Es wird viel darüber gesprochen, Menschen mit Behinderung zu integrieren. Doch echte Integration geschieht dort, wo man nicht mehr darüber reden muss. Ein Beispiel dafür war die diesjährige Mottener Kirmes: Der spastisch behinderte Alexander Schrott war zum ersten Mal Teil der Mottener Kirmesgesellschaft und mit großem Spaß bei der Sache.
Die zweitägige Kirmes hat Spuren hinterlassen bei dem jungen Mann. Er ist ein bisschen heiser vom Singen und Juchzen, und sein Elektro-Rollstuhl musste zur Reparatur. Doch darüber können Vater Christian und Alexander zwei Tage nach der Kirmes nur lachen. "Gut, dass der Rollstuhl erst Sonntagabend einen Platten bekommen hat, sonst hätte das mit dem Einzug nicht geklappt." In diesem Jahr führte der 21-Jährige nämlich gemeinsam mit Bürgermeister Jochen Vogel, dessen Gattin Claudia und den drei Knechten die Kirmesgesellschaft mit ihren neunzehn Paaren an.


Vor Rührung fast geweint

"Wir hatten schon länger die Idee, Alexander mit einzubinden", erklärt Patrick Krug, der diesjährige Kirmeschef und genauso alt wie Alexander. Er habe jedes Jahr mit ihnen an Kirmes gefeiert, und heuer sei sich die Kirmesgesellschaft schnell einig gewesen, den lebensfrohen jungen Mann zum Teil ihrer Gruppe zu machen.
Jetzt war es dann so weit: Alexander bekam in der gefüllten Kirmeshalle seinen eigenen Kirmeshut überreicht. "Als ich den Hut bekommen habe, habe ich fast geweint vor Rührung", erzählt Alexander, der sich extra für die Kirmes zwei Tage bei der Caritas freigenommen hat. Dort absolviert er zurzeit eine Berufsfindungsphase. Das sei vergleichbar mit einer Berufsausbildung, erklärt Christian Schrott. Seit zwei Jahren wohnt der junge Fußballfan in der Diakonie in Tann und pendelt täglich zu seinem Arbeitsplatz nach Fulda.


Man kennt sich von klein auf

Als Einjähriger war Alexander Schrott mit seiner Familie vom schwäbischen Pöttmes nach Motten gezogen. Viele der Kirmesburschen und -mädchen kennen ihn daher von klein auf und haben keinerlei Berührungsängste. "Es hat mich wieder einmal sehr beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit die Mottener Jugend mit Alexander umgeht", sagt Christian Schrott. Diese Selbstverständlichkeit müsse in der Gesellschaft noch wachsen. Sein Sohn habe ganz sicher den Vorteil, dass er sehr kontaktfreudig sei und sich verständlich ausdrücken könne. "Man soll mich einfach so annehmen, wie ich bin", wünscht sich der Behinderte.
Als Alexander an diesem Tag erfährt, dass er seinen Kirmeshut behalten kann, leuchten seine Augen. Denn jetzt weiß er, dass er auch im nächsten Jahr wieder mitmachen darf. Und dass er nicht um den Baum tanzen kann, findet er halb so schlimm: "Dabei sein ist alles", sagt er.