"Wer nicht von klein auf da reinwächst, braucht länger." Karl Oswald ist mit 83 Jahren immer noch passionierter Jäger und kennt sich in allen Bereichen des Jagdlebens aus. Umfangreiches Wissen benötigt der Waidmann von damals und heute, eine bestandene Jägerprüfung zeugt von theoretischen Kenntnissen und praktischem Können.

Bei seinem Vater hat sich Karl Oswald alles abgeschaut, angefangen von der Jagd und dem Ausweiden bis zur Ausbildung der Jagdhunde. Gerne hätte er beruflich im Forstfachbetrieb Fuß gefasst, "das war damals aber sehr schwierig". Die zweite Wahl war die Tiermedizin, kannte er sich mit Tieren doch schon gut aus. Das Studium absolvierte er an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Schon während der Veterinärausbildung machte er als 20-Jähriger die Jagdprüfung, "nach einigen Lehr- und Wanderjahren" war er von 1965 bis 1993 Tierarzt in Bad Brückenau. Obwohl er seinen Beruf auf Grund einer komplizierten Handgelenksoperation aufgeben musste, übernahm er gerne die Urlaubsvertretung für Kollegen.

Die Passion für das Jagen ist ungebrochen. Regelmäßig, im Sommer etwas öfter, müssen er und sein Hund in den Wald. Zu Treibjagden zieht es ihn ebenso: "Wegen dem Hund, der ist gut. Den wollen die anderen Jäger immer dabei haben." Heute hat Oswald, seit zwei Jahren Ehrenmitglied der BJV-Kreisgruppe, nur noch einen Dackel, früher hielt er auch noch große Hunde wie das Deutsch Drahthaar.

Karl Oswald hat einen Blick für das Alter der erlegtenTiere. Bei jeder Hegeschau beschreibt er Auffälligkeiten bei Jagdtrophäen. Während Bandwurmfinnen oder innenliegende Hoden bei Wildschweinen fast normal sind, war er im letzten Jahr über die "hochinteressante Nierenveränderung" bei einem erlegten Tier sehr erstaunt, die vorher noch nie beschrieben worden war. Inzwischen wurde sie an seiner Alma Mater feingeweblich untersucht und dokumentiert.

Zwei bis zweieinhalb Stunden kann eine Treibjagd dauern, wenn sie länger anhält, muss eine Aufbrechpause eingelegt werden. Aufgrund der Hygienebestimmungen muss erlegtes Wild spätestens zwei Stunden nach Abschuss aufgebrochen und die Organe müssen entnommen werden. In der Regel ist nach zwei Stunden aber Schluss und es werden die Jagdsignale zum "Hirsch tot", "Fuchs tot" und Halali geblasen.

Hilfreiches Monitoring

Zur Hegeschau der BJV-Kreisgruppe Bad Brückenau bliesen die Jadghornbläser zunächst das Begrüßungs-Signal. Schwarz-wildringleiter Gerhard Fiedler informierte über das Schwarzwild-Monitoring. Mittels Überwachung und Entwicklungsbeurteilung sollen umfangreiche Informationen über die Wildschwein-Bestände sowie über die von ihnen verursachten Schäden gegeben werden. Aufgrund der hohen Anpassungsfähigkeit in der Nahrungsbeschaffung wird eine Vermehrungsrate von 400 bis 450 Prozent angegeben. Dies ist sicherlich nur ein rechnerischer Wert, dennoch kommen auf Land- und Forstwirtschaft sowie Jäger und Jagdgenossen neue Probleme und Herausforderungen zu.

Mit den aus dem Monitoring gewonnenen Daten über Wildschäden oder die Wanderbewegungen des Wildes können effektive Jagdstrategien entwickelt werden. Außerdem ermöglicht das Monitoring für Jäger und Landwirte eine vernetztes Wissen und eine gestärkte Kommunikationsstruktur.

Gerhard Fiedler sprach sich deutlich für Schulungen in den Bereichen Wildbiologie und Sozialverhalten des Schwarzwildes aus, haben die Wildschweine doch inzwischen fast weltweit ihren Lebensraum. Im Osten drangen die Schwarzkittel jährlich um 100 Kilometer weiter vor und nehmen Wohnraum bis zu 4000 Meter Höhe ein. In Bayern haben sich die Wildschweinbestände kontinuierlich erhöht. Nach dem Rekordjahr 2002/ 2003 mit 55 200 Stück waren 2008/2009 62 195 Wildschweine in Bayern "beheimatet", der Regierungsbezirk Unterfranken stellt mit 22 259 Sauen den größten Streckenanteil Bayerns.

Reinhard Kuklinski von der Polizeiinspektion Bad Brückenau informierte über die rechtlichen Sachbestände bei einem Wildunfall. Als erstes habe der Autofahrer die Verpflichtung, das Wild an den Straßenrand zu räumen und/oder die Unfallstelle abzusichern. Danach müsse der Jagdpächter beziehungsweise die Polizei informiert werden.


Rechtliche Probleme

Kuklinski merkte an, dass eine Aneignung von Wildbret den Jäger auch zur Entsorgung verpflichte. Er betonte, dass die Jäger nicht in der Pflicht stünden, das Wild anzueignen. Dass sie nachts oder frühmorgens dennoch zur Unfallstelle fahren, stelle eine "große Erleichterung" für alle Beteiligten dar. Seinen Vortrag sah er daher "nicht als Aufklärung, sondern als Dank" an. Er hob hervor, dass "rechtlich filigrane Probleme" auftreten könnten, wenn ein Wolf oder Luchs angefahren wird. Ob der Jäger das Tier erlösen dürfe, sei nicht mit Sicherheit geklärt. Er verwies auf den Gruppenversicherungsvertrag, der für solche Fälle den Rechtsbeistand übernehme.
Gegen die Verlängerung der Jagdzeiten plädierte Jagdberater Heinrich Müller. Das Wild benötige eine Ruhezeit, "um für die zu erwartende Notzeit im Januar und Februar Kraftreserven zu sammeln". Mit Blick auf die "sehr guten Ergebnisse der Verbissinventur und Abschusserfüllung von 93 Prozent" sieht Müller eine Verlängerung der Jagdzeiten als überflüssig an. Seine persönlichen Anmerkungen zu der umstrittenen gesetzlichen Neuregelung wurden mit Applaus honoriert.

Müller hob das Engagement und die Passion der Jäger hervor. Er rief auch zu einem weiteren zielstrebigen Bejagen auf, um ein Anwachsen der Schalenwildbestände im Sinne der Waldverjüngung zu verhindern. Die Streckenergebnisse bei Fuchs, Waschbär und Dachs liegen gegenüber dem Vorjahr deutlich höher. Für die Seuchenbekämpfung ist die Bejagung dieser Wildarten wichtig.

Bürgermeister scherzt

Landrat Thomas Bold hob die Jagd als Kulturgut hervor. Auf das Zusammenspiel von Wald und Wild müsse geachtet werden. Auf die Zuwanderung von Wolf und Luchs müsse reagiert werden, auch das Schwarzwild müsse man "sehr stark im Blick und im Griff" haben. Bei der Jägerschaft im Raum Bad Brückenau spüre er "das richtige Augenmaß". Mottens Bürgermeister Jochen Vogel bemerkte schmunzelnd, dass er bei der Hegeschau gerne immer Neues dazu lerne. Diesmal, dass der demographische Wandel beim Schwarzwild noch nicht angekommen sei, im Gegensatz zu seiner Gemeinde.
Hans-Peter Donislreiter von der unteren Jagdbehörde bat um regelmäßiges Einreichen von Proben der erlegten Tiere, damit ein flächendeckendes Monitoring erreicht werden kann. Vor allem die für Hunde tödlich verlaufende Aujeszkysche Krankheit gelte es zu bekämpfen.