Maximilian und Paula sind hochkonzentriert. Ihr Blick ist fest auf das Notenblatt gerichtet. Die Wangen sind leicht gerötet. Die beiden spielen Trompete, geben am Sonntag gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der Bläserklasse ein kleines Konzert beim Stangenrother Lindenfest. Eltern, Großeltern und viele Bekannte sind da, auch vom Musikverein. Da wollen sich die Kinder natürlich von ihrer besten Seite zeigen und ohne Patzer spielen. Das Vorhaben gelingt. Deshalb gibt es nach dem gut 30-minütigen Vortrag auch kräftigen Applaus. Entsprechend geben die elf Nachwuchsmusiker, die zwischen acht und 14 Jahre alt sind, eine kleine Zugabe. "Es war super gut", freut sich Maximilian nach dem Konzert und eilt aus dem Festzelt. Nach dieser Anstrengung muss der Neunjährige erst mal ordentlich auf der Hüpfburg toben und mit seinen Freunden spielen.
"Ich war überrascht, als er sagte, er möchte Trompete lernen", erzählt seine Mutter, Karina Scheuring. Schließlich sind sie und ihr Mann nicht so musikalisch, können kein Instrument spielen. Maximilian inzwischen schon. Er hat die Trompete beim Schnuppertag des Musikvereins in der Stangenrother Rhönfesthalle ausprobiert und wird seit Herbst 2014 in der Bläserklasse an dem Instrument ausgebildet.


Im Verein deutlich günstiger

Sein Lehrer ist Frank Brixel, ein Profimusiker. Viele kennen ihn noch von der Band "Rhöner Bluat". "Eine Ausbildung an der Musikschule käme deutlich teurer", nennt Karina Scheuring einen weiteren Punkt, warum sie und ihr Mann sich für die Ausbildung ihres Sohnes in der Bläserklasse beim Musikverein entschieden haben. Doch das ist nicht der einzige Vorteil. "Die Kinder bleiben vor Ort, müssen nicht groß herumgefahren werden", fügt sie hinzu.


Fahrt in den Freizeitpark

Nicht nur die musikalische Ausbildung kommt bei der Mutter gut an, sondern auch das attraktive Freizeitprogramm. Schließlich werden regelmäßig Ausflüge unternommen, demnächst fährt der gesamte Musikverein in den Freizeitpark Tripsdrill, sowie Fasching- und Halloween-Partys gefeiert. "Zudem werden die Kinder richtig in das Vereinsleben einbezogen", sagt Karina Scheuring. Das ist den Verantwortlichen von der Vereinsspitze auch wichtig. Schließlich soll sich der Nachwuchs, der im Übrigen nicht nur aus Stangenroth stammt, wohlfühlen und idealerweise später einmal das Hauptensemble unterstützen.
Als Bindeglied wurden extra Jugendbeauftragte ernannt, die sich um die Kleinen kümmern. "Für unser diesjähriges Lindenfest haben die Kinder von der Bläserklasse und die Jugendlichen gemeinsam die Dekoration angefertigt", erzählt Michaela Voll, die zweite Vorsitzende des Stangenrother Musikvereins. Besonders gut gefallen ihr die bunten Nachbildungen der Instrumente aus Holz, die im Festzelt oben hängen.
"Die Flöte da hinten haben wir gemacht", erzählt Maxima ganz stolz. Die Zehnjährige wohnt in Burkardroth und spielt gemeinsam mit ihrer Freundin Carla aus Stangenroth Querflöte. Die beiden kennen sich aus der Grundschule, besuchen nun aber unterschiedliche Gymnasien. Dennoch bleibt ihre Freundschaft bestehen, dank des gemeinsamen Hobbys. Jeden zweiten Freitag haben die beiden Mädels ebenso wie die restliche Bläserklasse Probe in der alten Schule Stangenroths. Daneben müssen die Nachwuchsmusiker zu Hause üben, was gerade jetzt bei schönem Wetter schwerfällt. "Aber das Musizieren macht Spaß, da übt man auch gerne", erklärt Carla ganz professionell.


"Die sind schon richtig gut"

Theresa Kleinhenz ist schon ein Stück weiter. Die Vierzehnjährige spielt Saxophon in der Bläserklasse, ebenfalls erst seit der Gründung vor eineinhalb Jahren. "Ich finde den Musikunterricht gut, weil dann kann ich mit Amelie (andere Saxophonspielerin - Anm. d. Red.) Duette einüben", sagt sie. Die werden dann unter anderem bei Seniorennachmittagen, Festen in der Umgebung und Veranstaltungen vor Ort aufgeführt. "Die Kinder der Bläserklasse spielen schon richtig gut", schwärmt Dirigentin Martina Voll. Einige davon könnten voraussichtlich in wenigen Monaten schon in das große Ensemble wechseln.
Um jedoch weiter über ausreichend Nachwuchs zu verfügen, plant der Verein, ab Herbst eine weitere Bläserklasse zu starten. "Wir bilden an Holz- und Blechblasinstrumenten aus", erklärt stellvertretende Vereinsvorsitzende Michaela Voll, die die beiden Mädchen an der Querflöte unterrichtet.


Alle Kinder sind willkommen

Mitmachen können alle Kinder, egal aus welchem Ortsteil des Marktes Burkardroth sie kommen. Und sie müssen mindestens sechs Jahre alt sein. "Weil sie dann schon lesen und auch mit den Instrumenten umgehen können, von der Körpergröße her", so die Dirigentin. Anmeldungen werden noch bis Monatsende entgegengenommen, da die Neuen dann mit in den Freizeitpark nach Tripsdrill fahren dürfen. Einige Anmeldungen liegen dem Verein bereits vor. Einer davon ist Konstantin, der kleine Bruder von Maximilian Scheuring, dem Trompetenspieler. "Er will Klarinette lernen", freut sich seine Mutter.