Chancen und Risiken der fortschreitenden Digitalisierung in der Arbeitswelt waren Thema des sechsten Forums "Fachkräfte und Familie", das die Initiative "Familienorientierte Personalpolitik" organisiert hatte. Etwa 150 Firmenvertreter, Inhaber und Personalchefs aus der Region Main-Rhön waren der Einladung der Schweinfurter Agentur für Arbeit ins Bad Bockleter Rehabilitations- und Präventionszentrum gefolgt.
Jedes zweite Unternehmen in Bayern nutze bereits digitale Technologien, führte Johannes Hintersberger, Staatssekretär im bayerischen Arbeits- und Sozialministerium, in die komplexe Thematik ein. "Die Arbeitswelt 4.0 ist ein Megathema."


Teilhaben lassen

Die Digitalisierung sei zugleich Chance und Herausforderung. Hintersberger forderte die Unternehmer auf, digitale Technolgien zu nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt zu halten. Doch Politiker und Unternehmer hätten auch die Verantwortung, die Mitarbeiter an der Entwicklung teilhaben zu lassen. "Unsere Solidargemeinschaft darf nicht durch die Digitalisierung ausgehöhlt werden."
Eine familienbewusste Personalpolitik und eine familienfreundliche Arbeitswelt seien zentrale Zukunftsthemen in Bayern, versicherte der Staatssekratär. Deshalb habe er im Mai ein Expertenforum zum Thema "Arbeit und Leben 4.0" gegründet. Untersucht wird hier, wie die Digitalisierung in der Arbeitswelt positiv eingesetzt werden kann, ohne den gesellschaftlichen Frieden zu gefährden.
"Im Mittelpunkt steht der Mensch: Ohne den Mitarbeiter wird es auch in Zukunft nicht gehen." So führe die Flexibilisierung der Arbeitszeit bei abhängig Beschäftigten sowie die zunehmende Zahl selbständiger und projektbezogener Mitarbeiter unmittelbar zur Frage nach ausreichender Sozialversicherung. "Wie verhindern wir die Altersarmut?"


Drei Workshops

Ein anderes Thema des minsteriellen Expertenforums ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Digitalisierung biete hier "riesige Chancen." Vorteilhafte Arbeitsmodelle in der digitalen Zukunft seien die Möglichkeit einer flexibleren Teilzeit- und mobilen Beschäftigung, angepasst an die jeweilige Lebensphase des Mitarbeiters bei notwendiger Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen.
Auch die Aus- und Weiterbildung im digitalen Bereich nannte Hintersberger ein "absolutes Muss, um die Potenziale nutzen zu können". Hierfür habe sein Ministerium in der laufenden Legislaturperiode knapp 300 000 Euro in den Haushalt eingestellt. "Die Gestaltung einer funktionierenden, generationenübergreifenden und familienfreundlichen Arbeitswelt ist eine Daueraufgabe."
Zur Einstimmung in die folgenden drei Workshops, in denen näher auf die Frage der Gesundheit am Arbeitsplatz, der Work-Life-Balance und neuer Kommunikationswege eingegangen wurde, führte der Hamburger Comedian und "Arbeitsphilosoph" Frank Eilers seine Zuhörer launig in die digitale Zukunft. "Vieles in der digitalen Welt ist absurd, man braucht es nicht." Doch schon heute müsse man sich auf scheinbar Unwahrscheinliches einstellen. "Hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass Sie heute ein Smartphone nutzen?" Eilers bereitete seine Zuhörer auf die volldigitalisierte Welt mit selbstfahrenden Taxis und sprechenden Computern vor: Seine digitale Haushaltshilfe werde dann nicht nur die Beleuchtung im Haus steuern, sondern ihm je nach Kühlschrankinhalt Menüs vorschlagen und online den nötigen Nachschub bestellen. Eilers: "Manches ist Schwachsinn, aber es ist cool. Deshalb wird es kommen."
Mit dem Beispiel der Telemedizin, die chronisch Kranken schon heute die medizinische Fernbetreuung ermöglicht, brachte Eilers die Forumsteilnehmer wieder in die digitale Gegenwart zurück. Anhand einiger Beispiele zeigte er, wie aufgeschlossene Firmen schon heute gesuchte Fachkräfte gewinnen und im Unternehmen halten können.
"Es gibt die Top-Verkäufer, aber normale Unternehmen bekommen sie nicht." Denn solche Fachleute nutzen ihre digitale Freiheit, denn "das höchste Gut des Menschen ist seine Freiheit". Die wachsende Zahl der Solo-Selbstständigen, die in Deutschland bei der Gruppe der 25- bis 35-Jahren schon heute bei über 30 Prozent liegt, sei der Beweis. Firmen müssten künftig also mehr Kreativität zeigen, um Fachkräfte an sich zu binden. Deshalb warnte Eilers seine Zuhörer: "Die Digitalisierung wird fies werden, aber auch toll."