Maria Albert ist unschlüssig. Soll sie die Holztulpen nun mitnehmen oder nicht? Eigentlich hat sie schon genug gefunden, was sie heute gerne kaufen möchte: ein Huhn aus Ton, zwei Engel und einen großen Plüschhasen. "Das wird meine Osterdeko, die Engel verschenke ich", erklärt sie und bezahlt. Drei Euro fünfzig für alles. Echte Schnäppchen. Maria Albert kommt aber nicht nur deswegen in den kleinen Trödelladen hinterm Burkardrother Rathaus. Häufig schaut sie sich die vielen ausgestellten, gebrauchten Dinge einfach nur an. "Manches Stück weckt Erinnerungen an früher", sagt sie, wie etwa das alte Mokka-Geschirr, die Servierschürzen oder die Schallplatten aus den 50er und 60er-Jahren. "Außerdem ist alles sehr gepflegt und sortiert."

Mittlerweile verbringt sie fast jeden Samstag eine halbe Stunde hier bei Marion Zeininger, die den Trödelladen in der Unteren Marktstraße mit ihrem Mann betreibt. "Ja, die Maria ist eine gute Stammkundin von uns", sagt die Inhaberin - eine von vielen, denn das Geschäft mit dem Namen "Brauchbares" hat sich in den vergangenen Monaten gut entwickelt, obwohl nur am Samstag geöffnet ist. Oder vielleicht genau deshalb?


"Ein richtiger Umschlageplatz"

Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Junge und alte Leute aus der ganzen Region schauen vorbei, Touristen und Wanderer sowie echte Sammler, auf der Jagd nach Raritäten. Nicht immer werden sie fündig. Denn die Zeiningers verkaufen hauptsächlich Glaswaren, Porzellan, Tupperware, Bücher, Spielsachen, Videokassetten und vieles andere mehr, jedoch keine Kleidung und Möbel, nur kleine, wie Schränkchen oder Tischchen. "Wir sind ein richtiger Umschlageplatz", so Marion Zeininger.

Viele Waren bezieht das Paar aus Haushaltsauflösungen. "Wir werden oft angefragt, wenn Großeltern oder Eltern verstorben sind", sagt die 52-Jährige. Nicht selten spielen sich bei den Räumungen dann echte Dramen ab. Aber auch komplette Haushaltsauflösungen erledigen die beiden. "Wobei davon dann auch einiges auf dem Sperrmüll landet", so Jürgen Zeininger.

Das, was in den Verkauf kommt, wird gereinigt oder gewaschen und im Laden oder Lager einsortiert. "Ich habe sogar eine kleine Pornoecke mit erotischen Dekosachen", sagt sie und kichert. Jede Woche gestaltet sie den Laden um, dekoriert neu. Das liegt der gelernten Floristin im Blut, denn viele Jahre hat sie im ehemaligen Bad Kissinger Kaufhaus Pfister Porzellan- und Glaswaren verkauft, kennt sich daher auch gut mit wertvollen Stücken aus. "So mancher ist erstaunt, wenn ich erkenne, dass die guten Gläser von der Oma keine Kristall-, sondern welche aus Pressglas sind." Fürs Grobe ist hingegen ihr Mann zuständig, ein gelernter Schreiner, der im Hotel Frankenland als Haushandwerker arbeitet.

Etliche Sachen bringen die Kunden auch selbst zu den Zeiningers; etwa eine junge Frau, die einen Karton mit Büchern in den Händen hält. "Sie sind zu schade zum Wegschmeißen", sagt sie. "Hallo, könnt ihr das gebrauchen?" Mit diesem Gruß betritt wie aufs Stichwort ein Mann das Geschäft. Es ist der Nachbar, der gerade sein Haus entrümpelt. "Was zwei Jahre nicht gebraucht wurde, kommt hierher", erklärt er. Diesmal bringt er einen kleinen Polsterstuhl, einen Spiegel und verschiedene Übertöpfe. Freudig nimmt Jürgen Zeininger die Dinge entgegen und will sie erst einmal nach hinten bringen. Doch eine Kundin hält ihn auf. "Der Spiegel gefällt mir, den nehme ich gleich mit", sagt sie.


Eigentlich ganz andere Pläne

Dass der Laden so gut angenommen wird, freut die Zeiningers. Denn ursprünglich hatte die Familie andere Pläne mit dem Haus, in dem sich früher das Café Höchemer befand. "Als wir es 2011 kauften, wollte unser Sohn, ein gelernter Koch, hier wieder ein kleines Café einrichten." Doch das klappte nicht. Zunächst wurde der ehemalige Gastraum als Abstellraum genutzt. Mit der Zeit entwickelte sich die Idee vom Trödelladen, der schließlich im Juli 2014 eröffnet wurde. "Wir gehen schließlich schon seit 30 Jahren auf Flohmärkte, kaufen und verkaufen Sachen", erzählt Jürgen Zeininger. Angefangen hat dieses Hobby schon kurz nach der Hochzeit der beiden. "Wir hatten so viele Salatbestecke und Schüsseln geschenkt bekommen, die mussten wir wieder loswerden.".
Viel verdient das Paar nicht mit seinem Flohmarktladen, ist aber glücklich damit. "Was übrig bleibt, wird in das Haus investiert." Dann öffnet sich die Ladentür erneut und Maria Albert kommt noch einmal herein, die Kundin von heute morgen. "Sind die Holztulpen noch da?"