In der letzten Minute ist alles fertig geworden. Die Zimmer sind hell. Von allen Seiten scheint das Licht durch die Fenster der ehemaligen Praxis. Gruppenräume, Arbeitsräume - auf 180 Quadratmetern ist Raum für 25 Leute. Menschen, die keinen Platz in der Gesellschaft finden. Die neu eröffnete Tagesstätte soll für sie ein Ort sein, an dem sie einfach sein können.

"Betro" gibt es jetzt auch mitten in der Stadt. Bisher hatte der Betreuungsdienst für Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Niederlassung in Wildflecken. 60 Frauen und Männer betreut das Team von Ehepaar Doris Biedermann-Ott und Hilmar Ott dort. Die neue Tagesstätte in der Buchwaldstraße in Bad Brückenau spricht generell die gleiche Zielgruppe an. Aber: "Viele wollen ein städtisches Angebot in ihrer Umgebung", sagt Hilmar Ott.

Manche kommen und bleiben den ganzen Tag, andere sind halbtags in der Einrichtung, wieder andere verbringen bestimmte Wochentage bei "Betro". Das Team bietet ihnen eine Tagesstruktur. Es wird Musik gemacht, gemalt, gekocht, gewerkelt und geredet. Es entstehen Figuren aus Stein, die bei Weihnachtsmärkten und Sommerfesten angeboten werden.


Hilfe im Alltag

Neben der Betreuung vor Ort, kümmert sich das Team außerdem um Alltägliches, bei dem die Menschen Hilfe brauchen. Unterstützung beim Haushalt oder bei Arztbesuchen. Zusammen mit ihrem Mann organisiert sie auch Wohnungen für ihre Schützlinge. Seit dem Winter 2015 war das Ehepaar selbst auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude, um eine weitere Tagesstätte einzurichten. Die ehemalige Praxis in der Buchwaldstraße kam genau recht.

"Betroffene gibt es auch hier", sagte Brigitte Meyerdierks bei der Eröffnung der Tagesstätte. "Macht so weiter wie in Wildflecken", meint sie und lacht. Den Standort am Rande des Stadtzentrums hält sie für optimal. Die Nähe zur Innenstadt, das Krankenhaus, das Haus Waldenfels, den Park und die Heilquellen in der Nachbarschaft mache die Lage ideal.

"Man kann nur den Hut ziehen, vor dem, was hier an Inklusion geleistet wird", sagte Gerd Kleinhenz, Bürgermeister von Wildflecken. Vor acht Jahren eröffnete das Ehepaar dort die erste "Betro"-Einrichtung. "Das Team macht es mit Herz und Verstand. Ich hoffe, dass Bad Brückenau die Einrichtung gut annimmt, mit allen Begleiterscheinungen."

An den Wänden hängen bunte Bilder. Runde Sitzpolster in Grau und Orange sind auf den hellen Stühlen platziert. Zwei Monate hat das Einrichten gedauert. Doris Biedermann-Ott und ihr Mann Hilmar Ott wollen eine Umgebung zur Begegnung auf Augenhöhe schaffen. Ihre Zielgruppe sind Menschen mit klassischen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, meint Hilmar Ott. Das Problem: "Viele Betroffene isolieren sich." Das "Betro"-Team will sie aus diesem Kreislauf holen.

Ein niederschwelliges Angebot sei das, was Erkrankte brauchen. Einen Ort, wo sie sich wohlfühlen und Kontakte pflegen können. "Viele Leute trauen sich nicht, mit dem Bus nach Wildflecken zu fahren", sagt Hilmar Ott. Die kommen jetzt in die Buchwaldstraße. In die hellen Räume der ehemaligen Praxis. Dort können sie einfach sein.