Ein telefonischer Rundruf von Albert Laudensack, dem Vorsitzenden der Kolpingfamilie, brachte den Erfolg. Der Anruf ging an alle Bastelfreunde mit der Frage, ob weiterhin Interesse an den Bastel-Abenden bestehe. Die Antwort war ein deutliches Ja. Das war im Herbst des vergangenen Jahres.

Danach? Zwölf der bekannten Bastelfreunde und -freundinnen in Münnerstadt trafen und treffen sich wieder regelmäßig. Mit großem Erfolg. "Eigentlich hätte ich diesmal mit so viel Interesse gar nicht mehr gerechnet, nachdem gelegentlich auch schon etwas Desinteresse zu hören war", sagte Laudensack im Gespräch mit der Saale Zeitung. Einige Mitglieder des Arbeitskreises Basteln und auch einige Außenstehende waren der Meinung, die Herstellung von so viel Holzspielsachen habe sich nach 20 Bastel-Wintern doch eher totgelaufen. Wohin mit so vielen Eisenbahnen, Traktoren, Holz-Lastwagen, Feuerwehrautos, Spielzeugtieren, Schaukelpferden und Bauernhöfen?

Denn: Die Waisenhäuser und Kindergärten in der Region Siebenbürgen in Rumänien, an die die beliebten, selbst gemachten Spielsachen aus der Kolping-Spielzeug-Werkstatt Münnerstadt schon so oft von Otto Kiesel (†) und seinen Helfern der Kolping-Rumänien-Aktion gebracht wurden, müssten doch inzwischen ausreichend damit versorgt sein.


Es muss weiter gehen

Aber: "Nichts dergleichen" sagen Otto Kiesels Nachfolger Burkard Schodorf und Jürgen Eckert. Sie führen das langjährige Wirken von Otto Kiesel weiter und bringen diese massiven Holzspielsachen, die Strickwaren aus der Kolping-Strickstube und vielerlei andere Hilfsgüter ins Armenhaus Europas. Die Waisenhäuser und Kinderheime dort werden neben Pflegeheimen und Schulen von den Armen Franziskanerinnen des Klosters Mallersdorf (Bayern) betreut, die für jede Spende dankbar sind; denn sie erhalten keinerlei staatliche Unterstützung für ihre karitative Kinder-, Jugend- , Alten- und Armenpflege, bestätigt Schwester Margit Boros, die Leiterin des Sozialwerkes der Mallersdorfer Schwestern.

Schnell waren die Strickerinnen wieder bei der Sache, erzählt Traudl Laudensack, die Leiterin des Strickkreises. "Eigentlich haben sie schon darauf gewartet, dass ich sie zu den Strickstunden einlade", freut sie sich. Es gebe ja auch immer allerhand Neues aus Münnerstadt auszutauschen und Wolle habe sich auch immer schon im Laufe des Jahres reichlich angesammelt, stellte die rührige Frau fest.

Wenn in diesen Wochen der Frühling erwacht und Gartenarbeit interessanter und wichtiger wird als vieles andere, verlieren die Bastler und Strickerinnen mehr und mehr die Lust an ihrer Winter-Beschäftigung. Jetzt gilt es Bilanz zu ziehen und die Früchte der "Winterarbeit" zu begutachten. Bei einem gemeinsamen Abendessen wurde auch schon Rückschau gehalten.


Strickerinnen und Bastler

Die emsigen Frauen gingen ihrem Strick- und Häkel-Hobby im Kolpingraum des Jugendzentrums nach, die Spielzeug-Macher werkelten in den vergangenen Monaten im Werkraum der Freiherr-von-Lutz-Mittelschule und durften dankenswerterweise Werkzeuge und Maschinen benutzen. Während die bis zu 20 Strickerinnen im Laufe der Saison mehrere Kilo Wolle zu Pullovern, Strümpfen, Mützen, Handschuhen, Schals, Baby-Bekleidung und Häkel-Deckchen verarbeiteten, entstanden unter den handwerklich geschickten Händen der bis zu zwölf Bastler und Bastlerinnen (alle sind im Ruhestand) jede Menge Spielgeräte aus massivem Holz.

Überdies werden seit einigen Jahren auch Vogelhäuschen, Nistkästen für Höhlenbrüter, Insektenhotels sowie Advents-, Weihnachts- und Oster-Dekoration - natürlich auch aus Holz - hergestellt.


Es gibt immer viel zu besprechen

"Wir haben unsere Strickabende in jüngster Zeit auf einen Nachmittag in der Woche verlegt", sagt Traudl Laudensack, die Leiterin des Strickkreises. "Damit vermeiden wir, dass einige von uns allein in der Dunkelheit nach Hause gehen müssen." Sie freut sich, dass die Gruppe seit einigen Jahren zusätzlich von 20 passionierten Sympathisantinnen aus Großwenkheim, Nüdlingen, Winds hausen, Schmalwasser und Windheim bei Hammelburg mit reichlich selbst gefertigter Ware unterstützt wird. Sie sei begeistert vom Strick- und Häkeleifer der Frauen, die ihre Fenseh abende bei der Nebenbeschäftigung Stricken verbringen. "Natürlich gibt es auch immer viel zu besprechen und Neuigkeiten auszutauschen, was der Arbeit mit der Stricknadel keinen Abbruch tut." Ein besonders angenehmer Nebeneffekt der Nachmittags-Arbeit ist, "dass wir so ganz nebenbei ein Kaffee-Kränzchen daraus machen".

"Seit nunmehr 20 Jahren treffen sich die Mitglieder der beiden Arbeitskreise während der Wintermonate mit bisher nicht nachlassender Begeisterung", stellte Albert Laudensack fest. "Es scheint, als sei die gemeinsame Arbeit und gegenseitige Hilfestellung eine nötige Entspannung vom Rentner-Alltag". Außerdem würden die Senioren beim Hantieren mit den Werkzeugen, der Kreis- und Bandsäge, der Bohr- und Schleifmaschine ihre handwerklichen Fähigkeiten und Erfahrungen aus dem Berufsleben auffrischen, meint er beobachten zu können. Dazu trage auch das Vorplanen, Skizzieren und Anfertigen von Modellen bei. "Einige unserer Bastler arbeiten schon zuhause vor und bringen ihre Ideen schon halbfertig mit."


Basar im Oktober

Beim traditionellen Baser im Oktober werden im Jugendzentrum sowohl Spielsachen, Deko-Objekte, Futterhäuschen, Nistkästen und Insektenhotels als auch das breite Angebot von bunten Strickwaren zum Kauf angeboten. Der Erlös fließt der Rumänien-Aktion zu. Alles, was nicht verkauft werden kann, geht auf die Reise nach Siebenbürgen und bringt dort wie immer Freude.