Und wieder entpuppten sie sich als Lustmusiker, die ihre Zuhörer sogar für zeitgenössische Musik begeistern konnten. Auch wenn sie ihr typisch amerikanisches Programm, das keine Berührungsängste kennt, mit Wiener Klassik begannen: mit Ludwig van Beethovens Streichtrio G-dur op. 9/1. Paul Huang (Violine), Matthew Lipman (Viola) und Nicholas Canellakis (Violoncello) nahmen das Werk ganz demokratisch gleichberechtigt, spielten sich in größtem Einverständnis und mit hoher spielerischer Energie die melodischen Bälle zu und schafften es dabei, den Humor herauszustellen, der oft zwischen den Notenzeilen verborgen bleibt.

Nicht unbedingt eine Musik, die man sich nachmittags zum Tee in den CD.-Spieler schiebt, ist das Klaviertrio des Amerikaners Pierre Jalbert (mit Kristin Lee, Nicholas Canellakis und Gilles Vonsattel). Das sind zwei Sätze mit den Titeln "Life Cycle" und "Agnus Dei", die in keiner Weise den europäisch geprägten Erwartungen entsprechen, sondern die Jalbert in eine gnadenlose Gegenwart verschoben hat. Da werden, und das machten die drei Musiker sehr engagiert deutlich, in einem Lebenskreislauf härteste Kämpfe außerhalb jedeglicher Harmonie ausgefochten. Da beginnt das "Agnus Dei" zwar mit leisen, bittenden Tönen, wird aber in einme langen, durchgehenden Crescendo übermächtig. Keine schöne, aber eine höchst beeindruckende Musik.

Das war auch "Winnsboro Cotton Mill", ein Blues des Amerikaners Frederic Rzewski für Klavier solo, der zurückführt in die Entstehung des Blues in der Welt der Arbeiter. Da erklingt zunächst, zunehmend motorisch gesteigert, zunehmend dröhnender, der Lärm in einer Machinenhalle, von Gilles Vonsattel mit enormem Einsatz - auch er Unterarme - gespielt, bis gleichsam zum Feierabend, eine leichte, tänzerische, mit Synkopen aus dem starren Rhythmus der Maschinen herausgeholte Musik erklingt. Aber das Glück ist natürlich nicht von Dauer. Schon bald setzt wieder der Lärm der täglichen Arbeit ein.

Wie ein vergnügliches Pingpongspiel wirkte dagegen Mozats Duo für Violine und Viola KV 423 (Paul Huang, Matthew Lipman), und das ist es im Grunde genommen auch hier: ein Hin und Her der Melodien, die immer wieder neu beleuchtet und verziert werden.

Und zum Schluss noch ein ausgewachsenes Klavierquintett für alle Beteiligten: Ernest von Dohnányis c-moll-Quintett op. 1 ist, wie schon die Tonart nahe legt, ein Werk voll spätromantischer Wucht, und die fünf jungen Leute sahen das als Auftrag. Nicht dass sie pausenlos fortissimo gespielt hätten, gestalteten sie die Sätze mit großer expressiver Kraft, mit einem intensiven aufeinander Eingehen, mit langen dramatischen Bögen. Und auch, wenn sie wirklich fortissimo spielten, blieb die Musik in ihren Strukturen und Bezügen sehr gut durchhörbar.

Da ist in den letzten zwei Jahren eine Brücke nach New York entstanden, die zu erhalten sich wirklich lohnt.