"Aufnahme von Asylbewerber/innen in Bad Kissingen / GARITZ" - in roter Signalfarbe stand der Stadtteil hinter dem Thema der Informationsveranstaltung. Doch so bedrohlich wie die Hervorhebung suggerierte wurde es dabei nicht, denn Information und Werben um Verständnis standen im Vordergrund - und nach einer ausführlichen Fragerunde konnte Pfarrer Edwin Ziegler zufrieden feststellen: "Wohlwollen und Bereitschaft sind bei den Garitzern spürbar."
David Rybak, Leiter des Referats Jugend, Familie und Soziales bei der Stadt, sowie Stefan Seufert, Landkreis-Koordinator für Asylfragen, waren die zentralen Personen der Veranstaltung, die knapp 100 Personen in die Aula der Staatlichen Berufsschule gelockt hatte. Oberbürgermeister Kay Blankenburg griff vor allem dann in die Diskussion ein, wenn es um Belange der Kernstadt ging. So beim leisen Vorwurf, die Stadt halte sich zu Lasten der Stadtteile zurück, denn etwa das ehemalige VdK-Kurheim biete sich als Unterkunft an, und die Stadt könne bei der Kurzonen-Satzung "mal über ihren Schatten springen", so Nico Sauer. "Mitnichten", entgegnete der OB, denn das private Gebäude sei überhaupt nicht angeboten worden. Außerdem seien zwei konkrete in der Kernstadt im Gespräch, und es sei das falsche Signal, wenn im "Sondergebiet Kurgebiet" das Dauervermieten untersagt, für Asylbewerber aber erlaubt werde.

Aufnehmen, nicht unterbringen

Blankenburg betonte die Notwendigkeit der Aufnahme mit humanitären Gründen und auch aus dem Selbstverständnis eines Wohlfahrtsstaates: "Wenn nicht die Bundesrepublik, wer denn dann?" Er forderte "zum Aufnehmen und nicht nur zum Unterbringen" auf. Garitz sei zwar die erste Adresse für Flüchtlinge in Bad Kissingen, es werde aber nicht die einzige in der Stadt bleiben. Die Stadt suche die Gebäude nicht aus, sondern habe lediglich die baurechtliche Prüfung - und er verwies auf die Verantwortung des Landkreises, der durch Stefan Seufert vertreten sei.
Der musste sich auch der ersten Frage nach dem Fachpersonal stellen. Das sei im Moment schwierig zu bekommen, denn man rechnet einen Betreuer für 120 Flüchtlinge. Und welche Personen kommen nach Garitz? Es seien 35 Personen, die ab dem 4. Dezember in der Baptist-Hofmann-Straße 23 einziehen, meinte Rybak, und Seufert ergänzte, dass man mit Familien aus Syrien und Afghanistan rechne. Gerade bei den Kindern sei eine kurzfristige Aufnahme in Schulen und Kindergärten wünschenswert. Auf eine ausreichende Kleiderversorgung zielte eine andere Frage ab. Der Caritas-Sozialladen biete sich an, so Seufert, denn unorganisierte Hilfe führe zu einer Überversorgung.
"Wie sieht es mit Sprachkursen aus?", wollte ein Garitzer wissen. "Mit den Deutsch-Kenntnissen sollen die Flüchtlinge im Alltag zurecht kommen", meinte Stefan Seufert. Insgesamt stoße man auf großes Interesse an den Sprachkursen, wobei die Kinder natürlich aufnahmefähiger seien. Überlegenswert fand Seufert die Anregung, die Hilfe über eine Internet-Präsenz landkreisweit zu koordinieren.

Vollversorgung wäre nicht günstig

"Wie gehen wir ganz pragmatisch vor?", war die Frage, die ungeteilte Zustimmung erhielt. Rybak verwies auf die großen Plakate in der Aula der Berufsschule, auf der man sich oder seinen Verein als Ansprechpartner nennen und einen thematischen Schwerpunkt angeben könne. Es sollte sich aber auf alle Fälle eine Kerngruppe finden, die vor Ort die Koordination übernehme.
Seufert war es wichtig, dass man sich nicht sofort auf die Flüchtlinge und Asylbewerber stürzt, sondern sie erst ankommen lässt: "Nach zwei bis drei Tagen kann man mit ihnen eine Ortsbegehung unternehmen, den Busfahrplan erläutern oder die Einkaufsmöglichkeiten erkunden." In Bezug auf die Betreuung müsse der Vermieter einen "Kümmerer" vor Ort benennen, der als Ansprechpartner bereitsteht. Die Unterkünfte werden möbliert mit allen Möglichkeiten des täglichen Tuns angemietet, wobei für die Sauberkeit rundum der Vermieter, für die Sauberkeit in den Wohnungen die Bewohner verantwortlich sind.
Seufert warnte vor einer Vollversorgung; vielmehr sollten die Flüchtlinge zur Selbständigkeit befähigt werden, damit sie eine Struktur in ihren Alltag bekommen. Bei der informellen Diskussion im Anschluss füllten sich nach und nach die Plakate an den Stellwänden mit Namen, Vereinen und Email-Adressen. David Rybak wird sie auswerten, aber die Organisation der Unterstützung und die eigentliche Integration müssen durch einen Helferkreis vor Ort erfolgen - weitere Zusammenkünfte sind zur Koordination und zur Bildung einer "Steuergruppe" nötig. Aber der erste Schritt ist getan.

David Rybak gestaltete die Einführung unter dem Motto "Dringend - komplex - wichtig" und betonte: "Es kommen Menschen, nicht Leute aus dem Ausland." Er erläuterte, wie das Verfahren für die Asylbewerber verläuft, die, vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) aufgenommen, nach rund drei Monaten nach einem Schlüssel auf die Länder und von dort auf die Bezirke und Landkreise verteilt werden. Nach Bayern kommen etwa 880 Flüchtlinge pro Woche, im Landkreis Bad Kissingen rechnet man mit 20 Flüchtlingen pro Woche - und das bis in das nächste Jahr hinein.
Im Durchschnitt dauert das Asylverfahren sieben Monate, bei Anerkennung wird vorerst für drei Jahre ein Aufenthaltsrecht ausgesprochen. Das Asylrecht werde politisch Verfolgten zugesprochen und von den 14 500 Asylbewerbern in Bayern (Jan. - August 2014) wurden 22,3 % abgelehnt und bei weiteren 41,6 % habe sich der Antrag anderweitig erledigt. Bei den Leistungen unterscheide man zwischen den Sachkosten für Unterkunft/Kleidung, den Geldleistungen für Ernährung und Teilhabe am sozio-kulturellen Leben sowie der Sozialbetreuung, für die ehrenamtliches Engagement wichtig sei. Für die Stadt Bad Kissingen sei eine Willkommenskultur wichtig, die sich u. a. darin äußere, dass die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, Nigeria oder Ukraine nicht im "sozial-räumlichen Niemandsland", sondern im Stadtgebiet untergebracht werden. Neben der dezentralen Unterbringung gebe es noch Jugendhilfe-Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Zusammenarbeit oberstes Gebot

Stefan Seufert ergänzte die Ausführungen und meinte: "20 Personen pro Woche für den Landkreis - das klingt nicht viel, aber jeden Tag entstehen kleine Probleme, die gemeistert werden müssen." Zusammenarbeit sei das Schlüsselwort bei der Integration der Flüchtlinge und dies gehe nur über organisierte, geleitete Hilfe. Verständnis äußerte er für die Ängste der Nachbarn, wenn man eine Unterkunft gefunden habe, aber die Erfahrungen in Hammelburg oder Münnerstadt zeigten, dass diese unbegründet seien.
In Bezug auf unterstützende Möglichkeiten nannte er die Caritas als Partner und die Helfer vor Ort, die den Flüchtlingen so selbstverständliche Sachen wie "Busfahrplan erfassen" oder "Preisschilder lesen" beibringen, um Routine für den Alltag zu erhalten. Kinder hätten die wenigsten Schwierigkeiten sich über die Schulen zu integrieren und die Sprache zu erlernen. Sport sei ein Thema, das integrativ funktioniere, meinte Seufert und ging auch auf die rechtlichen Rahmenbedingungen wie Residenzpflicht ein.