Das war schon insofern eine sinnvolle Wahl, weil Trompetenmusik ein Synonym für "festlich" ist. Doch es war auch ein angemessenes Präsent, um sich bei seinen Freunden, Gönnern und den treuen Hörern für langjährige Unterstützung zu bedanken. Vielleicht spielte die Einladung Nakariakovs auch eine Rolle, als der Bayerische Rundfunk sich entschieden hat, gerade dieses BKO-Konzert auf BR-Klassik live zu übertragen und für eine spätere Sendung im Bayerischen Fernsehen aufzuzeichnen.
Gespannte Atmosphäre herrschte in den lückenlos gefüllten Reihen; Wispern und ein Warten auf W. A. Mozarts "Serenata notturna" (KV 239), das sich lohnte. Dezente Klänge eines im Charakter dunkel gefärbten, vornehm spielenden Orchesters mit einem leichten Paukenbass, das ein Quartett aus zwei Violinen, Viola und Kontrabass in verschiedenen Klangebenen begleitete.
Ein wenig halliger war die Akustik, als man sie sonst im König Ludwig I.-Saal gewohnt ist; die Fenster zu den Sälen im Obergeschoss waren geöffnet. Doch dank des glasklaren Musizierens machte sich das nicht störend bemerkbar. Das beinahe burleske Menuett mit üppig betonter Eins, mit bezaubernden, ganz zurückhaltenden Echopassagen in verschiedener Lautstärkeausformung, das schalkhafte Rondo, in dem den Hörer ständig unerwartet verrückte musikalische Springteufelchen amüsieren, die sich nicht nur in Solo-Instrumenten und Pauken ins Bild drängeln, machten große Freude.
Glanzpunkt des Abends war Sergej Nakariakovs Auftritt. In Johann Nepomuk Hummels "Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur", einem gefürchteten Orchester-Vorspielstück, begeisterte der Solist sein Publikum, wobei das Orchester ihn höchst präzise, farbenreich und kommunikativ begleitete. An dieser Stelle feststellen zu wollen, dass Nakariakov ein herausragender und überdurchschnittlich virtuoser Spieler ist und sich darüber en detail zu ergehen, wäre in etwa so originell, wie mit wichtiger Miene zu erzählen, dass ein Kreis rund ist. Viel interessanter ist, wie er musizierte. Der Musiker, der auf CD-Titeln, in Programmen und auf Plakaten stets jungenhaft und wie ein Sonnenschein aussieht, wirkt beim Spielen introvertiert. Doch was scheint, als ob er auf der Bühne ganz für sich sei, klingt völlig anders: Nakariakov ist ganz bei der Musik. Gleichzeitig ist er ganz bei seinen Hörern; er ist ihnen überhaupt nicht abgewandt. Sein Trompetenton ist klar, hat dabei eine warme, eine sehr "menschliche" Farbe. Es ist ein erzählender Ton.

Makellose Technik

Im ersten Satz des Hummel-Konzerts gab es, neben süchtig machenden Dialogen von Trompete und Oboe, Passagen, die man als militärisch auffassen könnte. Aber bei Nakariakov klingen sie nicht martialisch oder wie Kasernenhofgeschnauze; sie sprechen den Zuhörer an, sind reine Musik. Faszinierend ist dabei, wie makellose Technik im Dienst der Sache steht. Rasche Dreiklangsbrechungen können dynamisch breit ausgestaltet werden; sie kommen auf den Punkt genau, sind perfekt gefärbt und angesetzt; die Ansprache ist nahezu percussiv. Ganz gesanglich war das Thema des zweiten Satzes gestaltet, den das BKO bunt begleitete. Klänge der Flöte beispielsweise vermochten dessen Schwermut leicht zu erheitern. Bewundernswert war die Darstellung des für den Solisten vertrackten Schlusssatzes; die scheinbar mühelose Ausführung versetzte die Zuhörer in Staunen.

Rasantes Tempo

Doch Nakariakov hatte noch mehr Verblüffendes im Gepäck. Gegen die Zugabe, Jean-Baptiste Arbans Carnevale-di-Venezia-Variationen, schienen diese Schwierigkeiten nämlich ein Spaziergang zu sein. Was in der (von Mikhail Nakariakov arrangierten) Version zu hören war, schien unglaublich. Rasantes Tempo, diverse Spieltechniken, oft in blitzschnellem Wechsel, Permanentatmung, saubere Intonation, Töne, die es auf der Trompete eigentlich nicht gibt, Sprünge, Farbwechsel -Sergej Nakariakov kann offensichtlich zaubern.
Dass ein solcher Künstler nach Bad Brückenau kommt und mit dem Kammerorchester spielt, sagt auch einiges über die Qualitäten des Ensembles aus. Von denen konnte das Publikum sich am Samstagabend erneut überzeugen. In Arthur Honeggers "Pastorale d‘été", einem vom BKO in diversen Erdfarben und Grüntönen gemalten sinfonischen Gedicht etwa, dessen kaleidoskopähnlich eingestreute Motive interessante Konturen boten. Reizvoll, wie das Orchester einen musikalisch-atmosphärischen Grundbereich absteckte, innerhalb dessen es unterschiedliche Stimmungen kurz aufleuchten ließ.
Eine Verbindung sowohl zu diesem Werk als auch zum einleitenden Mozart stellte Franz Schuberts "Sinfonie Nr. 5 in B-Dur" (D 485) auf erstaunliche Weise dar. Mal zerbrechlich, mal äußerst energisch, stets mitteilsam, oft jugendlich im Ton, dabei oft von vornehm bezwungenem Überschwang berichtend war die Sinfonie gespielt. Lebendig, aufgewühlt und aufwühlend.