Bad Kissingen/Aschach — Waidgemäß werden die 25 aktiven Jagdhornbläser des Jägervereins im Altlandkreis Bad Kissingen am 12. Juli die zweitägige Feier zum 50-jährigen Bestehen ihrer Bläsergruppe mit dem Signal "Begrüßung" beginnen. Bläsergruppen aus den Nachbarlandkreisen, etliche Festgäste und Schaulustige werden sich um 15 Uhr bereits im Innenhof von Schloss Aschach eingefunden haben und danach dem "Hubertusmarsch" lauschen.
Der heilige Hubertus ist nicht nur Schutzpatron der Jäger, sondern auch der Jagdhornbläser. Denn auch alle Bläser sind in erster Linie Jäger und keine Musikanten. "Nur eine Handvoll von uns sind Musiker", sagt Alfons Hümpfer (55). Schon seit 22 Jahren leitet er als Hornmeister die Kissinger Jagdhornbläsergruppe. Hümpfer ist einer der wenigen ausgebildeten Bläser. Er war von 1967 bis 1981 Flügelhornist beim Kissinger Jugendmusikkorps, das am Sonntagmorgen ebenfalls zur Jubiläumsfeier auf Schloss Aschach erwartet wird. 1983 kam er gleich nach Erwerb des Jagdscheins zur Bläsergruppe.
Gegründet hatte sie 1964 der damalige Kriminalbeamte Otto Kimmel. Er leitete sie viele Jahre und war zuletzt deren anerkannter Ehrenhornmeister.
Zweimal im Monat kommen die Bläser zur gemeinsamen Probe. Etwa zwei Jahre braucht man, um alle 30 Jagdsignale mit dem Jagdhorn einigermaßen zu beherrschen, weiß Hornmeister Hümpfer aus Erfahrung. "Wir machen keine Musik", macht er den Unterschied zum Parforcehorn oder gar zum Waldhorn deutlich, das in großen Orchestern gespielt wird.
Beim Jagdhorn ist der Tonumfang stark eingeschränkt, da im Instrument keine Klappen oder Ventile eingebaut sind. "Das Jagdhorn wird hauptsächlich bei Gesellschaftsjagden wie der Streifjagd, der Drückjagd oder der Treibjagd eingesetzt." Dann ist abhängig von der Größe des zu bejagenden Reviers etwa jeder vierte oder fünfte Jäger auch ein Bläser. Deren Signale dienen den im Revier weit verteilten Jägern zur Verständigung. Hümpfer: "Früher gab es schließlich keine Handys." Aber auch heute noch nutzen Jäger diese Art der gegenseitigen Information. Seinen ihm zugeteilten Revierabschnitt vor dem Abblasen zu verlassen, ist dem Jäger strikt verboten. Hat er sich doch einmal vom Bläser zu weit entfernt, könnte er das Signal "Jagd vorbei" überhören. "Vor ein paar Jahren haben wir mal eine ganze Nacht auf einen Kameraden gewartet", schmunzelt Hümpfer. "Das ist kein Jägerlatein." Heute kann man einen solchen Vermissten zum Glück über das Mobiltelefon erreichen.
Heute werden Treibjagden auf Niederwild immer seltener. "Es gibt kaum noch Hasen oder jagdbares Federwild." Wegen des wachsenden Schwarzwildbestandes gibt es aber die Drückjagd, wo das Jagdhorn noch in alter Funktion gebraucht wird. Ansonsten dient es überwiegend der Traditionspflege. Rechtzeitig zum Jubiläum hat Hümpfer kürzlich sogar noch eine Parforcehorn-Gruppe mit 15 Bläsern aufgebaut. "Das ist ein Zwitter zwischen Jagdhorn und Waldhorn." Durch den Einbau eines Ventils kann das Parforcehorn zwischen der Es- und der B-Tonlage wechseln, ist also melodiöser einsetzbar. Den ersten Auftritt dieser neuen Parforcehorn-Gruppe wird es am Sonntag bei der Hubertusmesse geben. "Bisher mussten wir dazu immer Gastbläser einladen; jetzt haben wir endlich eine eigene Gruppe", freut sich der Hornmeister.


Festprogramm


Samstag, 12. Juli: 15 Uhr Auftakt, 20 Uhr Hornbläserkonzert mit acht Profi-Solisten.

Sonntag, 13. Juli: 8.30 Uhr Hubertusmesse, 14 Uhr Schaublasen der Bläsergruppen, 16 Uhr Jagdhundevorführung mit Abschlussblasen



Chronik der Bad Kissinger Jagdhorn-Bläsergruppe


1964: Im Oktober Beschluss zur Gründung einer Jagdhorn-Bläsergruppe auf Anregung von Theo Wedler, stellvertretender Vorsitzender des Bad Kissinger Jägervereins; im November erste Probe mit 30 Interessierten unter Leitung von Hornmeister Otto Kimmel und seinem noch heute in dieser Funktion aktiven Stellvertreter Ewald Lutz
1965: Im Februar erster öffentlicher Auftritt von 17 Bläsern beim Bad Kissinger Jägerball
1966: Im Mai Gewinn der höchsten Auszeichnung "Goldenen Hutnadel" beim bayerischen Landesjägertreffen
1968: Nochmaliger Gewinn der "Goldenen Hutnadel"
1986: Gewinn der Goldmedaille bei ihrem ersten internationalen Jagdhorn-Bläsertreffen als beste der elf unterfränkischen Bläsergruppen bei insgesamt 131 Teilnehmergruppen
Im Laufe des 50-jährigen Bestehens gewann die Bad Kissinger Bläsergruppe bei insgesamt zehn bayerischen Bläserwettbewerben sieben Mal Gold und drei Mal Silber; zusätzlich nahm die Gruppe an etlichen fränkischen Wettbewerben erfolgreich teil.
1992: Rücktritt von Hornmeister Otto Kimmel, neuer Hornmeister wird Trompeter Alfons Hümpfer
2014: 50 Jahre Jagdhorn-Bläser im Jägerverein Bad Kissingen 1927; heute 29 Mitglieder, davon zwei Damen