Am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund. So könnte es heißen, wenn "weiche" Drogen legalisiert werden sollten, wie das von den Linken und den Piraten jüngst wieder gefordert worden ist. Lars H. (Name geändert) aus Bad Kissingen sieht das ganz anders. Er konsumierte zwei Jahre lang Heroin und versucht nun, seine Sucht zu überwinden. Sein dringender Rat: "Gar nicht damit anfangen."

Für Lars H. war Haschisch die Einstiegsdroge. Er kam erstmals als 13-Jähriger damit in Kontakt und seither nicht mehr davon los. Das sieht man ihm auch an: Er wirkt immer etwas schläfrig, hat übergroße Pupillen.
H. hat schwere Zeiten hinter sich. Die Spirale nach unten hat sich immer schneller gedreht. Erst Cannabis, dann Partydrogen, dann Heroin. 50 bis 60 Euro hat er - täglich - für Stoff gebraucht; oder auch mehr. Dann hat er erkannt, "dass es so nicht weitergehen kann". Er hatte seine echten Freunde verloren, der Job war weg, die Familie wandte sich von ihm ab. Dazu kam "Stress mit der Polizei".

Er zog die Reißleine. Nach einer Verurteilung zu einem Jahr mit Bewährung (unter anderem wegen Beschaffungskriminalität), schmerzhaften Entzügen und monatelanger stationärer Therapie ist es ihm endlich gelungen, vom Heroin weg zu kommen. Der "Ersatzstoff" Methadon hilft ihm dabei. Das Kiffen aber geht weiter: "Klar."

"Wenn ich andere Freunde gehabt hätte, wäre es nicht soweit gekommen", hat H. erkannt.

Dennoch ist er für eine Freigabe mit der Begründung, viele klauten, um sich Drogen kaufen zu können. Er verbindet das mit dem Appell, die Finger vom Rauschgift zu lassen.

Je früher, desto schlimmer


Christian Fenn ist gegen die Freigabe von Haschisch, Marihuana, Extasy. Der Sozialpädagoge ist seit 1998 Streetworker bei der Bad Kissinger Drogenhilfe Kidro. Er weiß, wovon er spricht. Würde man Rauschgift liberalisierten, würde das suggerieren, dass diese Drogen "harmlos" sind. Das sei ein "Spiel mit dem Feuer". Er hat zu mehr als 200 Konsumenten regelmäßig Kontakt, trifft etwa ein Dutzend pro Tag. Er kennt die Probleme, mit denen seine Klienten zu kämpfen haben: "Es kommt nichts mehr im Kopf an". Sie haben null Bock auf nichts, manche lügen sich die Welt zurecht. Viele redeten sich ein, krank zu sein: "Da wird jeder 'Huster' zum Argument, im Bett zu bleiben". Auch Cannabis oder Marihuana - "viele verharmlosen es total" - könne "das Gehirn extrem kaputt machen". Je früher man mit dem Konsum beginne, desto schlimmer. Manche Süchtige seien wie Kinder, viele Entwicklungsschritte seien an ihnen schlicht vorbei gegangen.

Keine neuen Probleme schaffen


Fenn will auch nicht gelten lassen, dass Drogenmissbrauch keine Folgen habe. Es könne ja sein, dass Menschen damit zurecht kommen, "aber das ist nicht der Regelfall", weiß er.

Das Thema sei schon immer kontrovers diskutiert worden, sagt Stefan Haschke, der Chef der Bad Kissinger Polizei und Vater dreier Jungs. Er habe da eine "ganz eindeutige Position": Keine Freigabe. Schon jetzt gebe es größte Probleme mit Alkohol. Weitere Schwierigkeiten mit anderen Drogen sollte man "sich nicht ohne Not einhandeln". Er sei auch froh, dass die Grenzziehung schon bei Cannabis greife und nicht erst bei Heroin.

Haschke sagt, schon heute könne der Staatsanwalt beim Eigenkonsum "weicher" Drogen bei Erwachsenen von einer Strafverfolgung absehen. Das sei - als Auflage - oft mit einer erzieherischen Maßnahme verbunden. Und: "Wir sorgen auch dafür, dass 'Gestrauchelte' Beratungsangebote annehmen."

"Ich halte eine Freigabe nicht für gut, weil ich die Beobachtung gemacht habe, dass bei langjähriger Gewöhnung bei vielen ein 'Wurstigkeitsgefühl' entsteht." Matthias Göbhardt ist Richter und hat öfters mit Junkies zu tun. Der innere Antrieb lasse bei vielen nach, es gebe "eine Gleichgültigkeit, für den Lebensunterhalt zu sorgen". Es komme zu Verwahrlosung.

Germut Schneeberger, Chef des Gesundheitsamts, spricht von einer ernsten Frage, die die Politik zu entscheiden habe. Er persönlich sei "kein Verfechter der Legalisierung. "Wir haben schon genug Drogenprobleme zum Beispiel mit Alkohol." Er warnte nachdrücklich vor den schweren gesundheitlichen Problemen, die durch Rauschgiftkonsum entstehen könnten.

"Auf dem Verbot beharren"


"Überhaupt nichts" hält Eduard Lintner von der Freigabe "weicher" Drogen. Der CSU-Politiker war von 1992 bis 1998 der erste Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Schon damals habe es "heftige Diskussionen" über eine Legalisierung gegeben. Lintner verwies auf die "uralte Erkenntnis, dass viel mehr Leute dem 'Stoff' verfallen, je leichter sie Zugriff haben". Deshalb sei es richtig, auf dem Verbot zu beharren.

Befürworter einer Legalisierung sagen, Haschisch und Marihuana seien nicht so tödlich wie Trinken und Rauchen. Es gäbe weniger Beschaffungskriminalität. Der Staat würde Geld sparen, wenn er Delikte nicht mehr verfolgte. Das Verbot sei unverhältnismäßig. Schließlich sei Drogensucht keine Straftat, sondern eine Krankheit.
Gegner sagen, der Staat habe eine Fürsorgepflicht. Es drohe ein Drogenboom. Sie verweisen auf medizinische und psychologische Risiken.

Cannabis ist in viele Ländern verboten. Der Besitz geringer Mengen ist aber oft nicht strafbar. Bei Jugendlichen kann regelmäßiger Konsum zu Hirnveränderungen führen. Bei Erwachsenen kann es zu charakterlichen Veränderungen komme.

Rat und Hilfe gibt es bei Kidro. Dort arbeitet Streetworker Christian Fenn (Telefon: 0971/ 69 93 803 oder 0170/ 85 25 180). Auch die Caritas bietet Suchtberatung an (0971/ 72 46 29; suchtberatung@caritas-kissingen.de). ed