"Die Gesellschaft und die Ortsgemeinschaft profitieren von unserem Dienst, den wir an 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr leisten." Das sagte Kommandant Elmar Sell anlässlich des 140-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Wittershausen. Er wünscht sich, dass mehr Menschen wissen, wie es ist, aus dem brennenden Schlafzimmer Kinder zu retten oder verletzte Personen aus dem Auto zu bergen. Wer das nicht sehe, werde "auch wenig verstehen von der Arbeit der Feuerwehren", ist der Kommandant überzeugt.

In einem Rückblick erinnerte Sell an den 7. September 1873, als im Gemeindehaus zwölf Männer zusammenkamen und die Feuerwehr gründeten. Wittershausen hatte um diese Zeit knapp 300 Einwohner. Der Chronik ist zu entnehmen, dass Bürgermeister Johann Kaiser zum Vorsitzenden gewählt wurde. Erster Hauptmann (später Kommandant) war Michael Nieß. Acht Mann teilte man als Feuerläufer für die Nachbarortschaften ein. Die Hauptgeräte, die zur Verfügung standen, waren neben der Spritze Feuerleitern, Feuerhaken und Pechpfannen sowie Feuereimer.

Schon 1881 stand die erste Krise ins Haus: Es mangelte an Übungsbeteiligung. Die Folge: Die Verantwortlichen führten eine Abwesenheitsstrafe in Höhe von zehn Pfennig ein. Wie ärmlich die Verhältnisse waren, zeigte auch die Verpflichtung, dass jeder neuer Ortsnachbar einen neuen Feuereimer auf eigene Kosten zu beschaffen hatte. Auch bei der Löscharbeit gab es Verpflichtungen: "Zum Wassertragen sind alle dazu befähigten Weibspersonen verpflichtet."

Kritik an Feuerwehrkitteln

Nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1922 gehörten 70 Aktive zur Feuerwehr und weitere 23 Außerordentliche und Ehrenmitglieder. Immer wieder gab es Sorgen: Wie Kreisarchivpfleger Franz Warmuth in der Chronik zum 100-jährigen Stiftungsfest schreibt, bemängelten 1903 die Feuerwehrleute "die Feuerwehrkittel". Erst 1909 konnte der Kommandant der Gemeinde für den Kauf danken. Damit der Mitgliedsbeitrag 1909 von 20 Pfennig nicht erhöht werden musste, wurden Theatervorführungen geplant. Im Inflationsjahr 1922 stieg der Beitrag auf 10 Mark an. Mangels Teilnahme an den Übungen wurde 1924 eine Pflichtfeuerwehr in Wittershausen beschlossen.

Als das Gründungsfest zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1973 gefeiert wurde, gehörte Wittershausen dem Markt Oberthulba an. Bei dieser Gelegenheit wurden eine neue Fahne und eine Motorspritze ihrer Bestimmung übergeben.

Finanziell hat sich der Verein in all den Jahren an zahlreichen Projekten beteiligt, etwa am Bau des Feuerwehrhauses von 1981 bis 1983. 1993 kam ein neues Feuerwehrauto hinzu. Das alte Fahrzeug ging mit kompletter Ausstattung kostenlos an die Gemeinde Borsch in Thüringen. 1998 wurde ein weiteres Nebengebäude errichtet und das bestehende Gebäude renoviert. Mittlerweile ist das Feuerwehrhaus, zu dem jetzt auch ein Backhaus gehört, ein Mittelpunkt im Ortsgeschehen.

Vielfältige Aufgaben

Trotz der vielen Arbeit wurde mit Leistungsprüfungen und Übungen an die Weiter- und Fortbildung gedacht. Man wollte wie bisher bei Notfällen - mittlerweile nicht nur Brände, sondern auch Unfälle und Ka tas tropheneinsätze - gerüstet sein. Die Ausrüstung wurde immer wieder den geänderten Erfordernissen angepasst.

Heute blickt die Wehr zufrieden auf das 140-jähriges Bestehen zurück. Pfarrer Jaroslav Woch hielt den Festgottesdienst, während der Totenehrung sprach Diakon Ewald Bahn Gebete. Gestaltet wurde die Totenehrung von der Musikkapelle Wittershausen. Die Nachbarwehren waren mit Fahnenabordnungen vertreten. Grußworte sprachen Ehrenkommandant Willi Sell, der stellvertretende Landrat Emil Müller (CSU) und Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW/CSU).