Als das ehemalige Kurhaushotel ab November vergangenen Jahres abgerissen wurde, äußerte sich Walter Rundler sehr direkt: "Wie kann man so etwas abreißen, ohne zu wissen, wer hier neu baut?" Nach wie vor geht Walter Rundler offenen Auges durch die Kuranlagen, nach wie vor liegt ihm "sein" Bad Kissingen am Herzen. Auch am Samstag, 19. September, wenn er seinen 85. Geburtstag feiert. Schließlich hat Walter Rundler als Kurdirektor und später als Bezirksfinanzpräsident Bad Kissingen, Bad Bocklet und Bad Brückenau maßgeblich mitgeprägt.
Das Engagement für Bad Kissingen war Walter Rundler wohl in die Wiege gelegt. In Würzburg geboren, kam er als Fünfjähriger in die Kurstadt, nachdem sein Vater zum stellvertretenden Badcommissär ernannt worden war. Es folgten Schulzeit, Jurastudium in Würzburg, Referendarzeit in Bad Kissingen, Einsatz im Finanzministerium und 1966 die Bewerbung als Kurdirektor nach Bad Brückenau. Eine gute Lehrzeit, wie Rundler noch heute sagt, war er doch mit zahlreichen Baumaßnahmen befasst. 1970 wurde die Position des Kurdirektors für Bad Kissingen und Bad Bocklet frei. Rundler griff zu - und betreute noch ein Jahr lang Bad Brückenau mit.


Neubau des Kurgastzentrums

Vieles hat Walter Rundler in den drei Staatsbädern erreicht. So wurde in Bad Kissingen das Kurgastzentrum neben dem Steigenberger Kurhaushotel gebaut. Damals ein Quantensprung für den Kurort. Im vergangenen Jahr musste Walter Rundler mit ansehen, wie das ehedem hochmoderne Gebäude abgerissen wurde. Weitere Großprojekte in Bad Kissingen waren die Umgestaltung des Kurgartens und der Neubau der Kurgärtnerei. Der Bau des Bewegungsbades im Hof des Luitpoldbades geschah ebenfalls in der Ära Rundler. Doch auch diese für Bad Kissingen damals so wichtige Einrichtung ist heute Geschichte.
Auf überregionaler Ebene hat sich Walter Rundler ebenfalls einen Namen gemacht. So als Vorsitzender des Bayerischen Heilbäderverbandes, dessen Ehrenvorsitzender er noch heute ist. Auch im Deutschen Bäderverband, im Landesfremdenverkehrsverband, im Fremdenverkehrsverband Franken und zahlreichen weiteren Gremien hat Rundler erfolgreich Lobbyarbeit für die Staatsbäder in der Rhön betrieben.
Stets hat Walter Rundler großen Wert auf Kontaktpflege gelegt, beispielsweise zu den Versicherungsträgern. Immer trommelte Rundler für "seine" Heilbäder, auch dann noch, als er 1992 die Leitung der Bezirksfinanzdirektion in Würzburg übernahm. Die Staatsbad-Privatisierung hat ihn weiter eng mit Bad Kissingen, Bad Bocklet und Bad Brückenau verbunden.


Licht und Schatten

Wenn Walter Rundler heute durch Bad Kissingen läuft oder radelt, sieht er Licht und Schatten. Über den während der Freiluftkonzerte des Kurorchesters mit einem Band geteilten Kurgarten kann er nur den Kopf schütteln. "Wenn ich Kurtaxe bezahle, muss ich einen ordentlichen Service bekommen", sagt er. "Gerade der Service ist entscheidend für die Zukunft eines Kurortes." Schließlich verlange Bad Kissingen die höchste Kurtaxe in Deutschland.
Andererseits tue es gut, die gepflegten Anlagen zu sehen. "Ich habe das Gefühl, dass der neue Chef der Kurgärtnerei etwas von seinem Fach versteht. Er hat vieles gemacht, was ich als sehr positiv empfinde." Walter Rundler hofft, dass der Staat die Kurgärtnerei nicht herunterfährt, dass die Arbeiten nicht Stück für Stück nach außerhalb vergeben werden. Die Staatliche Kurgärtnerei müsse auf jeden Fall beibehalten werden.
Die Schließung des Kurhausbades ruft bei Walter Rundler gespaltene Gefühle hervor. Nachdem die Kassen zu Rundlers Leidwesen die Offene Badekur völlig heruntergefahren haben, habe sich das Badeleben verändert. Das müsse man berücksichtigen. "Wegen der tollen Ausstattung des Kurhausbades muss man aber etwas Gescheites daraus machen", fordert Rundler.


Bad Kissingen steht noch gut da

Auch die Konkurrenz, unter anderem durch die tschechischen Bäder, müssten die Verantwortlichen immer im Blick behalten. Doch nach wie vor habe Bad Kissingen sehr viel Positives zu bieten. Rundler erinnert an die prächtigen Gebäude wie Regentenbau und Wandelhalle, den Luitpoldpark, den Kissinger Sommer und das Kurorchester. "Wir stehen noch relativ gut da", ist seine Überzeugung.
Was ihn erheblich stört, sind die Radler im Kurgarten. Hier tue etwas mehr Aufsicht dringend not. "Auch dafür ist die Kurtaxe da, damit dieser Bereich in Ordnung ist." Weh tut ihm auch, dass der Gradierbau nach wie vor ein Torso ist.
Positiv wirke sich das Tagungsgeschäft für Bad Kissingen aus. Zwar seien die jungen Menschen, die zu Tagungen kommen, nicht unbedingt das klassische Zielpublikum, doch oft genug erlebe er, dass Tagungsteilnehmer ihren Eltern Bad Kissingen erfolgreich empfohlen haben "Ein Kurort ist nichts für ganz junge Leute, man muss auf ein Publikum ab 50 Jahren setzen", ist sich Rundler sicher.
Trotz seiner 85 Jahre: Neuem verschließt sich Walter Rundler nicht. "Der Stadtstrand war heuer so, wie er sein soll", sagt er. Im vergangenen Jahr sei er eine Katastrophe gewesen.


Keine Bange um Bad Bocklet

Um die Zukunft Bad Bocklets ist Walter Rundler nicht bang. Er ist froh darüber, dass die Caritas doch geblieben ist. Und: "Ich halte Kurdirektor Thomas Beck für ausgesprochen gut, er weiß, was er macht."
Etwas revidiert hat Walter Rundler in den vergangenen zehn Jahren seine Meinung über den Standort der Therme. Er hätte die Therme damals gerne in den Mauern des Luitpoldbades gesehen, so, wie es der Freistaat zunächst geplant hatte. Doch wenn er heute sieht, wie voll der Parkplatz der KissSalis ist, dann kommen ihm doch Zweifel, ob der Standort im Luitpoldpark der richtige gewesen wäre.


Aktiver Verbandspolitiker

Zurück zum ehemaligen Kurhaushotel und dem ebenfalls abgerissenen Kurgastzentrum. Dort hat Walter Rundler gerne für Bad Kissingen gearbeitet. Auch politisch stand das Kurgastzentrum während seiner Zeit als Kurdirektor oft im Mittelpunkt. Rundler war 21 Jahre Vorsitzender des Bayerischen Heilbäderverbandes und acht Jahre Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes im Deutschen Heilbäderverband. Verbandspolitik wurde damals in Bad Kissingen gemacht. Und das ist noch etwas, was Walter Rundler schmerzt: Das fehlende Engagement Bad Kissingens in den Gremien, die die Geschicke der Kurorte und Heilbäder maßgeblich beeinflussen.