"Ich bin einfach nicht schnell genug mit dem Rolli über die hohe Bordsteinkante gekommen", erzählt Anneliese Hoppmann ihr schlimmes Erlebnis vom Frühjahr. Am Postamt hatte ein rückwärtsfahrendes Auto sie übersehen und zu Boden geschleudert. Das Erlebnis verfolgt sie bis heute. Da war der Rollatorkurs ihr deshalb sehr willkommen.

Sie sagt: "Ich will mich sicher fühlen, wenn ich aus dem Haus gehe". Die rüstige und geistig hellwache Seniorin - dass sie heuer 97 wird, sieht man ihr keinesfalls an - möchte nach wie vor selbstbestimmt am Leben teilnehmen, will unter die Leute und einkaufen gehen. Edgar Kast von der Verkehrswacht, der mit Rose Gerbeth von der Senioreninitiative "Mach mit" den Kurs organisiert hatte, zeigte ihr und den übrigen Teilnehmerinnen, wie man mit einer Ankipphilfe die Bordsteinkante überwinden kann. "Das hätte ihr vielleicht geholfen", meinte Kast.

Aufmerksam hört auch Ute Jakobi zu. Ihr Gerät hat diese Einrichtung ebenfalls nicht. Sie muss ihren Fuß hinter das Rad stellen, um den Rolli zu kippen, wenn sie ein Hindernis überwinden will. "Das dauert und ist mühsam", meint sie. "Überhaupt gibt es für Ältere viele Hindernisse in der Stadt" , ergänzt sie und zeigt auf ein Geschäft beim Feuerturm: "Eine hohe Stufe, da kann ich nicht rein". Die Toiletten in Cafés? Meist im ersten Stock oder im Keller: "Wie soll ich da hin kommen?" Die schräge Rampe "beim Kupsch" hingegen sei vorbildlich. "Also kauf ich da ein", ergänzt sie.

Gehhilfen überprüft

Ein Experte der Firma Hörnlein überprüfte die Gehhilfen der Teilnehmerinnen. Hier zog eine Bremse schlecht, da fehlte eine Klingel. Er stellte eine moderne Gehilfe vor mit Erleichterungen: Von Leichtbauweise über Beleuchtung, bis hin zum Alarmsignal, wenn der Rolli umfällt.

Nach dem theoretischen Teil ging es dann auf die Piste. Um Sicherheit im Verkehr zu üben, hatte Edgar Kast eine Strecke mit neuralgischen Punkten in der Innenstadt ausgewählt. Über die Amtsgerichtskreuzung zu Bushaltestelle, Kirche, Ludwigsbrücke und Fußgängerzone führte die Strecke. Fahrbahnüberquerung, Vorfahrtsregeln, Rutschgefahr, Kleidung und eigene Leistungsfähigkeit erläuterte er anhand der jeweiligen Verkehrssituation.
Nach der anstrengenden Runde traf sich die kleine Gruppe im Dachcafé des Mehrgenerationenhauses. Dort wurde den Teilnehmerinnen dann auch eine Urkunde überreicht: "Das ist der Führerschein für Rollatorfahrer" , scherzte Kast.

Dieser Exkurs setzte die Reihe der Sicherheitstrainings von "Mach mit" und Kreisverkehrswacht fort, die mit einer theoretischen "Indoor-Schulung" und praktischen Übungen zum Ein und Aussteigen beim Bus begonnen hatte. Ziel der Veranstaltungen sei es, der älteren Generation zu mehr Selbstständigkeit, individueller Mobilität und Sicherheit im Straßenverkehr zu verhelfen, ergänzte Rose Gerbeth von "Mach mit" am Schluss der Veranstaltung.