"Ich habe mich bei der Gestaltung des Leichnams Jesu an die Vorgaben durch die anderen Tafeln gehalten", sagte Bildhauer Alexander Kessler. Eine große Menge Gläu biger hatte sich an der Aussegnungshalle im Friedhof versammelt, um die Übergabe der bis dato noch fehlenden 14. Kreuzwegstation an die Stadt mit zuerleben, die Kessler gestaltet hat.

Durch eine Initiative des Altstadtvereins waren schon alle anderen Stationen der 1857 gefertigten Kreuzwegtafeln restauriert worden. Jetzt hat der Altstadtverein die "Grablegung" von Bildhauer Alexander Kessler anfertigen lassen und mit der Übergabe des Kunstwerks den Kreuzweg ergänzt.

"Als Rohmaterial für die Skulptur habe ich Savonnieres-Kalkstein verwendet", sagte Alexander Kessler bei einem Gespräch mit der Saale-Zeitung am Rande der Feier. Der sehr weiche Kalkstein aus Lothringen zeichne sich durch günstige Materialeigenschaften aus, sei leicht zu bearbeiten und dennoch sehr haltbar. Schon seit der römischen Zeit wurde er für die Herstellung von Skulpturen verwendet. Auch die ursprünglichen Stationen seien aus Savonnieres-Kalkstein hergestellt, denn damals sei dieser Kalk weit verbreitet gewesen. Deshalb habe er für die Grablegung, für die er drei Wochen Arbeitszeit aufwenden musste, auch diesen Kalk verwendet, so Kessler. "Auch den Stil habe ich leicht angepasst und den Lendenschurz etwas modernisiert", sagte der Bildhauer.

Einsatz für die Gemeinschaft

Mit einer musikalischen Einstimmung mit Musik von Giora Feidmann und einer von Sabine Scheuble vorgetragenen Betrachtung über den Karfreitag mit dem gedanklichen Höhepunkt "Zum Leben gehört, den Tod eine Weile zu ertragen" nahm die Feierstunde ihren Anfang. Mit dem Lied "Befiehl du deine Wege" stimmte die Gemeinde in die Feier ein, der der evangelische Stadtpfarrer Joachim Pennig und der katholische Stadtpfarrer Pater Markus Reis OSA beiwohnten.

Hans Petsch, Vertreter des Altstadtvereins, sprach die Hoffnung aus, dass die "Grablegung" für viele Menschen ein stiller Ort der Betrachtung sein möge. Er dankte allen Helfern und Spendern, durch deren Unterstützung die Restaurierung und Vollendung des Kreuzweges möglich wurde. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) sprach dem Altstadtverein, namentlich an Sabine Scheuble und Hans Petsch, Dank und Anerkennung im Namen der Stadt aus und lobte deren Einsatz für die Gemeinschaft. Sie waren die Ideengeber der Restaurierung des Gesamtkunstwerkes. Anerkennendes Lob spendete er Kessler für die "gelungene Plastik".

"Der Karfreitag ist der richtige Tag für diese Feier", meinte Bezirkstagsvizepräsidentin Karin Renner. "Hier zeigt sich wieder, dass das Ehrenamt eine richtige und ehrenwerte Sache ist", lobte sie den Altstadtverein
Das Holzkreuz neben der Skulptur erinnert an die Kreuzigung und soll nach einer alten Tradition dazu dienen, Zettel mit Bitten und Sorgen der Menschen aufzunehmen, um sie dann in Gottesdiensten als Fürbitten vorzutragen.