Polier Michael Wolf und seinen Kollegen von der Firma "Burger-Bau" steht der Schweiß auf der Stirn: Beton abziehen, Pflastersteine legen und die Becken-Umrandung setzen ist eben unter Zeitdruck noch anstrengender. "Wir wollen bis Ende nächster Woche fertig sein", sagt Wolf. Der Zeitplan ist eng, schließlich sollen in der kommenden Woche sämtliche Wege asphaltiert werden. Unmittelbar danach kommt laut Thomas Hornung von der Tiefbau-Abteilung der Stadt die Rampe der Baustellenzufahrt weg und die Balustrade wird wieder geschlossen. "Es wird knapp", sagt Hornung, trotzdem ist er zuversichtlich, dass die Einweihung im Juni über die Bühne geht. Auf einen Termin legt er sich aber nicht fest.


In mehreren Schutzgebieten

Die Betonwanne an der Stelle des Wasserbeckens ist mittlerweile komplett im Erdboden verschwunden: Die Betonplatte und bis zu ein Meter Füllbeton wurden eingebaut, um ein Aufschwemmen des Beckens bei Hochwasser zu verhindern und die Rohrleitungen unterzubringen. Das eigentliche Becken bilden nun obenauf Kunststeine.
Die Baustelle Rosengarten liegt sowohl im Heilquellenschutz-, als auch im Überschwemmungsgebiet. Mehr Auflagen gehen eigentlich nicht. Auch deshalb ist Hornung sehr zufrieden mit der Bauzeit von einem halben Jahr. Zudem habe es jede Menge Details gegeben, an denen lange geknobelt wurde: So sind in den Boden des Beckens Metallstempel betoniert, die im Winter bei Dauerfrost mit in die Eisplatte einfrieren und bei Überschwemmungen ein Auftreiben der Eisplatte verhindern sollen. "Das haben wir uns so ausgedacht, das gibt es sonst nirgends", sagt Hornung. Eine Eisplatte in der Größe des Beckens könne nämlich erheblichen Schaden am Hochwasserschutz oder der Ludwigsbrücke anrichten. Zudem sind die Düsen schnell abbaubar, so dass der Brunnen in Zukunft viel länger bis in den Winter hinein betrieben werden kann, ohne Dauerfrost sogar bis Weihnachten.
"Alles hier ist so gebaut, dass es planmäßig jedes Jahr überflutet werden kann", nennt Hornung als Grundsatz. Die früheren Wege seien beispielsweise bei jedem Hochwasser ausgeschwemmt worden, deshalb werden sie jetzt mit sandfarbenem Asphalt befestigt. Nicht nur hochwassersicher, sondern auch klimatisiert sind die beiden Hochleistungsbeamer untergebracht: "Das wird sonst mal für ein Großereignis aufgebaut, aber fest installiert gibt es das in ganz Deutschland nicht", betont Hornung. Die beiden Geräte mit jeweils 20 000 Ansi-Lumen projizieren ein 10 mal 30 Meter großes Bild auf die 72 Meter entfernte Wand aus fein zerstäubtem Wasser.


38 Lampen im Becken

Gegen Tageslicht kommen aber auch diese Beamer nicht an, die Vorführungen werden also erst ab der Dämmerung zu sehen sein. Zudem beleuchten 38 Lampen im Becken selbst den Palmen-Fächer, dessen Höhe je nach Windstärke stufenlos geregelt werden kann. Ein Konzept für die Beleuchtung des Brunnens und die Kombination mit Musik gibt es bislang noch nicht: "Das arbeiten wir in Absprache mit der Staatsbad GmbH noch aus", sagt Hornung. Ständig werde es aber nicht laufen, denn: "Es soll ja eine Attraktion bleiben", betont Hornung.

Der Kissinger Sommer ist der kulturelle Höhepunkt des Jahres, heuer findet am 24. Juni im Regentenbau das Eröffnungskonzert des Klassik-Festivals statt. "Bis dahin werden wir es nicht schaffen", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) über den Termin für die Eröffnung des benachbarten Rosengartens.
"Wir haben spät begonnen, weil wir auf den Bescheid warten mussten", erinnert Thomas Hornung vom Tiefbau an die Verzögerungen im Herbst: Erst am 16. Dezember ging es offiziell los, im alten Jahr wurden zumindest noch wichtige Arbeiten wie das Betonieren der Bohrpfähle hinter dem Technik-Schacht erledigt.
Der späte Baustart habe auch zu einem Teil der Kostenmehrungen beigetragen: Zum Beispiel hätten die Gartenbauer zu feuchten Erdaushub ab- und trockenen Boden beifahren müssen. Außerdem waren zusätzliche Baustraßen notwendig. Im April stellte der Stadtrat deshalb eine weitere Viertel Million Euro zur Verfügung. Rund drei Millionen Euro kostet der Rosengarten also. "Ob wir das wirklich alles brauchen, zeigt die Endabrechnung", sagt Hornung. 1,7 Millionen Euro hat der Freistaat Bayern als Zuschuss in Aussicht gestellt.

Ein Kommentar für das Projekt von Ralf Ruppert:

Eine echte Attraktion

Wenn im Sommer die Sonne scheint, platzt die Bad Kissinger Innenstadt aus allen Nähten, aber wehe, wenn es düster zugeht oder die Saison vorbei ist: Vor allem an den Abenden kann man dann die Gehsteige in der Stadt getrost hochklappen. Genau hier setzt der neue Springbrunnen im Rosengarten an: Die Kombination aus Klangerlebnis und Lichtkunst verspricht ein echtes Alleinstellungsmerkmal zu werden, eine Attraktion ähnlich der "Singenden Fontäne" in Marienbad, die bei jeder Vorstellung von Schaulustigen aus aller Herren Länder umringt ist. Der markante Springbrunnen im Rosengarten war schon früher das beliebteste Foto-Motiv der Stadt. Dort nicht zu kleckern, sondern zu klotzen, war richtig. Nicht nur, weil damit die Betriebskosten dauerhaft gesenkt werden, sondern vor allem, weil damit etwas entsteht, das für sich alleine schon die Anreise lohnt.

Und der Kommentar von Hubert Zöller dagegen:

Zu teure Spielerei

Es ist schon seltsam in Bad Kissingen. Immer wird argumentiert, dass kein Geld da ist. Doch dann gibt es plötzlich ein Projekt, da spielt Geld keine Rolle mehr. Dabei gibt es in Bad Kissingen genug Ecken, wo das Geld dringender gebraucht würde. Aber selbst wenn Stadt und Staat Geld wie Heu hätten, ist die Frage, ob ein buntes Licht- und Klangspektakel im kitschigen Las-Vegas-Stil zu Bad Kissingen passt. Da geht es nicht nur ums Geld, sondern auch darum, wie sich Bad Kissingen in Zukunft präsentieren will. Bisher versucht die Stadt, an ihr reiches kulturelles Erbe anzuknüpfen und sich als elegantes Ziel für Kultur- und Wellnesstouristen zu positionieren. Da passte der alte Springbrunnen in seiner Retro-Optik und mit dem beruhigenden Rauschen des Wassers prima dazu. Ein aufgemotztes Event-Tralala ist da eher kontraproduktiv und könnte Gäste eher vertreiben als anlocken.