Noch heute kennt Roland Friedrich die Kommandos eines Angriffs-truppführers. Allerdings hat es der Sparkassen-Chef beruflich weiter gebracht als bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dort kam er "nur" bis zum Silbernen Leistungsabzeichen. Dennoch ist er immer noch passives Mitglied. Deshalb beteiligt sich sein Unternehmen gerne an eine Werbeaktion des Freistaats Bayern und des Feuerwehrverbandes. Damit sollen schon heute die Retter von morgen gewonnen werden.

Dazu kommen nicht nur großformatige Tafeln, Plakate, Flyer und Bauzaun-Banner zum Einsatz. Auch ein Fahrzeug des Kreisomnibusbetriebs (KOB) wurde entsprechend beklebt.

Gezielte Ansprache notwendig


Früher war es auf dem Dorf fast selbstverständlich und Ehrensache, Mitglied der örtlichen Wehr zu werden und zu bleiben.

Das könnte sich aber schon bald ändern. Denn, so Kreisbrandrat Benno Metz, die demographische Entwicklung mache sich auch im ehrenamtlichen Bereich bemerkbar. Deshalb müsse man frühzeitig aktiv werden. Nach seinen Angaben läuft die Kampagne drei Jahre lang. 800.000 Euro steuert der Freistaat Bayern bei, 150 000 der Landesfeuerwehrverband.

Die Wehren würden sich auch an Kinder wenden. Denn wenn Jugendliche in andere Vereine eintreten, seien sie "meist für die Feuerwehren verloren." Dabei seien diese "ein großartiges Ehrenamt, das sogar Leben rettet."
Landrat Thomas Bold (CSU), selbst seit Jahrzehnten Mitglied, sagte, die Feuerwehrleute von morgen müsse man schon heute gewinnen. Die meisten würden den Wehren dann ein Leben lang treu bleiben. Allerdings strömten die Interessenten nicht herbei, sie müssten gezielt angesprochen werden. Deshalb werde die Ausstellung dort zu sehen sein, wo die Menschen hingehen, etwa in der Sparkasse und in ihren Geschäftsstellen. Denn der Brandschutz in der Fläche müsse auch künftig und trotz der ständig steigenden Anforderungen gewährleistet sein.

Vergünstigungen verlangt


Nach Ansicht der Feuerwehrführung sollte das Ehrenamt im Feuer- und Katastrophenschutz nachhaltig gefördert werden. Nur so sei eine dauerhafte Sicherung und kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems möglich. Gefordert werden unter anderem moderne Ausbildungszeiten und -methoden, eine entsprechende Ausrüstung, Vergünstigungen bei VHS-Kursen und Einrichtungen, die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs oder auch die Abschaffung der Sozialversicherungspflicht für Ehrenamtliche. So könnten laut Benno Metz Bund, Land und Kommunen das Ehrenamt Feuerwehr fördern, wenn das gewollt wäre.

Dass es auch anders, ohne staatliche Anreize, geht, zeigen einige Freiwillige Feuerwehren im Landkreis. Beispiel Pfaffenhausen: Nach Angaben des Vorsitzenden Detlef Heim hat die Wehr des Hammelburger Stadtteils 134 Mitglieder. Davon sind 73 Aktive. Deren Altersstruktur ist bemerkenswert: 25 von ihnen sind 18 oder jünger, weitere 19 sind noch keine 27 Jahre alt. "Die Jugendarbeit liegt uns am Herzen", sagte dazu Heim. So hätten sich 19 Anwärter der Leistungsprüfung gestellt; mit Erfolg. Vor allem Kommandant Manfred Brönner kümmere sich sehr intensiv um die Ausbildung. Und nicht nur darum. Auch an gemeinsamen Freizeitaktivitäten wird dem Nachwuchs einiges geboten. Das hat sich im Ort längst herumgesprochen: Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung wurden vier Jugendliche aufgenommen. Heim stolz: "In diesem Bereich sind wir eine der führenden Wehren im Landkreis."

950 in fast 100 Gruppen


Bayernweit waren nach Angaben von Kreisbrandrat Benno Metz die Feuerwehren im Jahr 2010 bei mehr als 256.000 Einsätzen gefragt. Alle zwei Minuten musste rein rechnerisch eine Wehr zu einer Hilfeleistung ausrücken. Die Feuerwehren seien mit 323.000 Ehrenamtlichen und über 12.000 Hauptamtlichen die "tragende Säule in der Gefahrenabwehr und beim Dienst am Nächsten".

Im Landkreis Bad Kissingen gibt es 115 Freiwillige und drei Werksfeuerwehren mit 5452 Aktiven; davon sind 423 Frauen. In 96 Jugendgruppen sind 211 junge Frauen und 740 junge Männer organisiert. Den Wehren gehören insgesamt 12.700 Menschen an. Im Landkreis Bad Kissingen gab es 2010 1029 Einsätze. Dafür mussten 23 285 freiwillige Stunden aufgebracht werden. ed