Ein Raunen geht durch die Stadt und fasziniert alljährlich tausende Besucher, wenn sich Kaiser, Könige und all die Persönlichkeiten die Kissingen einst zum Weltbad machten, in farbenfrohem Zug in den Rosengarten begeben, bevor der Ball beim Fürsten Rakoczy und der Quellenkönigin zum gesellschaftlichen Höhepunkt des Stadtfestes wird und sich die Hoheiten mit den Ballbesuchern den bewundernden Blicken ihren Fans bei der Gläserpolonaise im Kurgarten zeigen.
Hoffen und Bangen prägte die diesjährige Vorstellung der historischen Persönlichkeiten im Rosengarten. Die Rhönberge hatten nicht alle Ausläufer des Sturmtiefs "Zeljko" von der Stadt fernhalten können und so erlebten etwas weniger Zuschauer als sonst eine durchaus stürmische Vorstellung der "Historischen".

Zerzauste Frisuren
Da war manch kunstvolle Frisur der Hoheiten zerzaust, griff Fürst Bismarck trotz ausladendem Hut doch zum bereitgestellten Schirm, drückte Gräfin Beatrix ihren kleinen Erbsohn Otto II. von Henneberg fest an die Brust, aber der Hofmarschall ließ sich nicht beirren, rief alle zu sich, wie sehr der Wind die Springbrunnengischt auch vor sich her und manchen Besuchern entgegen blies. Organisator Bruno Heynen hatte die Darsteller trotz der Regenwolken motiviert: "Da müsst ihr durch, das sind wir unseren Gästen schuldig." Wie recht er hatte: Zum abschließenden Gruppenfoto zeigte sich die Sonne wieder. Mehr noch, ein Regenbogen tanzte zwischen den Fontänen des Springbrunnens und ließ die Mienen der Darsteller und Besucher aufleuchten. Kissingen sonnte sich wieder im Glanz seiner Vergangenheit.

Ball mit kleinen Überraschungen
Die Silhouette der Stadt als überdimensionaler Scherenschnitt, die markantesten Gebäude der Stadt mit matt hinterleuchteten Fenstern aus Pergament, so romantisch wurden die Ballgäste im Foyer des Regentenbaus empfangen. Die Kurgärtnerei hatte sich mit phantasievoller Dekoration wieder einmal selbst übertroffen, den Max-Littmann-Saal mit hunderten Gladiolen in die ungarischen Farben Rot-Weiß-Grün getaucht. Und so festlich eingestimmt, warteten die Ballgäste auf den Einzug von Gastgeber Fürst Rakoczy (Timo Baier) und waren verzückt, als die zauberhafte Quellenkönigin Martina Kohlhepp geradezu über das Parkett schwebte.
Hofmarschall Christian Schwarz stellte die prägenden Persönlichkeiten der Stadt in einer kleinen Choreographie vor. Da flog der Bienenkorb dem Bürger Peter Heil aus dem Publikum entgegen, zeigte Balthasar Neumann dem Stadtphysikus Boxberger seinen Plan zur Brunnenhalle und schritten die Wittelsbacher Könige Vater und Sohn Ludwig Seit' an Seit ' aufs Podium. "Das war nett und ist noch ausbaufähig", meinte das Ehepaar Martin aus Fulda, die seit vielen Jahren keinen Ball in Bad Kissingen versäumen.

Gläserpolonaise
Die anschließende Gläserpolonaise, das Bad in der Menge für Darsteller und Ballgäste, säumten dichtgedrängt wieder Tausende im Kurgarten. Da wird dann schon durchaus auch kritisch begutachtet, vor allem was "Frau" so trägt. In diesem Jahr waren ausgesprochen geschmackvolle Garderoben zu bewundern, einige Herren im Frack und Gehrock zu sehen. Der Mut, sich in Gewändern verschiedener Stilepochen zu zeigen, setzt sich fort und wurde um eine Variante mit farbigen historisierenden Militäruniformen bereichert.

Rumba, Quickstepp, Minnesang
Zurück im Max Littmann Saal gehörte das Parkett vor allem den ambitionierten Tänzern, die mehr als nur Disco Fox wollen. Erstaunlich viele Paare wiegten sich gekonnt klassisch zu Quickstepp und Wiener Walzer oder figurenreich zu Rumba und Cha-Cha-Cha. Freunde guten Essens ließen es sich derweil am Buffet bei " Gazpacho mit lauwarmer Lachsschnitte", "Parpadelle mit Salsa Verde" oder "Jungschweinefilet im Tramezzini-Kräuter-Mantel" schmecken. "Fürst" und "Quelle" führten dann die Fächerpolonaise an und baten danach zum gemeinsamen Walzer.
Jetzt heizten abwechselnd die OMB Big Band und das Ballroomorchester mit internationalen Hits, Schlagern und Evergreens die Stimmung so richtig an.
Danach folgte eine weitere kleine Überraschung. So ganz andere Klänge verzauberten den Max Littmann Saal. Minnesänger Otto von Botenlauben griff zur Lyra und besang Beatrix, sein "Kleinod aus dem Morgenland". Vom Rang können sie zwar mit Kaisern und Königen nicht mithalten, das Traumpaar des Mittelalters verkörpert aber spannende Stadtgeschichte. Knud Seckel und Catherine Vogel gelang es, mit einer Szene aus dem Minnesängerwettstreit bei den Botenlauben-Festspielen die Ballbesucher an eine erste Glanzzeit der Stadt vor fast 800 Jahren zu erinnern, als auf Botenlauben und im Stadtschloss zu Kizziche ein kunstsinniger Hof geführt wurde.
Danach aber waren Tango, Foxtrott und Langsamer Walzer wieder Trumpf und es wurde bis weit nach Mitternacht getanzt und gefeiert. Edle fränkische Bocksbeutel standen auf den Tischen. Rakoczywasser wurde dem Vernehmen nach nicht ausgeschenkt.