Seit inzwischen zehn Jahren hat das ehemalige Gasthaus Völker eine neue Bestimmung. Im "Haus mit Sinn" haben psychisch erkrankte Menschen die Möglichkeit, den Wiedereinstieg in das Alltagsleben zu finden. Am Samstag, 8. Juni, lädt das Team vom "Haus mit Sinn" von 11 Uhr bis 16 Uhr zu einer bunten Mischung aus Unterhaltung, Information und Genuss auf dem Gelände des Anwesens ein. Angeboten werden auch Hausführungen und das Betreuen von Kindern mit Bastelarbeiten und Kinderschminken. Musikalisch umrahmt wird die Jubiläumsfeier vom Musikzug Wildflecken. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

"Die richtige Entscheidung"

Das ehemalige Wirtshaus hat Edeltraut Mager 1980 vom Eigentümer Alfons Völker gekauft. Zunächst hatte die neue Eigentümerin, die auch Geschäftsführerin und Gesellschafterin ist, das Wirtshaus zu einem Hotel mit Gäste-Appartements umgebaut. Als 2003 kein neuer Pächter für das Hotel zu finden war, hatte Edeltraut Mager die Idee, aus dem Hotel eine Übergangseinrichtung für psychisch erkrankte Menschen zu machen, um sich damit auch einen Traum zu erfüllen.
"Dass es die richtige Entscheidung war, hat sich schon nach wenigen Monaten gezeigt, als das Haus mit einer Maximal-Kapazität von 27 Personen ausgebucht war", sagt Edeltraut Mager. Die Bewohner sind in jeweils neun Doppel- beziehungsweise Einzelzimmern untergebracht. "Wer von ihnen genug gefestigt ist, hat die Möglichkeit, in einer Wohngemeinschaft zu leben." Dafür stehen im Obergeschoss fünf hausinterne Wohngemeinschaften zur Verfügung.
Um die Möglichkeiten für die Arbeits- und Beschäftigungstherapien zu erweitern und zu verbessern, wurde 2008 ein weiteres Anwesen in Wildflecken gekauft. Die am Rathausplatz gelegene ehemalige "Drogerie Hermann" wurde als Teil des "Hauses mit Sinn" zu einem "Werkhaus" umgebaut. "Seit 2009 ist auch dieses Gebäude wieder mit Leben erfüllt", freut sich die Eigentümerin. "Unser vordergründiges Ziel ist es, den Bewohnern zu helfen, wieder den Anschluss an das gesellschaftliche Leben zu finden. Im Durchschnitt gelingt uns dies mit unseren Therapeuten in der Regel nach zwei bis fünf Jahren", ergänzt Heimleiterin Monika Kiwitz.

Kontaktpflege

Im Erdgeschoss des neuen Hauses befinden sich die Räume für die Ergo-, Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. Im Anbau ist ein Hobbyraum, in dem sich die Bewohner an verschiedenen Heimtrainern fit halten können. Das große Schaufenster bietet den Bewohnern die Möglichkeit, ihre überwiegend aus Holz, Ton und anderen Naturmaterialien selbst gefertigten Produkte zum Verkauf anzubieten. Seit einiger Zeit werden hier auch Wäscheklammern aus Holz hergestellt, die an einen Händler ausgeliefert werden, erzählt Ergotherapeut John Collins.
Im angrenzenden Hausgarten haben die Bewohner eine weitere Möglichkeit, sich in freier Natur unter Anleitung von Heilerziehungspflegerin Mandy Kunz zu beschäftigen. In den beiden Obergeschossen sind sechs Einzel-Appartments für betreutes Wohnen eingerichtet, die im Rahmen des "persönlichen Budgets" vermietet sind.
Regelmäßig wird auch die von der Gemeinde bereitgestellte Schulturnhalle zur sportlichen Betätigung genutzt. Auf Wunsch der Bewohner wurde vor kurzem ein "Stammtisch" ins Leben gerufen. Regelmäßig kommen Eltern, Geschwister und Freunde, um sich näher kennenzulernen und Kontakt zu ihren Angehörigen zu halten.

Singkreis und Ausflüge

Gut angenommen wird auch der schon vor längerer Zeit gegründete "Singkreis", zu dem sich Sängerinnen und Sänger aus dem Haus treffen. Sehr beliebt sind auch die gemeinsamen "Ausflüge" in die umliegenden Städte und Reiseziele.
Wie in einer großen Familie fühlen sich Julia Auch und Svenia Römer im "Haus mit Sinn". Julia ist dreißig Jahre alt, alleinstehend und war zuletzt in Hammelburg wohnhaft. Seit einem Monat wohnt sie im "Haus mit Sinn ". Svenia ist achtundzwanzig Jahre alt und ebenfalls alleinstehend. Ihr Hauptwohnsitz ist die Gemeinde Herdecke in der Nähe von Dortmund. Sie gehört seit sechs Monaten zu den Bewohnern im "Haus mit Sinn". Beide erzählen, dass sie aufgrund psychischer Probleme hier sind und darauf hoffen, mit Unterstützung der Therapeuten, Pfleger, dem Hauswirtschaftsteam, der fachärztlichen Mitbetreuung durch das Bezirkskrankenhaus Werneck und ihrem Hausarzt, bald wieder Anschluss an das gesellschaftliche Leben zu finden. "Wie lange dies dauern wird, wissen wir nicht. Der herzliche Umgang, der Respekt und das gute Miteinander sind die Gründe dafür, dass wir uns hier wohlfühlen", sagen Julia und Svenia. In ihrer "Freizeit" beschäftigt sich Julia mit Handarbeit, Malen und Sport. Svenias Hobbys sind Radfahren und Stricken.