Im September 2013 wurden "Die Hilfswerker" als Abteilung des Generationen-Netzes Bad Kissingen für Nachbarschaftshilfe gegründet. Vor knapp einem Jahr nahm man die Vermittlungstätigkeit auf. Jetzt stellte Magdalena Döblinger das Landkreis-Projekt, das von der Technischen Hochschule Nürnberg wissenschaftlich begleitet wird, in Nüdlingen vor: "Ein tolles Projekt für selbstbestimmtes Leben im Alter."
Bei diesem gemeinnützigen Hilfsprojekt geht es keinesfalls um Dienstleistungen, für deren Erledigung man Handwerker oder andere professionelle Arbeitskräfte beauftragen könnte, betont die Projektleiterin. "Es sind doch oft die kleinen Dinge, die den Senioren das Leben manchmal schwer machen", erklärte sie ihren Zuhörern den Leitgedanken des Projekts. "Schon beim Bettenmachen fängt es doch an." Oder: Wer fährt künftig den Müll zum Wertstoffhof, wenn der Ehemann gestorben ist? Wer erntet die Äpfel im Garten, wenn der Mann im Krankenhaus ist?
In kleinen Gemeinden kennt man sich, man trifft sich täglich auf der Straße. "Man denkt immer, die Leute kommen schon klar", kennt Döblinger die Situation. "Aber tun sie es wirklich?" Oft ist es Scham oder Scheu, die Senioren davon abhält, um Hilfe zu bitten. "Wir haben deutlich mehr Menschen in unserer Datei, die Hilfe anbieten, als Menschen, die Hilfe erbitten." Seit März vergangenen Jahres konnte die Projektleiterin mit Sitz im Bad Kissinger Mehrgenerationenhaus immerhin 220 Einsätze mit insgesamt 440 Arbeitsstunden vermitteln.

Keine Altersgrenze

Aufgabenschwerpunkte waren bisher Fahrten zum Arzt oder zum Einkauf, auch Spaziergänge oder die gelegentliche Betreuung alleinstehender Senioren mit Prüfung des Kühlschrankbestandes, des Medikamentenvorrats oder der eingegangenen Post. "Also einfach mal nach dem Rechten sehen." Nicht nur bei den Hilfesuchenden, auch bei den Helfern gibt es keine Altersgrenze. Döblinger nennt ein Beispiel aus ihrer Praxis: Ein 86-Jähriger liest einer 65-jährigen Frau die alten, noch in Sütterlin geschriebenen Familienbriefe vor. "Beide haben Spaß daran und sind glücklich."
Glücklich seien auch andere Helfer und Hilfesuchenden geworden, neue Freundschaften seien sogar schon entstanden, berichtet Döblinger begeistert von ihrer bald einjährigen Vermittlungstätigkeit und strahlt: "Die Arbeit macht glücklich." Voraussetzung sei allerdings, dass beide Partner zueinander passen. Darauf wird bei der Vermittlung grundsätzlich geachtet.

Mitglied werden

Jeder, der aktiv oder passiv dabei sein will, muss allerdings vorher für eine Jahresgebühr von 35 Euro Mitglied im Generationen-Netz werden. Aktuell sind 46 Hilfswerker im Landkreis registriert, davon nur zwei in Nüdlingen. Wird ein Hilfsdienst geleistet, zahlt der Hilfesuchende pro Stunde acht Euro an den Verein, davon bekommt der Helfer sechs Euro. Die Abrechnung übernimmt der Verein. "Gezahlt wird gern", versichert Döblinger, "denn dann bin ich kein Bittsteller." Die Helfer sind über den Verein Haftpflicht-, Unfall- und KFZ-versichert. Döblinger: "Alles ist ordentlich geregelt."
Nachbarschaftshilfe im Dorf sei doch selbstverständlich, meinte eine 80-jährige Zuhörerin aus Haard, ergänzte aber doch: "Das Projekt wäre vor Jahren schon sinnvoll gewesen." Sie helfe ihren Nachbarn schon immer unentgeltlich. "Soll ich jetzt dafür Geld nehmen?" Man könne auch auf seinen Stundenlohn verzichten oder ihn anrechnen lassen für den Fall, dass man selbst einmal Hilfe braucht, verwies Döblinger auf eine andere Möglichkeit der Verrechnung. Erwin Kiesel (63) zeigte spontan Bereitschaft zur Mitarbeit: "Ich könnte handwerkliche Leistungen und Fahrdienste anbieten." Irmgard Straub (63), die sich anfangs noch nicht sicher war, was sie denn anbieten könnte, meinte schließlich doch: "Ich könnte in Haus und Garten helfen." Beide waren sich einig: "Dieses Hilfsprojekt ist prima."
Kontakt: Die Hilfswerker, Magdalena Döblinger, Generationen-Netz, Von-Hessing-Straße 1, 97688 Bad Kissingen, Telefon: 0971/ 699 33 81, Email: m.doeblinger@mgh-badkissingen.de