Verbindungen zwischen der westlichen Tradition und den Eigenheiten der siebenbürgischen Musikkultur. Das war ein Thema zu den "Facetten siebenbürgischer Musikgeschichte", welchem sich ein Seminar widmete, das in der Bildungsstätte "Heiligenhof" stattfand.
In dessen Rahmen spielte Ilse Maria Reich (Landshut) ein Orgelkonzert in der Erlöserkirche, in dem sie Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy Werke siebenbürgischer Komponisten zur Seite stellte. Das hätte interessant sein können, ließ den unvoreingenommenen Hörer aber eher ratlos als beglückt zurück, denn die Verbindungen traten kaum hörbar zutage.

Verbindungen sind da

Blickt man auf die Biografien der hier vertretenen Komponisten, bemerkt man eine große Verehrung für die Werke Johann Sebastian Bachs und vielfach eine rührige Pflege seiner Kompositionen in der praktischen Tätigkeit - unter sicher nicht immer einfachen Verhältnissen. Hört man am Ende des Programms Rudolf Lassels "Präludium und Fuge c-Moll" aus dem Jahr 1883, klingt in Gestus und Harmonik überdeutlich auch Mendelssohn als großes Vorbild daraus hervor. Diese Verbindung drängt sich unüberhörbar auf. Alles Weitere mag Spezialisten Einflüsse und Gemeinsamkeiten verschiedener Quellen offenbaren; für Unkundige war es eine Ansammlung von Werken des späten 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, die überwiegend liturgische Gebrauchsmusik für den protestantischen Gottesdienst sind. Ein sehr hübsches Stück war darunter: Waldemar von Baußnerns bewegtes Choralvorspiel "Verzage nicht, du Häuflein klein" mit seinen eigenwilligen Verzierungen und rhythmischen Versprüngen, das zwischen der Sprache des 19. Jahrhunderts und einer sehr aparten Erzählweise des Komponisten wechselt. Gelegentlich weckte es auch Erinnerungen an die Orgelhymnen des Michael Praetorius.
Und die anderen Werke? Kurz gesagt: Man möchte das Programm kein zweites Mal hören. Zum einen sind die liturgischen Stücke, stellt man sie nicht unter dem Gesichtspunkt des Vergleiches zusammen, in der Menge für ein Konzert unergiebig. Die freien Werke, Wilhelm Georg Bergers "Fantasia con ricercari" aus dem Jahr 1985 und Myriam Marbés "Schäferspavane mit Vogelrufen" von 1983 befremden auch Menschen, die zeitgenössische Musik zu hören gewohnt sind, weil sie rätseln lassen, worum um alles in der Welt es hier geht. Ein wenig Messiaen-Surrogat bei dem einen, scheinbar aleatorisch Zusammengefügtes bei der anderen. Nichts wirklich Originelles und auch nichts Anrührendes vermag man darin auszumachen.
Zum anderen war Reichs Spielen an diesem Abend keine Meisterleistung. Johann Sebastian Bachs "Dorische Toccata und Fuge" (BWV 538) waren zwar angenehm registriert, in der Ausführung aber unbefriedigend. Die Toccata war holprig, von Temposchwankungen gekennzeichnet und wirkte hastig. Die Fuge begann ausgesprochen scharf konturiert, geriet aber irgendwann zu einer musikalischen Kissenschlacht mit unvermitteltem Ende. Mendelssohns "Vater-unser-Sonate", die mit der schön cantabel gestalteten Vorstellung des Choralthemas begann, wandelte sich zu einer konzeptionslos wirkenden Ansammlung von Variationen, was sie tatsächlich nicht ist.

Es fehlte die Eleganz

Wischer und mancher Ausfall sowie etwas poltrige Übergänge taten ein Übriges. Eleganz ließen auch Franz Xaver Dresslers als Trio angelegtes Choralvorspiel "Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit" mit sehr platt herausgeprätschtem cantus firmus oder Horst Gehanns Choralvorspiel "Christus, der uns selig macht" vermissen. Das war nicht wirklich schön. Es ist nicht alles richtig, nur weil viele es tun. Und doch hat es sicher einen Grund, dass überdurchschnittlich viele Besucher das Konzert vorzeitig verließen. Man mag es ihnen nicht verdenken.