Georg Elser verfehlte sein Ziel, Adolf Hitler und seine engsten Gefolgsleute durch einen Bombenanschlag 1939 zu vernichten. Dennoch: "Georg Elser war ein Mann mit Mut und Weitsicht, der im entscheidenden Moment bereit war, zu handeln." So würdigt Joachim Ziller, Leiter der Gemeindeverwaltung Königsbronn, den Widerstandskämpfer. Ziller gehört einem Arbeitskreis an, der Leben und Ideen Elsers erforschte. Noch bis zum 26. Oktober ist eine Ausstellung über Georg Elser bei der Bundespolizei in Oerlenbach zu sehen.

"Eine Diktatur können wir uns heute nicht vorstellen", betont Ziller. "Georg Elser entschloss sich als 36-Jähriger gegen diese Willkür bereits 1939 unbeirrbar und zielstrebig zu handeln, um Schlimmeres zu verhindern." Schon Mitte der 1930er Jahre erkannte Elser, dass der Nationalsozialismus Deutschland ins Unglück führt. In Verhören gab er zu Protokoll, dass es den Arbeitern durch geringere Löhne und höhere Abgaben immer schlechter gehe und dass Familie und Freiheit eingeengt würden. "Er wählte die KPD, die sich für die Arbeiter einsetzt. Parteimitglied war er nie", berichtet Ziller.

Dem Münchner Abkommen der Großmächte 1938 zu Grenzvereinbarungen glaubte Elser nie: "Hitler wird weitere Forderungen stellen, sich weitere Länder einverleiben. Der Krieg ist unvermeidlich." Dies wollte Elser mit seinem Attentat verhindern. Er wählte den Münchner Bürgerbräukeller, in dem Hitler alljährlich am 8. November zum Gedenken an die Opfer seines Putschversuchs 1923 sprach. "Das war die Veranstaltung, von der man wusste, wann und wo exakt Hitler stehen und reden wird", erklärt Ziller.


Verhaftung während der Flucht

Intensiv bereitete Elser seinen Plan vor: "Auf der Arbeit entwendete er Pulverstücke und Dynamit, eignete sich Sprengkenntnisse an und konstruierte seine Höllenmaschine. In München ließ er sich 36 Nächte lang im Bürgerbräukeller einschließen, um akribisch die Säule, vor der Hitler sprechen würde, auszuhöhlen. Zwei Zeitschaltuhren - falls eine ausfallen sollte - steuerten die Bombe. Am Vorabend kontrollierte er nochmals den Mechanismus. Die Explosion sollte mitten in der Rede Hilters erfolgen", schildert Ziller das Vorhaben.

Elser selbst fuhr während Hitlers Auftritt mit dem Zug nach Konstanz und wollte zu Fuß in die Schweiz. Er wurde von zwei Zöllnern gestellt, die zuvor im Radio die Rede Hitlers gehört und die Detonation mitbekommen hatten. Der Auftritt des Diktators endete allerdings früher, weil Hitler wegen Nebels mit der Bahn nach Berlin fuhr. Die Zöllner fanden in Elsers Mantel eine Ansichtskarte vom Bürgerbräukeller und überstellten ihn nach München. Elser wurde verhaftet und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert.

Da Hitler den Saal eine Stunde früher verließ, folgten ihm viele Besucher. Die Bombe explodierte zu spät, um den Führer zu treffen. Acht Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Die Nazis nutzten das Attentat propagandistisch: Die Vorsehung habe Hitler gerettet, der britische Geheimdienst stecke hinter den Plänen. Ziller: "Die Gestapo durchsuchte Königsbronn gnadenlos. Sie vermutete in der 1750-Seelen-Gemeinde Verbündete. Zeitzeugen berichteten mir von Greueln wie brutale Beschimpfungen, Haft und Versetzung an die Front. Die Bewohner waren traumatisiert, manche heute noch. Sie wollen nicht darüber sprechen. Königsbronn wurde als sündiges Dorf bezeichnet."


Hinrichtung in Dachau

Elser sollte ein Schauprozess gemacht werden. Im Januar 1945 wurde er nach Dachau gebracht und am 9. April zusammen mit weiteren Regime-Gegnern wie Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi, Karl Sack, Wilhelm Canaris, Ludwig Gehre und Hans Oster ermordet. 30 Meter haben Elser in die Schweiz gefehlt oder drei Wochen, um von den Amerikanern in Dachau befreit zu werden.

1969 wurden die Verhörprot okolle Elsers veröffentlicht. Seine Rehabilitation dauerte bis in die 1990er Jahre. In Königsbronn entstand ein Elser-Archiv, in Heidenheim ein Elser-Arbeitskreis. 1995 gab es die erste Gedenkveranstaltung. "Heftige Angriffe gab es aus der rechten Szene: Königsbronn ehre Bombenleger und Mörder. Ein Terrorist bekomme ein Denkmal. Der Bürgermeister wurde bedroht, sein Haus würde abgefackelt. Da öffnen sich doch Parallelen zu heute", meint Ziller.


Rechtsradikale Attacken

Der Arbeitskreis trotzte den Angriffen. Namen für Schulen, Straßen und Plätze sind in Königsbronn Elser gewidmet. Sein Leben und Gedankengut zeigt der preisgekrönte Film "Elser - Er hätte die Welt verändert", der 70 Jahre nach Elsers Hinrichtung am 9. April in den Kinos anlief. Außerdem entstand in Königsbronn eine Gedenkstätte mit der Ausstellung, die jetzt in Oerlenbach gezeigt wird.


Heute weiter Vorbild

Bei der Eröffnung betonte Polizeidirektor Thomas Lehmann, dass die freiheitlich demokratische Grundordnung als Wertekompass über das reine Fach- und Anwendungswissen im Polizeidienst hinausgeht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar würdigte, dass Elser als Einzelner versucht hat, den Krieg zu verhindern, nachdem er den falschen Weg Hitlers erkannte hatte. Elsers Mut sei auch heute noch gefragt angesichts der Flüchtlingsfrage, die mittlerweile aber vom Großteil der Bevölkerung solidarisch begleitet werde.


Der Widerstandkämpfer Georg Elser

Leben Geboren wurde Georg Elser am 4. Januar 1903 in Hermaringen. Er stammte aus schwierigen familiären Verhältnissen, absolvierte eine Schreinerlehre und arbeitete unter anderem in Königsbronn, Heidenheim und Aalen. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler wurde er verhaftet und schließlich am 9. April 1945 in Dachau von den Nazis hingerichtet.

Ausstellung 29 Ausstellungsfahnen informieren zu Leben, Hintergründen und Vernehmungen Elsers sowie über Herkunft und Familie, Ausbildung und vom Attentat über die Festnahme bis zur Ermordung. Voranmeldungen wie für Schulklassen sind nötig, unter Tel.: 09725/ 710 3102.

Verfilmungen Georg Elsers Leben wurde bereits drei Mal verfilmt: "Einer aus Deutschland" von Klaus Maria Brandauer (1988), "Elser - Er hätte die Welt verändert" von Oliver Hirschbiegel (2015), sowie unter dem englischen Titel "Thirteen Minutes".