Mit einer Lässigkeit berührt Glemser die Tasten, geht emotional der Melodie folgend mit vollem Körpereinsatz mit und spielt, als würde er Raum, Zeit und Zuhörer vergessen. Als zweiter Künstler in der Reihe "Matinée classique" gastierte Glemser beim 15. Kissinger Winterzauber im Rossini-Saal. Sein Programm gestaltete sich abwechslungsreich und an-spruchsvoll: Auf Johann Sebas-tian Bachs "Englische Suite" Nr. 2 a-Moll, BWV 807 und Ludwig van Beethovens "Klaviersonate Nr. 21" C-Dur, op. 53 folgten Frédé-ric Chopins "Scherzo Nr. 3" cis-Moll, op. 39 sowie seine "Drei Mazurken" op. 50, Nikolai Medtners "Sonata tragica" c-Moll, op 39,5 und Franz Liszts "Ungarische Rhapsodie Nr. 9" Es-Dur (Pester Karneval).

Besonders beeindruckte er mit Beethovens Klaviersonate Nr. 21 C-Dur, op. 53. Streng in der Sonatensatzform, kristallklar in Ton und Struktur, sind beide Sätze von orchestraler Klangfülle. Das Thema, eingeleitet von einem klopfenden C-Dur-Dreiklang mit Achteln in Basslage und gefolgt von einem "Echo" im Diskant, baut sich die große Spannung und Dynamik auf. Dem Spiel mit dem Anfangsmotiv folgt eine weiträumige Modulation von C-Dur über F-Dur, B-Dur, es-Moll, Fis-Dur, h-Moll und c-Moll zur dominanten G-Dur. Die gebrochenen Triolenakkorde antizipieren den 2. Satz. Nach dem sinfonischen 1. Satz ist der 2. Satz der "Haltepunkt" der Sonate. In F-Dur und durchweg leise gehal-ten, ist er ein "gedämpftes Farbenspiel von gelösten Akkordfi-guren". Die Rhythmisierung und die am Ende einsetzenden Zweiunddreißigstel im Bass lassen erahnen, was folgt. Nach der Wendung in die dominante G-Dur folgt attacca subito das Rondo. Nach der Wiederholung des zweiteiligen Anfangs mündet das Rondothema in die grandiose Kadenz mit pausenlosen Sechzehnteltriolen. Mit stehenden Ovationen und riesigem Applaus huldigten die Zuhörer dem Pianisten.

1990 in Kaiserslautern geboren, wurde Florian Glemser bereits mit zehn Jahren als Frühstudent an der Hochschule für Musik in Würzburg angenommen. 2009 schloss sich dort ein Vollstudium an, welches er zwei Jahre später mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes an der Royal Academy of London fortsetzte. Seit Oktober 2012 studiert Glemser an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Im Bereich der klassischen Musik ist er als Solist und als Kammermusiker aktiv.