Also hat er sich entschlossen, den Pfarrsaal zu renovieren. Und da es bisher keine Behindertentoilette gab, hat er eine eingebaut. "Da haben sich zwei gesucht und gefunden," sagt Kirchenpfleger Peter Kaidel, der betont, dass die Pfarrei mit Franz Friedel einen Glücksgriff getan hat. "Nach zwei vergeblichen Ausschreibungen hatten wir schon ein Notprogramm aufgestellt, wie es ohne Hausmeister weitergeht."

Bericht in der Saale-Zeitung


Zu seinem neuen Job war Franz Friedel über einen Bericht in der Saale-Zeitung gekommen. "Ich habe mich beworben und wurde genommen," sagt er.
Dabei hat der Rentner die meiste Zeit seines Berufslebens ganz anders verbracht. Er war 38 Jahre Portier im Hotel Frankenland. Aber: Vor 50 Jahren hatte er Autoschlosser gelernt, und damals hat sein Geselle zu ihm gesagt: "Du musst mit den Augen stehlen, was Du kannst!" Gemeint war nichts anderes als lernen, lernen, lernen. Und so lernte Friedel, sein handwerkliches Geschick einzusetzen. Im eigenen Haus, in den Häusern seiner Söhne - und jetzt im katholischen Pfarrzentrum. "Wenn man etwas handwerkliches Geschick hat, gelingt einem alles," ist sich Franz Friedel sicher.

Ein Gehalt gibt es nicht, aber Friedel hat eine Dienstwohnung im Pfarrhaus, und dafür wollte er mehr tun, als nur den Schließdienst zu erledigen. Schon beim Vorstellungsgespräch war ihm klar, dass es Handlungsbedarf gibt, zum Beispiel im Pfarrsaal.
Der ist mittlerweile gut 35 Jahre alt, erinnert sich Kirchenpfleger Kaidel. Der Akustik wegen waren die Wände mit einer Art Teppichboden verkleidet, der nach so vielen Jahren verstaubt und verdreckt war. Auch Arbeiten an der Lautsprecheranlage und an der Lüftung taten dringend Not. Zumal letztere auch aus hygienischen Aspekten nicht mehr up to date war.

Also griff Franz Friedel zu Pinsel und Werkzeug. Die Decke hat er bereits komplett gestrichen: "Zehn Eimer Farbe hab' ich gebraucht." Den Teppichboden hat er von den Wänden entfernt, damit ein neuer drauf kann. Auch mit der Lüftung und der Elektroinstallation ist er zu Gange: "Wir stellen auf Energieeinsparung um," sagt Friedel.

Toilette ist fertig


Die Behindertentoilette ist fertig. Bis auf die Wasser-Installation hat der neue Hausmeister alles selbst gemacht. "Er ist ein All-Round-Mann," wie Kirchenpfleger Peter Kaidel versichert.
Aber dem macht seine Arbeit "wahnsinnig Spaß", wie er selbst sagt. Zudem sei er bestens aufgenommen worden. "Wir sind ein gutes Team, das motiviert unheimlich," versichert Friedel, und er meint damit vor allem Küster Dietmar Hack. Der hat dem neuen Hausmeister schon weit mehr als 100 Stunden zur Seite gestanden. Und wenn einmal Not am Mann ist, spannt Franz Friedel sogar Bekannte mit ein.

350 Stunden hat Hausmeister Friedel bereits ehrenamtlich für das Pfarrzentrum eingesetzt. Natürlich hat die Kirche das Material gestellt, und auch das Verkleben des neuen Teppichbodens für die Wände des Pfarrsaales wird an einen Fachbetrieb vergeben. Aber: "Wenn wir alle Arbeiten hätten vergeben müssen, hätten wir uns das nicht leisten können," versichert Peter Kaidel.

Am 15. September ist Tanz


Fertig sein soll der Große Saal im Pfarrzentrum spätestens am Sonntag, 15. September. Denn dann spielt dort ab 20 Uhr das Duo Con Brio zum Tanz auf.
Bedenken, dass es dann keine Arbeit mehr für ihn gibt, hat Franz Friedel nicht. So gehört das Treppengeländer gestrichen, die Lüftung im Keller braucht Zuwendung: "Arbeit gibt es genug für die nächsten Jahre," sagt Friedel.

Zwar werden diese Arbeiten nicht mehr die Größenordnung haben wie die Renovierung des großen Saales, doch die Kirchenverwaltung ist laut Kaidel "froh, so einen gefunden zu haben." Und Karl Friedel sagt mit Blick zum Himmel: "Ich mache weiter, so lange der da oben mich lässt."