Nicht mit dem angekündigten Pontifikalamt, aber mit einem ebenso feierlichen Gedenkgottesdienst erinnerten Pfarrer Gerd Greier und Diakon Christoph Glaser in der Hausener Heilig-Kreuz-Kirche anlässlich des 40. Todestages an Julius Kardinal Döpfner. Der frühere Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele (88), der das Pontifikalamt am Sonntag hatte übernehmen wollen, ließ sich aus Krankheitsgründen entschuldigen. Die von ihm verfasste Predigt wurde jedoch verlesen.
In seinem Hirtenbrief würdigte Bischof Scheele die Lebensleistung des am 26. August 1913 in Hausen als Hotelierssohn geborenen und am 24. Juli 1976 in München kurz vor seinem 63. Geburtstag unerwartet verstorbenen Kardinals. "Hausen kann stolz sein auf den Sohn seiner Gemeinde." In der Nachkriegsnot habe der junge Bischof in Würzburg von 1948 bis 1956 "Hilfe geleistet, die weit über seinen Tod hinauswirkt", und von 1957 bis 1960 während des Kalten Krieges "im geteilten Bistum Berlin extrem schwierige Aufgaben bewältigt". Als Vorsitzender der Bayerischen und der Deutschen Bischofskonferenz (ab 1965) habe Döpfner "Maßgebliches für die hiesige Kirche geleistet".
Nach seinen Beiträgen zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) habe er sich vor allem als Präsident der Würzburger Synode (1971 - 1975) "mit ganzer Kraft für das Gelingen und die Umsetzung" der Beschlüsse eingesetzt. "Die Schwierigkeiten, die dabei zu bewältigen waren, haben ihn bis zum Einsatz der letzten Reserven herausgefordert", würdigte Scheele Döpfners Leistung.
Doch dürfe nicht verkannt werden, so der Bischof in seinem Hirtenbrief weiter, dass neben aller Leistung und allem Erfolg für den Menschen Döpfner die Begegnung mit Gott wesentlich war, weshalb am Sonntag auch die Liturgie dieses Thema behandelte. In seiner zuletzt aufgezeichneten Rundfunkpredigt, die erst zwei Wochen nach seinem Tod gesendet wurde, hatte Döpfner gemahnt: "Entscheidend für dein Leben und Wirken, entscheidend für das Geschick von Kirche und Welt sind nicht ins Auge fallende Leistungen. Entscheidend ist die Begegnung mit Gott."
Im Gedenkgottesdienst, der einen Text aus dem Buch Genesis, den Brief von Paulus an die Kolosser und das Vaterunser aus dem Lukas-Evangelium zum Inhalt hatte, jeweils vorgetragen vom Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Edmund Seller, erinnerte Pfarrer Greier an Döpfners Wort: "Wo beten aufhört, hört Christsein auf." Döpfners Leistung sei seine Mitwirkung an der Erneuerung der Kirche.


Gedenktafel enthüllt

Nach der Predigt verlas Greier den Text einer im Eingangsbereich der Kirche angebrachten, zuvor von Museumsleiter Hans Georg Keßler enthüllten Gedenktafel mit den wichtigsten Lebensdaten und Leistungen des Kardinals. Der Pfarrer wies allerdings darauf hin, dass diese von Kaplan Paul Reder und Keßler gestaltete Gedenktafel ein Provisorium sei: "Das Original ist noch in der Werkstatt."


Turmkugel gesegnet

Zum Abschluss des Gottesdienstes, der vom Hausener Chor "Chorisma" begleitet wurde, segnete Pfarrer Greier die vor dem Altar stehende Turmkugel, und bat, "dass auch in unserem Leben alles rund läuft". Die Turmkugel war wie das Turmkreuz vom Hausener Maler Gerhard Schneider frisch vergoldet worden.
Diakon Christoph Glaser, dem Greier zum Namenstag gratulierte, zeigte der Gemeinde den künftigen Inhalt der Kugel: Eine aktuelle Saale-Zeitung, ein Exemplar des katholischen Sonntagsblattes, eine Arbeit des Maria-Stern-Kindergartens sowie einige Cent-Stücke. Jetzt müssen Kugel und Kreuz nur noch angebracht werden. "Das Geld ist da", beruhigte der Paferrer die Gemeinde, ergänzte jedoch: "Aber es ist noch in euren Taschen".
Bei Musik des Hausener Blasorchesters, saftigen Steaks und Bratwürsten sowie verschiedenen Durstlöschern feierten die Gemeindemitglieder anschließend im Klosterhof. Der Festtag wurde mit einem abendlichen Orgelkonzert feierlich abgeschlossen.