Nahezu drei Stunden dauerte der das getanzte Märchen, das die Frauen und Mädchen des Hammelburger Tanzstudios zu dessen 15. Geburtstag in der Oberthulbaer Mehrzweckhalle aufführten. Die Kommentare des Publikums am Ende der Vorstellung reichten von "bezaubernd" bis "märchenhaft".
Bauchtanz trainiert Morgiana alias Christiane Aul seit vielen Jahren mit Erwachsenen, aber vor allem auch mit Mädchen im Grundschulalter. Die Kinder, die sogenannten "Blüten des Orients" - beherrschen bereits früh den orientalischen Tanz mit Schleiern, Tüchern, Lichtern, etc. Die Faszination des Tanzes auf Frauen nahezu jeder Altersklasse ist seit Jahren ungebrochen. Derzeit unterrichtet Aul etwa 120 Mädchen und junge Frauen sowie vier Frauengruppen in ihrem Tanzstudio in der ehemaligen Hammelburger "T-Stube".
Die Beweggründe, warum so viele Bauchtanz erlernen wollen, sind unterschiedlich. "Für die Jüngeren sind es die Kostüme, die Musik und das Hineinschlüpfen in eine andere Welt und die sich daraus entwickelnden, sozialen Beziehungen", sagt die gelernte Erzieherin. "Für reifere Tänzerinnen steht der gesundheitliche Aspekt, das Spaß haben und die Liebe zu Musik und Bewegung im Vordergrund", fügt sie hinzu. Morgiana selbst kam durch Bücher und Fernsehsendungen zum Orient und seinen Tänzen. Karl May-Romane und die "Bezaubernde Jeannie" wiesen ihr in jungen Jahren den Weg zu Märchen aus dem Morgenland und dessen Tänze.
Über die Volkshochschule begann sie vor 15 Jahren mit 16 Mädchen in der Turnhalle der Alois-Lang-Schule ihren ersten zehnstündigen Kurs. Der Versuch entwickelte sich schnell zur festen Einrichtung und führte vor sieben Jahren in ein Domizil in der Adolf-Kolping-Straße und schließlich in die leerstehenden Räume der T-Stube.
"Die goldene Rose des Blütenzauberlands", die Jubiläumsshow zum 15. Geburtstag des orientalischen Tanzes für Kinder, bestand aus 25 Tänzen eines von Christiane Aul geschriebenen Märchens, für das die talentierte Tanzlehrerin die Lieder, Tänze und die Choreografie in gut eineinhalb Jahren selbst erarbeitet hat. Auch die Proben der verschiedenen Gruppen zielten immer wieder auf diese Präsentation, die von Tochter Carina Aul moderierte wurde. Die Geschichte handelt von einer goldenen Rose, die dem Land, in dem sie steht, Glück schenkt und all seinen Bewohnern ein ansteckendes, warmes Lächeln auf das Gesicht zaubert. Doch auch die "Zauberin des ewigen Eises" erfährt eines Tages vom wundersamen Rosenduft und öffnet mit ihrem Zauberstab die Eis-Wand, die sie vom Blütenzauberland trennt.
In dem Augenblick als die Zauberin - dargestellt von der Regisseurin selbst - die Blume in Händen hält, gefriert die goldene Rose zu Eis. Das gesamte Land versinkt nach und nach in Eis und Schnee. Die Hüterinnen der Rose finden nur noch ein letztes Blütenblatt auf dem geschrieben steht: "Wollt ihr die Eiszeit überwinden, müsst ihr das wahre Feuer finden".
Die Tänzerinnen rätseln und machen sich auf die Suche. Sie bringen das Licht der Sonne und das Vulkanfeuer zur Rose, doch das Land versinkt immer mehr in Schneesturm und Frost. Ein Traum weist ihnen den Weg. Die Liebe ist das wahre Feuer, nur sie kann den Bann brechen. Die Rose taut auf, was die Akteurinnen mit mehreren Freudentänzen begleiten.
Ihr Jubiläumsfest machte die Initiatorin zur Benefizveranstaltung für die "Orienthelfer", die Menschen direkt mit Spenden unterstützen. Gegründet von dem Münchner Kabarettisten Christian Springer hilft dieses Team von Freiwilligen vor allem im kriegsgeschüttelten Syrien den Menschen mit Lebensmitteln und Medizin direkt vor Ort, schnell und effektiv. Die Spende beträgt rund 700 Euro.