Doch heuer hatten die Mitglieder mehr zu tun als bisher. "Die Tanzgarde hatte sich aus Zeitmangel aufgelöst", sagt Mario Dietrich. Weil sie aber jedes Jahr beim Fasching dabei war und zum Einzug des Prinzenpaares einfach dazu gehört, haben sich einige Männer gesagt: "Einen Versuch ist es wert." Und haben sich kurzerhand Garde-Kleidchen besorgt und unter Anleitung von Katharina Dudek eifrig geprobt. "Alle haben gedacht, die Männer können das nicht so gut wie die Frauen. Aber wir haben ein sehr gutes Feedback bekommen", freut sich Mario Dietrich und räumt ein: "Wir haben selber nicht gedacht, dass es so gut klappt und dass es so gut ankommt."
Ein Männerballett sind sie nicht; sie sind eine Tanzgarde. "Als männliche Tanzgarde - das war schon ungewohnt", erzählt Mario. "Vor allem die Bewegungen und Schritte." Warum? "Als Fußballer hat man eine etwas verkürzte Muskulatur. Das Bein so hoch zu heben, ist ein Problem und das Dehnen. Aber auch vom Gefühl her." Für die Zuschauer war davon nichts zu spüren. Das Publikum im ausverkauften Saal hatte seine helle Freude.

Mehr als 120 Mitwirkende können die Waldfensterer verzeichnen. "Das schon über Jahre hin", stellt Alexander Pfülb fest. "In einem Ort mit 800 Einwohnern." 20 Jahre ist die Tradition, die sich aus einem reinen Faschingstanz-Abend entwickelt hat, alt. Was ist das Besondere hier? "In Waldfenster ist der Lokalpatriotismus sehr ausgeprägt", meint er. Die "ABBAs" haben in einem witzigen, teilweise mehrstimmig gesungenen Potpourri lokale Themen in Verse gebracht. Pfülb geht in seinen Moderationen auf örtliche Themen ein.

Und hier investiert jeder Mitwirkende selbst in die Sache. Ob es die Kleider der Garde sind, die Kostüme und Requisiten der Äche Brader, die Ausstattung der Purzelgarde oder der "Milchschnitten": Das ist Sache der Auftretenden. "Es ist rein wegen des Spaßes und der Freude. Es ist sehr viel Idealismus gefragt in Waldfenster." Idealismus, der sich an die nächste Generation weiter vererbt. Alexander Pfülb freut es, dass Jüngere nachkommen. Die "Freeway-Girls" etwa waren heuer neu dabei.

Die Zusammenarbeit ist ein Teil des Erfolgs. Mario Dietrich sagt: "Jeder hilft hier dem anderen. Am Freitag haben wir Generalprobe, essen gemeinsam, und jeder schaut an, was die anderen machen." Kritik und Anregungen gibt es da auch. "Und es ist auch immer jemand für die Technik da." Vielleicht erklärt dieser Zusammenhalt, warum die Nachfrage so groß ist. "Das ist auch etwas Besonderes", sagt Manuel Vorndran. "Ein Achthundert-Seelen-Dorf, in dem es drei Büttenabende gibt, die alle ausverkauft sind."