Einen hohen Stellenwert nimmt die internationale Zusammenarbeit im Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei Oerlenbach (BPOLAFZ) ein. Polizeianwärter/innen im zweiten Ausbildungsjahr weilten für zehn Tage im Oktober in Rumänien, ehe der Gegenbesuch in Oerlenbach erfolgte. Das Projekt ist Beitrag zu einer einheitlichen Grenzpolizeiausbildung in Europa.
Gäste und Gastgeber empfing Bürgermeister Franz Kuhn im Rathaus und stellte die Gemeinde mit Blick auf Ortsteile, Geschichte und aktuelle Situation vor. "Die Bundespolizei ist seit über 50 Jahren mit Oerlenbach eng verbunden. Viele Beamte und Angestellte wohnen in unserer Gemeinde und engagieren sich für das Allgemeinwohl", betonte Kuhn.

Gemeinschaftssinn stärken

Polizeidirektor Thomas Leh-man, Leiter der BPOLAFZ, stellte die Verbindungen zu anderen Staaten heraus: "Wir praktizieren die internationalen Kontakte seit Jahren. Wir alle können vor allem in Aus- und Weiterbildung voneinander profitieren und auf gemeinsamer Basis die globalen Herausforderungen für Sicherheit und Frieden meistern." Diesem Anliegen diene der aktuelle Austausch mit Rumänien.
Die Ausbildungsgruppen begleiteten von Oerlenbacher Seite die Polizeifachlehrer Markus Klüber und Erwin Ritter, von rumänischer Seite der Leiter des dortigen Standortes Ovidiu Stanciu und seine Stellvertreterin Adriana Cojan, die zusätzlich als Dolmetscherin fungierte. Der Austausch lief im Rahmen des "Frontexprojekts" mit dem Ziel, einen einheitlichen grenzpolizeilichen Ausbildungsplan in Europa mit Englisch als Amtssprache zu schaffen, um sich im Dienst gegenseitig noch besser zu helfen und den Gemeinschaftssinn weiter zu steigern.

Wertvolle Erfahrungen

Die Rumänen kamen aus dem 1270 Kilometer entfernten Oradea, einer Stadt mit 200 000 Einwohnern nahe der Grenze zu Ungarn. "Auch wir haben sehr gute Beziehungen zu unserer Stadt", informierte Polizeidirektor Stanciu in seinem Gruß und ergänzte: "Wir achten bei uns ethnische und religiöse Minderheiten. Bei uns wohnen beispielsweise Ungarn, Juden und Deutsche. Unser neu gewählter Staatspräsident hat deutsche Wurzeln. Die bilaterale Zusammenarbeit mit Deutschland ist für uns wichtig, um gemeinsam die Sicherheit in Europa mitzutragen." Die Partnerschaft unterstrich der Austausch von Gastgeschenken.
Victoria Onita, eine der Polizeianwärterinnen aus Rumänien, zeigte sich begeistert von dem Aufenthalt: "Wir sammelten viele interessante Erfahrungen. Mich faszinierten die technische Ausstattung und die deutsche Pünktlichkeit. Und die Deutschen denken immer im Voraus." Ihr Kollege Adrian Cimpoae, der ebenfalls zum ersten Mal im Ausland weilte, pflichtete ihr bei: "Wir können viele Anregungen für unsere Aufgaben mitnehmen. Es hat uns hier sehr gut gefallen, darunter ein Abendbesuch von Schweinfurt."

Gastfreundschaft gelobt

Von Oerlenbacher Seite lobten Katja Neufeld aus der Oberpfalz und Sebastian Mack aus Zeitlofs die große Gastfreundschaft, die sie zuvor in Rumänien genießen durften: "Wir wurden dort sehr herzlich aufgenommen. Alle kümmerten sich darum, dass es uns an nichts fehlt. Alle waren zu uns warmherzig, offen und freundlich." Für Katja Neufeld diente der Rumänienbesuch auch dazu, ihre Kenntnisse in Englisch als Amtssprache im Alltag zu praktizieren. Sebastian Mack beeindruckten andere polizeitaktische Lösungsansätze in Punkto Methodik und Didaktik. "Wir kamen beim Besuch eines Stadtfestes mit der Bevölkerung in Kontakt. Wir wurden gut aufgenommen, auch wenn die Verständigung nicht ganz einfach war", ergänzte er.
Inzwischen sind die Rumänien wieder auf dem Heimweg bzw. in Oradea angekommen. Die Oerlenbacher Anwärter/innen setzen ihre Ausbildung wieder in Deggendorf fort, da der Standort Oerlenbach derzeit voll belegt ist. Erst im September 2015 kehren sie zurück, um ihre Ausbildung abzuschließen. Kontakte werden Rumänen und Deutsche dank moderner Netzwerke weiter pflegen.