Wie an einem Bahnhof geht es in diesen Tagen zu, sagt Mona Buchmann. Lenker an Lenker reihen sich die Fahrräder nebeneinander und hintereinander. In der ersten Etage des Deutschen Fahrradmuseums im Staatsbad Bad Brückenau ist es enger als sonst. Räder raus, Räder rein, und wieder von vorn. An einem Bahnhof würde man wohl keines der Modelle sehen. Dafür in Ausstellungen im ganzen Land. Ein Mann aus Karlsruhe ist dafür verantwortlich, dass die Initiatoren des Deutschen Fahrradmuseums gerade 70-Stunden-Wochen schieben.


Fahren wie ein Pionier

Neben dem Hof hat Museumsleiter Ivan Sojc einen Parcours angelegt. Wer es wagt, soll sich fühlen können wie ein deutscher Pionier. Was aussieht wie ein Barfußpfad, gibt einen Eindruck davon, wie es war, vor 200 Jahren mit dem Vorläufer des Fahrrads unterwegs zu sein, erklärt der 54-Jährige. Museumsbesucher sollen sich auf den Sattel einer wegweisenden Erfindung schwingen und spüren, dass die Wege damals mit dem Straßenbelag eines modernen Radwegs nichts gemein haben. Der Grund für den ganzen Aufwand: eine Maschine, die die Welt verändern sollte.


Generation gerät ins Schwärmen

Heute vor genau 200 Jahren hat Karl von Drais seine Erfindung bei einer Ausfahrt in Mannheim präsentiert - die Laufmaschine. Der 12. Juni, ein heiliger Feiertag für jeden Fahrradverrückten - allen voran, der Leiter des Deutschen Fahrradmuseums? Ivan Sojc grinst. Bevor dieses Modell vorgeführt wurde, mussten unheimlich viele Prototypen gebaut worden sein, antwortet er. Aber: "Es ist schön, wenn man einen Termin hat, den man feiern kann", sagt Ivan Sojc. Und das, was die Erfindung ausgelöst hat.

"Es hat für eine ganz neue Freiheit gesorgt", sagt Ivon Sojc. Mit der eigenen Kraft irgendwo, egal wo, hinzufahren, selbstbestimmt, unabhängig - das verbindet bis heute Mensch und sein Rad, beschreibt der Museumsleiter. "Geht´s dem Rad schlecht, geht´s dem Besitzer schlecht." Momente zu zweit, nur das Rad und der Fahrer, Abenteuer, - das schweißt zusammen. "Jeder hat seine eigene Fahrradgeschichte", sagt Mona Buchmann vom Museum. "Wir knüpfen oft an Emotionen an." Von einem Fahrrad, das eine ganze Generation ins Schwärmen versetzt hat, fehlt allerdings jede Spur.

Kein Fuchsschwanz. Nicht im ersten und auch nicht im zweiten Stockwerk der alten Villa, in der seit 13 Jahren die Sammlung von Ivan Sojc aus 250 Rädern aus zwei Jahrhunderten zu bewundern ist. Die Bonanza-Räder sind gerade alle verliehen. Ausstellungen, Feste, historische Paraden, Aktionstage: Mit ihrem "mobilen Museum" sind sie im Moment dreimal so viel unterwegs wie sonst. Deutschlandweit. Rundfunk, Fernsehsender, Magazine: Alle wollen im "Fahrradjahr" etwas von den Museumsleuten wissen. Gut so, meinen die. Ihre Vision: Bad Brückenau soll irgendwann ganz selbstverständlich für das Fahrradmuseum stehen. So wie das Fahrrad heute - in den meisten Städten - ganz selbstverständlich Teil des Mobilitätsmix ist, meint Ivan Sojc. Er macht sich jedenfalls keine Sorgen um Nachschub für seine Sammlung: "Das Fahrrad wird immer jung bleiben."


Wer hat´s erfunden?

Historie Die Laufmaschine von Karl Freiherr von Drais ist die Urform des heutigen Fahrrads. Pedale hatte das Gefährt damals noch nicht. Der Fahrer nimmt auf einem Sitz zwischen den beiden Rädern Platz und stößt sich mit den Füßen ab. Mit der Lenkung am Vorderrad bestimmt er die Richtung. Die Laufmaschine gilt als Vorläufer des Autos. Präsentiert hat der Mann aus Karlsruhe seine bedeutendste Erfindung vor geanu 200 Jahren, am 12. Juni 1817, in Mannheim.

Deutsches Fahrradmuseum Das Museum veranstaltet am ersten Juliwochenende ein Fest mit Teilemarkt und Wettbewerben im neuen Parcours, der am Samstag, 1. Juli, eröffnet werden soll. Das Museum ist in der Heinrich-von-Bibrastraße 24 in Bad Brückenau. Infos unter www.deutsches-fahrradmuseum.de.