"Ich sehe mich nicht als Frauenbeauftragte", sagt Nadine Bock. Die 34-Jährige ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. Sie handelt nicht nur dort, wo Frauen benachteiligt sind. "Genauso auch da, wo Männer unterrepräsentiert sind", sagt sie. Im Landratsamt, wo sie hauptsächlich wirkt, sei die Verteilung der Geschlechter annähernd ausgeglichen. Ganz ohne eine gesetzliche Frauenquote. Die Abteilungsleiterin für kommunale und soziale Angelegenheiten ist von diesem umstrittenen Regelvorschlag ohnehin nicht unbedingt angetan: "Ich halte nichts von der Quote. Meine Qualifikation ist es nicht, eine Frau zu sein", sagt Nadine Bock.

Gegen Gewalt in der Ehe

Die 34-jährige Juristin organisiert außerdem zweimal im Jahr einen Runden Tisch zum Thema "häusliche Gewalt". Wenden sich Bürger mit Scheidungsfragen oder Gewalt in der Ehe an sie, versucht sie zu vermitteln und an die richtige Stelle zu verweisen. Zehn Mal im Jahr kommen solche Anfragen bei ihr an, erzählt die Gleichstellungsbeauftragte.

Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Melanie Schäfer arbeite sie unabhängig, fern der Politik und ohne Einfluss von Firmen. Die beiden Frauen organisieren den "Girls´-" und den "Boys´ Day" im Landkreis. Zwei Broschüren, eine für Mädels, eine für Jungs, machen auf jeweils untypische Berufe aufmerksam.

Uncool vor den Kumpels?

Einer davon ist der des Kinderpflegers. Im "Stänicher Zwergentreff" könnten den auch junge Männer erlernen. Doch von denen fehlt fast jede Spur. "Wir haben immer wieder mal Praktikanten, aber sehr wenige", sagt die Leiterin des Steinacher Kindergartens, Sabine Braun. "Als mal ein Erzieher da war, kam das bei den Kindern gut an. Der kann dann mal mit ihnen Fußball spielen oder an die Werkbank." Ein Mann sei "von der Art einfach anders". Bisher sei das Bild des Kinderpflegers überwiegend weiblich besetzt. Junge Männer tun sich schwer, diesen Beruf gegenüber ihrem Umfeld zu verteidigen, erklärt Sabine Braun. Sie hofft, dass sich das Bild in der Gesellschaft irgendwann ändert. "Es wäre schon gut, wenn wir einmal einen zehn prozentigen Männeranteil hinkriegen."

Weg von der breiten Meinung

Martha Arnold von der Firma Seger Transporte in Münnerstadt hat mit dem gleichen Problem zu tun. "Das Bild des Berufskraftfahrers ist in den Köpfen tief verwurzelt", sagt die kaufmännische Leiterin des Transportunternehmes. Von den 80 bis 100 Angestellten sind nur wenige weiblich. "Wir würden gerne eine Frau ausbilden, aber das ist die absolute Ausnahme." Die körperliche Anstrengung und der raue Ton unter den Männern halte Mädchen von der Ausbildung zur Berufskraftfahrerin ab. "Man müsste mehr Marketing machen", sagt Martha Arnold. Wie beim Informationstag der Bad Kissinger Berufsschule. Dort ist die Gleichstellungsstelle des Landkreises vertreten.

Die jungen Leute sollen ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und nicht der Wahrnehmung der Gesellschaft folgen, erklärt Nadine Bock. "Jeder muss selber wissen, was für ihn das Beste ist."


Recht Um die Gleichstellung von Frauen und Männern zu sichern, ist ein entsprechendes Gesetz in der Bayerischen Verfassung und im Grundgesetz festgeschrieben. Darin heißt es: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."

Vorbild Die Regelung gilt für den öffentlichen Dienst und soll für die Privatwirtschaft eine Signalwirkung haben.