Musikalisch umrahmt von den "Rossinis", charmant moderiert von Irina Hanft vom Bayerischen Rundfunk, mit stilvoller persönlicher Übergabe der Gesellenbriefe, einem Erinnerungsfoto für jeden und anschließendem Sektempfang mit Häppchen geriet die Feier zu einer bemerkenswerten Imagekampagne für das Berufsbild. Die eigentliche Überraschung dabei waren die jungen Damen und Herren. So dominierte keinesfalls die Farbe schwarz, als die Absolventen selbstbewusst und fröhlich ihre Urkunden als Bestattungsfachkraft entgegennahmen und ein verantwortungsvolles Berufsbild repräsentierten.

" Wie eine Gesellschaft mit Tod und Trauer umgeht, spiegelt ihre Werte", rief Christian Streidt, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter 151 jungen Menschen aus ganz Deutschland zu, die nach dreijähriger Ausbildungszeit und bestandener Gesellenprüfung im Rossinisaal aus seinen Händen eine Urkunde erhielten, die sie als Bestattungsfachkraft ausweist. Erst seit zehn Jahren gebe es das Berufsbild, und den jungen Menschen werde vor allem vermittelt, dass sie Begleiter für Menschen in einer schwierigen Situation sind, meinte Streidt und ergänzte: "Ja, wir haben mit dem Tod zu tun, aber wir beschäftigen uns viel mehr mit den Lebenden. Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz sind wichtige Voraussetzungen für den Beruf."

Walter Heußlein, Vizepräsident der Handwerkskammer Unterfranken, freute sich, dass die Feier in einem so schönen Rahmen stattfinde und forderte die Freigesprochenen zu lebenslangem Lernen auf, der heutige Tag sei nur eine erste Etappe.


Weltweit einzigartig

Landrat Thomas Bold erinnerte an die weitsichtige Entscheidung, die mit der Ausweisung des Lehrfriedhofes in Münnerstadt begonnen habe und nun mit dem Bestattungszentrum und der gleichzeitigen überbetrieblichen Ausbildung in der Berufsschule in Garitz den Ausbildungsberuf Bestattungsfachkraft geschaffen habe, der weltweit einzigartig sei.

Rosina Eckert, Leiterin des Bundesausbildungszentrums in Münnerstadt, rief dann die frisch-gebackenen Gesellen einzeln auf die Bühne und fand für jedem ein paar persönliche Worte.

Gut gelaunt und schlagfertig beantwortete Sidney Mc Queen aus Münnerstadt die Fragen der Moderatorin, was ihr an diesen Beruf gefalle: "Die Dankbarkeit, die man erfährt, wenn man Menschen in schweren Stunden begleiten kann."

Wenke Wenk, aus dem Nachbarlandkreis Rhön Grabfeld meinte auf die Frage warum sie ausgerechnet diesen Beruf ergriffen habe: Nach einem persönlichen Trauererlebnis habe sie beschlossen: "Das kann man besser machen."


Hervorragende Ausbildung

Dr. Rolf Lichtner, Düsseldorf, Geschäftsführer des Bundesverbands, lobte die hervorragende überbetriebliche Ausbildung in der Berufsschule in Bad Kissingen. Er bedankte sich besonders bei Studiendirektor Klaus Werner, der die Lehrpläne mitgestaltet und den Ausbildungsberuf mitgeprägt habe. Er freute sich über den 1000. Lehrling, Max Welcher aus Hildesheim, und zeichnete die Jahrgangsbeste Lina Leßner aus Lingen mit einem Stipendium von 6000 Euro aus. Gefragt nach Ihrer Motivation meinte Lina Leßner: "Ich spüre, dass die Hoffnung nach den Gesprächen zurückkehrt."

Oberstudiendriektor Rudolf Hoffmann wies auf den beachtlichen Wirtschaftsfaktor der Ausbildung für die Bestatter in Bad Kissingen hin. 250 Schüler aus ganz Deutschland kämen für insgesamt 13 Wochen pro Jahr nach Bad Kissingen. "Die bringen dann schon mal ihre Eltern mit, denen gefällt Bad Kissingen und die kommen dann wieder." Auch er zeigte sich angetan vom professionellen Ablauf der Veranstaltung, die ganz bewusst den Beruf in einem positiven Licht gezeigt habe. Der Bestatter ist Dienstleister habe rein gar nichts mehr mit dem Totengräber von früher zu tun.

Ein Disco-Abend "Undertaker on Dancefloor" im Hotel Frankenland und ein "Ehemaligen-Tag” am Tag darauf mit Ausstellungen, Vorträgen und Produktpräsentationen rund um das Bestattungsgewerbe in der Berufsschule rundete die Veranstaltung ab.

Professionell Bad Kissingen und Münnerstadt sind für die Bestatter in Deutschland seit 1994 Mittelpunkt der beruflichen Aus- und Fortbildung. Der Lehrfriedhof, die Theo-Remmertz-Akademie e.V. (=Bundesausbildung-szentrum der Bestatter) in Münnerstadt und die Bestattungsfachklasse der staatlichen Berufsschule Bad Kissingen ergänz en im dualen System die betriebliche Ausbildung für den Ausbildungsberuf "Bestattungsfachkraft", den der Gesetzgeber seit 2003 eingerichtet hat. Ausbildungsziel ist der professionelle Umgang mit Verstorbenen und Hinterbliebenen.