsweise an unserer Schule 12.55 Uhr wird die absolute Ausnahme sein", sagt Torsten Stein. Viele der Schüler hätten nämlich keine Möglichkeit, bei einem vorzeitigen Unterrichtsende früher nach Hause zu kommen. "Vor allem die Eltern unserer jüngeren Schüler, die berufstätig sind, haben ein berechtigtes Interesse an zuverlässiger Betreuung der Kinder im Rahmen der Vormittagspflichtunterrichtszeiten."

Dazu ein Angemerkt von Redakteur Ralf Ruppert:

Nur nicht Jammern über die Sonne.

Es schwitzt sich so schön

Natürlich würden auch fünf Grad weniger am Tag und vor allem zehn Grad weniger in der Nacht reichen, aber nachdem ich vergangene Woche noch in aller Öffentlichkeit gefroren habe, neige ich zur Gelassenheit: Dass es auf den Kreislauf geht, ich mich mehrfach am Tag umziehen muss und trotzdem alles klebt, ist immer noch besser als verregneter Einheitsbrei oder Schafskälte. Also: Locker bleiben, das Beste draus machen und immer schön Flüssigkeit nachfüllen.
Und denen Respekt zollen, die sich unter der Sonne für uns abmühen: Erntehelfer, die Erdbeeren pflücken und damit für Gaumenfreuden sorgen, Landwirte, die ohne klimatisierte Riesen-Traktoren auskommen müssen, und die Gärtner, die für sattes Grün und Rosenduft in Bad Kissingen sorgen. Danke fürs Fremd-Schwitzen!