Zwei bis drei Mal täglich mehrere Minuten schrubben: Als Zahnarzt legt Markus Albert Wert auf Mundhygiene. Weil sich auf Zahnbürsten viele Keime tummeln, verwendet er Zahnbürsten mit abgerundeten Borsten aus Kunststoff. Von Naturborsten ist er dagegen weniger begeistert. "Die sind meist im Innenraum hohl und bieten Bakterien einen idealen Lebensraum", erklärt er.

Während die Zähne sauber geputzt werden, lagern sich auf dem Bürstenkopf Schmutz und Bakterien ab. Im feucht-warmen Klima des Badezimmers fühlen sich die Mikroorganismen wohl und vermehren sich rasant. "Dass im Mund Keime vorhanden sind, ist ganz normal", sagt Albert.


Elektrobürsten stärker belastet?

Wie viele sich auf handelsüblichen Hand- und Elektrozahnbürsten tummeln, hat das Labor L+S hat für die Hygieneserie der Zeitung untersucht. Die Laborauszubildenden haben für den Test eigene Zahnbürsten sowie Bürsten aus ihrem persönlichen Umfeld unter die Lupe genommen und die Keimbelastung ermittelt. Sie vermuteten zu Beginn, dass Elektrobürsten stärker belastet sind. "Das sind Aufsteckköpfe mit je einem Hohlraum innen. Dort trocknet es schlecht und es ist feucht", sagt Anna-Maria Brandl. Für Bakterien bietet das beste Brutbedingungen.

Sie erklärt die Arbeitsweise im Labor: "Wir hab die Köpfe von den Zahnbürsten abgezwickt", sagt Brandl. Die Keime wurden ausgeschwemmt und verdünnt. Danach haben die Auszubildenden die Proben auf Blutagarplatten aufgebracht, bebrütet und anschließend ausgewertet.


Gesundheitlich unbedenklich

Es wurden vor allem Umgebungskeime nachgewiesen, darunter typische Wasserkeime sowie Bakterien, die in der Mundschleimhaut des Menschen vorkommen. Bis zu 300 Millionen lebensfähige Mikroorganismen wurden auf einem Bürstenkopf gefunden. "Das ist zwar eine ganz erhebliche Keimzahl, für einen Menschen mit intaktem Immunsystem gesundheitlich aber völlig unbedenklich", wertet der Leiter des medizinisches Bereichs bei L+S, Dr. Andreas Rüffer das Ergebnis.

Die Keimzahlen zwischen Hand- und Elektrozahnbürsten unterscheiden sich kaum. Auch im Hinblick auf die Benutzungsdauer sind die Ergebnisse ähnlich. Zahnbürsten, die weniger als drei Monate und Bürsten, die länger als drei Monate benutzt wurden, sind ähnlich stark von Mikroorganismen besiedelt. "Das lässt darauf schließen, dass die Keimbelastung schon nach geringer Nutzung schnell ansteigt, dann aber nicht mehr stark zunimmt", interpretieren die Auszubildenden ihre Beobachtungen.


Keime regelmäßig abtöten

Sie empfehlen bei längerer Benutzung, die Zahnbürste regelmäßig zu säubern. Dafür eignen sich Reinigungsmittel für Zahnprothesen. Ein Kontrollversuch habe eine deutliche Keimreduktion belegt, berichtet Jasmin Henke. "Mit Corega-Tabs die Keime abzutöten, hat gut funktioniert", sagt sie.


Hohes Bewusstsein vorhanden

Der Zahnarzt rät seinen Patienten als Faustregel, eine Zahnbürste alle zwei bis drei Monate zu tauschen - auch weil mit der Zeit die Putzleistung nachlässt. Alberts Erfahrung nach sind mundhygienische Mängel bei den Patienten aber kaum ein Thema. "Die Leute halten sich an die Grundregeln", hat er beobachtet. Um hygienische Zustände zu gewährleisten, sollte jedes Familienmitglied eine eigene Bürste verwenden. Die Bürsten sollten getrennt voneinander aufbewahrt, nach dem Benutzen mit Wasser ausgespült und zum Trocknen aufgestellt werden.

Hygiene im Alltag

Von der öffentlichen Toilette über den Schreibtisch im Büro bis zum Putzlappen in der heimischen Küche: Auszubildende vom Labor L+S haben für dieZeitung die Keimbelastung an verschiedenen Orten, die in unserem Alltag eine Rolle spielen, untersucht und geben Hygienetipps