Die Branche legt sich fest: "Für den Tourismus ist der Nationalpark eine große Chance", sagt Thorn Plöger, Geschäftsführer der im Februar neu gegründeten Rhön GmbH. Und Heinz Stempfle, Kreisvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hotel- und Gastbetriebe (Dehoga) ergänzt: "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass der Nationalpark für die Gastronomie und die Hotellerie eine gute Sache wäre." Bei der nächsten Sitzung des Landesvorstandes will sich Stempfle umhören, wie sich die beiden bestehenden bayerischen Nationalparks auf den Tourismus auswirken.


"Ein Stück ursprüngliche Natur"

"Die Rhön steht für einen nachhaltigen, naturnahen und sanften Tourismus", sagt Plöger, der die länderübergreifend agierende Rhön GmbH leitet. Die gesamte Rhön habe rund 5,6 Millionen Übernachtungen und 1,2 Millionen Tagesgäste. Zusätzlich zu den Kosten für die Übernachtung lasse ein Gast im Schnitt rund 40 Euro am Tag in der Region. Aus Sicht der Gesellschaft, die in der gesamten Rhön für Tourismus und Markenmanagement zuständig ist, sei "ein Stück ursprüngliche Natur" zur Erholung für Besucher und Einwohner wichtig. Diese Ursprünglichkeit für nachfolgende Generationen zu erhalten, ohne dabei die wirtschaftlichen Belange außer Acht zu lassen, sei das große Ziel, und: "Die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen sind zentrale Faktoren, um Menschen in der Region zu halten oder zurückzubringen und dort langfristig wirtschaftlich abzusichern."


"Mit positiver Grundstimmung"

Die Rhön GmbH sei auch Gebietsausschuss-Sprecher des Frankentourismus und vertrete die Interessen der Leistungsträger vor Ort. Neben der Dehoga hätten auch die Kurorte der Region schon "positive Signale gesendet". Offiziell gibt es dazu eher zurückhaltende Stellungnahmen: "Wir halten uns als Staatsbetrieb aus der Politik heraus", sagt etwa Titus Tesar, stellvertretender Kurdirektor in Bad Brückenau. Die Staatliche Kurverwaltung verhalte sich neutral, habe aber intern bereits eine Einschätzung ans Finanzministerium weitergegeben. "Wir sind in Kontakt", berichtet Tesar, die Stellungnahme zum Nationalpark aus Sicht der Touristiker gebe direkt das Ministerium ab.
"In der Nationalparkdiskussion befürworten wir den geplanten moderierten Dialogprozess der bayerischen Staatsregierung, um sich mit dem Thema noch mehr vertraut zu machen und eine fundierte Meinung zu bilden", sagt der Bad Kissinger Kurdirektor Frank Oette, und: "Aus touristischer Sicht kann man sich grundsätzlich Vorteile durch steigende Gäste- und Übernachtungszahlen vorstellen." Die Haltung der Staatsbad GmbH sei deshalb "neutral mit positiver Grundstimmung".
Plöger sieht die Tourismusbranche als "Leitökonomie des 21. Jahrhunderts". "Die Schaffung eines Nationalparks bietet eine Vielzahl an wirtschaftlichen Chancen, die es klug und nachhaltig auszuschöpfen gilt", sagt er. Mit einem Nationalpark hätte die Rhön laut Plöger ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Deutschland: "Es gibt viele Naturparke, etliche Biosphärenreservate und Nationalparks, aber nirgends alles auf einmal."


Projekt über Generationen hinweg

"Die Rhön mit ihrem rauen Charme zu erleben, erweist sich als prägend und erholsam", beschreibt Plöger die Vorzüge der Region. Ziel der Rhön GmbH sei, die naturnahen Momente für Touristen und Einheimische zu erhalten, aber eben auch Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen. Positive Effekte erhofft sich Plöger über Generationen hinweg, umgekehrt sieht er keine Gefahren für die unbewaldeten Kuppen im "Land der offenen Fernen": "Ich denke, dass wir zumindest in unserer Generation nicht mehr erleben, dass eine Aussicht zuwächst."
Plöger hat sich in den vergangenen Wochen mit vielen Fragen rund um den geplanten Nationalpark und die vorgeschlagene Gebietskulisse beschäftigt. Deshalb stehe sein Urteil fest. Auch Dehoga-Kreisvorsitzender Stempfle bleibt bei seiner Meinung: "Wir würden den Nationalpark sicher positiv begleiten und mit bewerben", sagt er. In die politische Diskussion mische er sich jedoch nicht ein - im Gegensatz zu Plöger: "Ich war bereits bei der Verbandsanhörung und fahre am Freitag auch nach Stangenroth." Dort werde er die Belange des Tourismus vertreten. Bei Details dagegen will er sich nicht einmischen: Der Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg hatte bereits den Klaushof als Sitz der Nationalpark-Verwaltung ins Spiel gebracht. "Der Klauswald mit dem Kaskadental und dem Wildpark ist sehr schön, aber ob dort ein Nationalpark-Zentrum hinkommt, müssen andere entscheiden", gibt sich Plöger dagegen diplomatisch.


Ausblick auf Zusammenarbeit

Die Arbeit der Rhön GmbH starte vermutlich erst dann, wenn es an konkrete Projekte geht: "Wichtig wäre, dass wir uns gemeinsam mit der künftigen Nationalpark-Verwaltung aufstellen, wie wir es mit der Biosphärenreservats-Verwaltung bereits erfolgreich machen", betont Plöger.