Staub hat sich auf die Tische und Stühle gelegt. Die Tischkarten stehen immer noch so da, wie sie vor einem Jahr das letzte Mal hingestellt wurden. Seitdem ist im Hexenhäuschen nicht viel passiert.
Bis jetzt. Denn seit dem 1. Juli ist das Café zwischen Bad Brückenau und Staatsbad wieder geöffnet. "Wiederöffnung" steht auf dem Schild vor dem Häuschen, das mit viel Liebe zum Detail von Roland Sopper, dem ehemaligen Besitzer, zum Hexenhäuschen gestaltet wurde. Durch seinen frühen Tod im November 2015 musste das Café verkauft werden. Nicht sehr lange stand es in einschlägigen Portalen, und doch wurde oft gerätselt, was aus dem Hexenhäuschen wird.


Entdeckt durch einen Zufall

Durch einen Zufall - so stellt sich heraus - haben die neuen Besitzer, Valentina und Walter Hoffmann, das Verkaufsschild am Haus beim Vorbeifahren gesehen. "Valentina hat schon immer in der Gastronomie gearbeitet, und es war ein Traum von uns, gemeinsam etwas zu machen", erklärt der 62-jährige Walter Hoffmann sichtlich verliebt. Denn erst im Januar haben sich die beiden das Ja-Wort gegeben, in Bad Brückenau.
Valentina ist gebürtige Mazedonierin und arbeitet momentan noch als Busfahrerin für Kindergartenkinder in Uttrichshausen. Ihr Herz hänge sehr an den Kindern, die sie täglich fährt, sagt sie, und mit ihnen habe sie ein inniges Verhältnis. "Ich arbeite unheimlich gerne mit Menschen zusammen, die Schutz bedürfen", erzählt sie weiter, und dann berichtet sie von ihrer sozialpädagogischen Ausbildung in Darmstadt, von ihren eigenen zwei Kindern und dass sie später in die Seniorenarbeit eingestiegen sei. Arbeitsam und reich an sozialen Kontakten war das Leben der 49-Jährigen bisher.
"Doch wir haben wenig Zeit gemeinsam", sagt sie mit Blick auf ihren Mann. Das soll sich ändern. Zusammen haben sie in Bad Brückenau im November letzten Jahres ein Haus gekauft, das sie auf Vordermann gebracht haben. Und dann ... der Zufall. Das war ihre Chance. "Früher war das Bedienen in der Gastronomie notwendiges Übel, aber heute ist es Leidenschaft", meint sie zu ihrer Entscheidung.


Veränderungen?

"Never change a running system", sagt Walter Hoffmann lachend und meint damit, dass sie vorerst nicht viel am und im Hexenhäuschen ändern wollen. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen und gegen Abend Vesper oder Bratkartoffeln. Nach und nach werde mehr dazukommen, sind sich die beiden sicher. Die kleine Küche - das haben sie prüfen lassen - ist ausbaufähig. Deutsch-balkanisch soll die Küche und das Angebot werden, und an den Wochenenden wollen sie den Grill für verschiedene Spezialitäten und andere Leckereien anwerfen.


Erfahrungen gesammelt

Auch Walter Hoffmann hat Erfahrung in der Gastronomie. In Schlüchtern betreibt sein Sohn die Waldgaststätte "Acisbrunnen" mit einer Adventure-Golfanlage. "Ich hatte schon immer ein Faible für die Gastronomie", meint der gelernte Elektroingenieur, der vor einigen Jahren eine historische Bierkneipe betrieben hat. Für das "Café Hexenhäuschen" mussten die Hoffmanns an einer Gastronomieunterweisung in Schweinfurt teilnehmen, das sei in Bayern strenger geregelt als in Hessen.


Man fühlt sich wohl

Doch das war kein Problem, denn - meint Walter Hoffmann augenzwinkernd - sie fühlen sich Bayern aus verschiedenen Gründen viel näher als Hessen. Wie es scheint, sind die beiden angekommen. In Bad Brückenau fühlen sie sich sehr wohl, das sieht man ihnen an und das sagen sie auch so. Mit südländischer Leichtigkeit und ein bisschen Wehmut erzählt Valentina aus ihrem Leben und von ihrem Vater, der ihr alles Wichtige mitgegeben habe. "Sei arbeitsam und gutmütig, erkenne das Gute in jedem Menschen", das war seine Devise, das hat die Tochter gelernt. "Dann wird das Gute auch zu dir zurückkommen."


Südländische Leichtigkeit

Die Gastronomie gebe ihr die Möglichkeit, mit vielen Menschen in Kontakt zu treten und gemeinsam mit ihrem Mann zu arbeiten. Ein bisschen mazedonischer Flair und südländische Leichtigkeit ist hier zwischen Staatsbad und Stadt zu spüren. Das kann der Region nur guttun.