Feierlicher Höhepunkt im Jahresprogramm der Bad Kissinger Kreishandwerkerschaft war am Samstag wieder die Übergabe der Gesellenbriefe an 70 Junghandwerker und deren Freisprechung in Anwesenheit von Eltern, Ausbildern und politischer Prominenz. Handwerkliches Geschick zeigte auch eine Percussion-Gruppe der Musikschule.

"Das Handwerk ist wieder in der Öffentlichkeit angekommen", betonte Handwerkskammerpräsident Hugo Neugebauer angesichts der zahlreich erschienenen Volksvertreter. Es stehe gut da, obwohl der Fachkräftemangel Sorge bereitet. Andererseits bietet er jungen Handwerkern beste Chancen für eine gute Berufskarriere. Der offensichtliche Fachkräftemangel schafft nach Aussage Neugebauers aber auch Möglichkeiten, anerkannte Asylanten schnell in die Gesellschaft zu integrieren. "90 Prozent unserer Betriebe sind zur Ausbildung der Flüchtlinge bereit", mahnte er die Politiker zu zügigem Handeln. Der Staat müsse die notwendigen Voraussetzungen schaffen, wozu Neugebauer vorrangig den Deutschunterricht zählt. Aber auch der staatliche Wohnungsbau müsse schnell vorangetrieben werden.


Unbesetzte Lehrstellen

Den Fachkräftemangel beklagte auch Kreishandwerksmeister Werner Paltian. "Mit einer soliden handwerklichen Ausbildung kann man der Zukunft selbstbewusst entgegentreten", gab er den neuen Gesellen Hoffnung. Doch trotz guter Karrierechancen seien auch heuer wieder etliche Ausbildungsplätze im Landkreis unbesetzt geblieben.

Der Abwärtstrend lässt sich auch an den diesjährigen Zahlen ablesen: Wurden 2014 noch 96 Handwerker freigesprochen, waren es diesmal nur 70. Die häufigsten Abschlüsse gab es mit 16 Gesellen bei den Malern und Lackierern und 15 bei den Schreinern. Obwohl Schreibtischberufe bei der Jugend an Beliebtheit zunehmen, wurden heuer nur vier Bürokaufleute im Handwerk freigesprochen, im Vorjahr waren es noch zehn gewesen. Ganz im Trend liegt die Entwicklung im Bäckerhandwerk: Gab es 2014 noch zehn Freisprechungen, waren es diesmal gerade mal zwei.

Die Tatsache, dass nicht alle verfügbaren Ausbildungsplätze im Landkreis besetzt werden konnten, bestätigte Landrat Thomas Bold (CSU). Tröstend wies er allerdings darauf hin, dass der Landkreis Bad Kissin gen in der Ausbildungsentwicklung besser dastehe als mancher andere in Unterfranken. Auch Bold forderte zur Wahl eines Handwerksberufs auf, ist es nach seiner Meinung doch die beliebteste Berufsgruppe: "Jeder freut sich, wenn der Handwerker kommt." Dem modernen Drang zu weiterführenden Schulen oder gar zum Studium hielt der Landrat entgegen: "Das Lebenseinkommen eines Handwerkers ist vergleichbar mit dem eines Akademikers - manchmal sogar höher." Handwerk sei zudem notwendig, denn die Wirtschaft funktioniere nicht ohne qualifizierte Handwerker.


In der Heimat bleiben

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) ergänzte, Stadt und Landkreis hätten "durchaus "attraktive Angebote für junge Menschen", die ein Abwandern in die Metropolen unnötig machten. Den frischgebackenen Gesellen und Facharbeitern gab er deshalb die Mahnung auf den Weg, nicht nur auf den aktuellen Lohn, sondern auf die Entwicklungsmöglichkeiten in ihrer Heimatregion zu achten. Hier würden Handwerker gebraucht: "Ich freue mich, dass Sie etwas können, was ich nicht kann."

Handwerkliches Können in höchster Perfektion zeigten die jungen Musiker einer Percussion-Gruppe der Bad Kissinger Musikschule vor allem dann, wenn sie auf Trommel und Marimbaphon verzichteten und stattdessen im Stil der bekannten "Blue Man Group" mit Regenfallrohren aus Kunststoff und stählernen Spülbecken musizierten. Waren zuvor die 70 Gesellen für ihre Ausbildungsabschlüsse mit lobenden Worten gewürdigt worden, hatten am Schluss der Feierstunde die jungen Musiker die volle Aufmerksamkeit des Publikums und wurden mit stehenden Ovationen sowie lang anhaltendem Applaus für ihre begeisternden Darbietungen gefeiert.

Die Jahrgangsbesten
in alphabetischer Reihenfolge:

Jonas Grom (Burkardroth, Maler),
Jan Hemmerich (Bad Kissingen, Friseur),
Svetlana Klassen (Bad Neustadt, Bäckerei-Fachverkäuferin),
Johannes Markard (Hammelburg, Stahlbetonbauer),
Lukas Schäfer (Münnerstadt, Schreiner),
Jan Stürzenberger (Oberthulba, Schreiner),
Manuel Zänglein (Nüdlingen, Maurer)