Eine Menge Blaulichter zucken durch die Nacht. Die Rhön-Kaserne ist zur Großübung in fester Hand der Feuerwehren aus dem Landkreis Bad Kissingen. Am Wochenende rückten Tag und nacht insgesamt 552 Floriansjünger aus 57 Wehren schichtweise zu permanenten Übungseinsätzen aus.

"Mit unseren Übungsszenarien lassen wir uns immer neue Überraschungen einfallen", legt Kreisbrandrat Benno Metz großen Wert auf Einsatz-Vielfalt und Realitätsnähe. Die Szenarien reichen vom Zimmer- oder Kellerbrand in der so genannten Housing-Area abgesiedelter Kasernengebäude oder Übungsdörfer der Bundeswehr bis hin zu Verkehrsunfällen mit brennenden Autos oder Explosionsgefahr bei Gefahrgut. Meist sind verletzte Personen zu retten und technische Hilfe zu leisten. Das macht dann auch die Einsätze für die Rot-Kreuz-Bereitschaften und die Gruppe des Technischen Hilfswerkes (THW) sinnvoll bei dieser Großübung.

"Ich schätze die vielfältigen Übungsmöglichkeiten an den Gebäuden hoch ein", bestätigt Oberlöschmeister Jan Schmäling aus der Bad Brückenauer Wehr. Gerade hat er mitgeholfen, einen Verunglückten aus einem tiefen Schacht zu retten. Dieser Mann war laut Übungsvorgabe auf einer Leiter gestanden, weil er eine Katze vom Baum holen wollte, und dann mitsamt der Leiter in den benachbarten Schacht gefallen. Ein klassischer Fall für die Tiefenrettung. Nicht immer waren die zu Rettenden aus Stroh und Stoff. Es gab auch eine Gruppe von acht freiwilligen Komparsen wie zum Beispiel Isabell Kippes, die von Sabine Albert als Darstellerin eines Brandopfers geschminkt wurde. Auch Barbara Hartmann griff zum Schminkfarbtopf.

Übung mit Realitätsnähe


Für Schmäling ist es keine Frage gewesen, ob er nach einem geleisteten Arbeitstag auch noch zur Nachtübung in den Feuerwehranzug steigt und seine persönliche Präsenz für die Hilfeleistung zur Verfügung stellt. "Im Ernstfall hätte ich das Gleiche daheim tun müssen", meint Schmäling gelassen. Schon vor sechs Jahren, als diese Großübungen der Feuerwehren aus dem Landkreis noch in Bonnland (Truppenübungsplatz Hammelburg) stattfanden, sei er zur Stelle gewesen.

"Ich hatte vor der Übung eine Freischicht", fühlt sich Schmälings Kamerad Löschmeister Peter Rehnert zu Übungsbeginn noch gut ausgeruht. "Ich schätze in dieser Großübung die Realitätsnähe bei den Einsätzen", meint der frisch gebackene Vater. "Auch wenn die ausrückenden Züge sich aus verschiedenen Wehren zusammensetzen, klappt die Zusammenarbeit wegen des guten Ausbildungsstandes hervorragend", bestätigt Rehnert. So waren die Brückenauer Floriansjünger mit Kameraden aus Schondra, Nüdlingen und Burghausen im Einsatz.

Die landkreisweite Großübung gibt es nur alle zwei Jahre, jetzt das dritte Mal in der Rhön-Kaserne. "Gerade die reibungslose Zusammenarbeit der unterschiedlichen Wehren ist wichtig und deshalb zu proben", bestätigt Kreisbrandrat Benno Metz. Mit dem Führungsstab des Kreises hat er im Gebäude 177 eine feste Bleibe gefunden. Fern davon auf der Anhöhe hinter dem Hubschrauber-Landeplatz halten sich jene Feuerwehrkräfte auf, die gerade nicht im Einsatz sind. Dort gibt es auch die Essensverpflegung mit warmer und kalter Theke. Den Floriansjüngern schmeckt das Gulasch mit Nudeln und der Kirschquark-Nachtisch. Kreisjugendwart Klaus Kippes und dessen Küchenteam erhalten deshalb viel Lob.

Sowohl das Können als auch die technische Ausrüstung scheint derzeit auf hohem Niveau bei den Feuerwehren des Landkreises zu sein, so das Fazit der Großübung. "Was uns Sorgen macht, ist der Nachwuchs", sind sich Schmäling und dessen Kameraden einig. Mit Werbeplakaten "Stell´ Dir vor, es brennt und keiner geht hin" wird zurzeit auf das Problem aufmerksam gemacht. Verstärkt präsentiert sich die Feuerwehr schon in den Kindergärten und versucht, das nötige Verständnis zu wecken.