Frieden fängt im Kleinen an. Das belegte die Ausstellung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Gemeindepartnerschaft zwischen Oerlenbach und dem französischen Douvres-la-Délivrande. Sie erinnerte sowohl an die häufigen Kriege zwischen Deutschland und Frankreich als auch an das Miteinander, das Basis eines geeinten Europas ist.
"Die Begegnung der Menschen führt zum Verstehen. Das praktizierten vor 50 Jahren Adenauer und de Gaulle mit dem Elysée-Vertrag", der Auftakt zur inzwischen längsten Friedensperiode in Zentraleuropa, betonte Bürgermeister Siegfried Erhard. Trotz sprachlicher Probleme seien die Bande zwischen Douvres und Oerlenbach Beleg von Versöhnung und Freundschaft auf kleinster Ebene. "Seit zehn Jahren kennen und schätzen wir uns. Die Partnerschaft liegt bei Verena Bohl und Peter Iberl in guten Händen." Äußere Zeichen seien die "Résidence Oerlenbach" als Wohnviertel in Douvres und der Douvres-Park in Oerlenbach.

Eine Rückschau in Bildern

Die Ausstellung hatten Gemeinde und Partnerschaftskomitee vorbereitet. Die Besucher konnten chronologisch die zehn Jahre in Wort und Bild nacherleben, in denen es Sport-, Kultur- und gesellschaftliche Begegnungen gab. Videos präsentierten Douvres mit seinen Sehenswürdigkeiten, darunter die neugotische Wallfahrtsbasilika "Notre Dame". Dokumente und Bilder gab es auch vom Zweiten Weltkrieg, als deutsche Truppen die Region besetzt hatten, bevor die Alliierten die Region befreiten. Soldatenfriedhöfe und das Radarmuseum in Douvres erinnern heute noch daran. Als persönliches Vermächtnis zeigte Peter Iberl, wie seine Eltern - Vater als deutscher Soldat 1940 im Elsass, Mutter Französin - kennenlernten und 1942 "mitten im Krieg" heirateten.

Oldtimer in der Ausstellung

Für Frankreich stehen in der Ausstellung zwei Citroen-Oldtimer, ein D-Super mit 98 PS, Baujahr 1973, den Manfred Angles (Rottershausen) vor zwei Jahren erworben hat, und eine 2 CV-Ente, Baujahr 1978, die in den 80er Jahren zur "Bayern-Ente" umgerüstet wurde. Diese Ente errang 1990 bei einem Welttreffen in Orléans den ersten Preis für die schönste Lackierung und die "Brezelstoßstange" aus Holz. Seit drei Jahren gehört sie Helmut Körner (Eltingshausen). Michael Völkel bereicherte diesen Teil der Ausstellung mit zahlreichen Fotos toller französischer Fahrzeuge.
Mit herrlichem, kräftigem Duft lockte ein Stand, an dem die Köstlichkeiten der Normandie - Käsesorten, Cidre, Pommeau, Calvados - zum Naschen luden, ergänzt vom Obst- und Gartenbauverein Rottershausen mit einer Apfelausstellung.

"Wurzeln des geeinten Europa"

Bereits zu Beginn feierten viele Besucher die Morgenandacht mit Pfarrer Philipp Klein, Gabi Kanz und Margarete Müller, Philipp Stapf (Orgel) und Männergesangverein Ebenhausen, geleitet von Kurt Distler.
"Für uns ist es eine große Freude, wieder in Oerlenbach sein zu dürfen", versicherte Gérard Duval, der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees von Dou vres. "Unsere Dörfer kennen sich inzwischen sehr gut und zählen zu den Wurzeln eines geeinten Europas." Er war mit fünf Begleitern angereist. Alle lobten die Gastfreundschaft während der Kulturtage. Jean und Anne-Marie Durand waren bereits bei der Manifestation der Partnerschaft 2003 in Oerlenbach. "Uns bewegten die vielen französischen Melodien und Chancons, die wir beim Musikabend hörten", erinnerten sie sich. Die Feier sei sehr gemütlich, locker und wenig protokollarisch gewesen, sagten sie, bewegt von der Ausstellung mit den vielen Fotos und Dokumenten. Per Kleinbus reisten sie am nächsten Tag zurück.
Zufrieden beurteilte auch die VG Rottershausen als Veranstalter die Kulturtage. Viele Helfer betreuten die Gäste bei Mittagessen und Kaffeetafel. Tisch- und Hallenschmuck sorgten für ein wunderbares Ambiente, das viel Anerkennung fand.