Hilfeschreie aus dem Keller, aus dessen Fenstern dicker Rauch dringt, eine qualmende Küche, in der stöhnende junge Menschen am Boden liegen und geschockte, von Feuerwehrmänner "gerettete" und abtransportierte Jugendliche - das historische "Schreinersch-Haus" steht in Flammen.
Das Horror-Szenario war eine Übung könnte aber schon morgen bitterer Ernst sein. Das historisch beachtete und viel besuchte Gebäude ist brandschutztechnisch ein "heißes Eisen", räumt der Einsatzleiter und Kommandant der Machtilshausener Feuerwehr, Gerry Ackerl, ein. Mit Blick auf die vielen Holzteile des alten Bauernhauses meint er: "Das brennt wie Zunder, zumal es einen Gastank beinhaltet". "Hinzu kommt die enge Bebauung, die keine optimale Feuerbekämpfung zulässt. Im Ernstfall müssten wir die Brandbekämpfung auf die nebenstehenden Gebäude konzentrieren", fügt er hinzu. Für Übungszwecke optimal, hofft er jedoch, dass es im Schreinersch-Haus "nie richtig brennt". Einer der Gründe dafür dürften die aufwendigen und schwierigen Rettungsarbeiten sein.
Eine Gasexplosion in der Küche war der Auslöser der angenommenen Lage. Dabei wurden knapp 20 Jugendliche eingeschlossen, darunter eine südkoreanische Schulklasse, die einige Tage in Machtilshausen gastierte. Ingrid Mützel hatte die Lehrerin der fernöstlichen Schüler auf dem Jakobsweg kennengelernt, die bereits im vergangenen Jahr dem Elfershausener Ortsteil einen Besuch abstatteten.
Die auf Europatournee weilenden Koreaner spielten mit. "Als Statisten waren die Klasse", meinte Ackerl, der noch einen anderen Grund fand, der für die exotische Variante sprach: "Da die Koreaner zwar Englisch aber kein Deutsch konnten, mussten sich die Wehrleute mit ihnen irgendwie verständigen. Das hat offenbar ganz gut geklappt", sagt der Einsatzleiter.
Als Beobachter und Schiedsrichter urteilte Kreisbrandmeister Klaus Wüscher: "Die Strukturen haben gepasst. Natürlich war dies kein Ernstfall, denn da hätten wir unser Arbeitsfeld viel breiter angelegt", betonte er. Was ihm Sorgen macht, ist der zu geringe Wasserdruck im Ortskern von Machtilshausen. "Für die Drehleiter hätten wir den doppelten Druck gebraucht. Dazu müssten wir die Ortsnetze weiträumig anzapfen", informierte er Bürgermeister Ludwig Neeb. Ackerl verwies auf den Teich "In den Gärten", der noch als Wasserlieferant dienen kann. Dazu bräuchte man aber mehr Einsatzkräfte.
Bei der Übung im Rahmen der Brandschutzwoche waren alle Ortsteilwehren des Marktes Elfershausen, die Feuerwehr Hammelburg mit der Drehleiter, die Schäffler-Werksfeuerwehr und die Feuerwehr aus Fuchsstadt mit rund 80 Leuten - darunter 20 Atemschutzträger - und zehn Fahrzeugen im Einsatz. Die BRK-Bereitschaften aus Hammelburg, Bad Kissingen und Fuchsstadt stellten 13 Einsatzkräfte.