"Hoffentlich verstehe ich den auch?", meint die Sitznachbarin vor Beginn des Programms zweifelnd. "Ich wohne zwar schon einige Jahre hier, aber ich komme aus Detmold und hab's noch nicht so mit dem Fränkischen!" Ihren Lachanfällen während des Abends nach zu urteilen, verstand sie den Michl Müller dann aber doch recht gut - und richtig. Und der Rest des ca. 170-köpfigen Publikums im "Intimen Theater" Musikerheim der Trachtenkapelle Theinfeld sowieso.

Zum zehnten Male trat der mittlerweile bundesweit bekannte Kabarettist, Plauderer, Comedy-Star und "Frangge" ("Menschen ohne Dialeggd sinn orme Mensche!") in "Deefld" vor seine Fans, , babbelde, parodierte, sang, war ständig auf der Waltz, tänzelte rastlos und gab Alles. Von der Politik ("Es Änschii macht‘s!") über alle Bereiche und Themen des täglichen Lebens und seine Tücken sprach er, über Unzulänglichkeiten und Marotten der Mitbürger, die gesellschaftspolitischen Eskapaden seiner Stammtischbrüder; und Michl Müller scheute sich nicht, seine Finger in offene Wunden zu legen.

Die fränkische Mentalität mit Feststellungen wie z. B. "Des wor doch kee Sommer? Es häd amol reechn müss!" zerpflückt er genüsslich, er streift den fränkischen Tatort mit der unter eine Nordic Walking-Gruppe geratenen Leiche, findet typisch fränkische Namen wie "Schmitt's Kimberley" und lässt sich aus über sündteure Kaffeeautomaten für Zweipersonenhaushalte, "Eikefferei" mit Probierständen, Globuli und Eigenurin-Therapien sowie Fitnessstudios als Spiegelbilder der Gesellschaft. Bei Michl Müller kommt es kunterbunt und Schlag auf Schlag, so dass dem Lachgestressten Publikum kaum Zeit zum Luftholen bleibt.

Seitenhiebe und Gedankensprünge


Wie zufällig eingestreut Seitenhiebe, kurze Einfälle und Gedanken zur Bundes- und Landespolitik, dem Griechenlandproblem, Ehrensold, Benzinpreisen, Windräder-Manie, Koran-Verteilung - außer in Franken. Dazwischen setzt Michl Müller seine Lieder und mittlerweile zu Hit's avancierten Songs, zumeist fränkischer Raeggae-Stil, die er teils mit akrobatischen Verrenkungen und Tanzschritten darstellte.

Gleich zu Beginn des Programms hatte der Unterhaltungs-Allrounder schon seine persönliche Saalkandidatin ausgemacht: Sabrina aus Thundorf wurde liebevoll mit ins Programm einbezogen, musste zur Freude aller immer wieder für kleine Späßchen herhalten, personalisierte die Verbindung des Künstlers zum Publikum. Ganz ohne Ehrung kam er aber nicht von der Bühne, denn für zehnmal Theinfeld wurde ihm vom Vorsitzenden des Musikvereins, Tho mas Schmitt, der "erste und einzige Deefldr Comedy-Preis" überreicht.

Freilich gab's zum Schluss noch Zugaben - "In Deefld ganz kloor zwee!" - und danach Autogramm- und Plauderstunde. Befragt, wie denn das Theinfeld-Gastspiel, zwischen Auftritten in großen Sälen in Segnitz und Aschaffenburg, für ihn gewichtet sei, meinte Michl Müller verschwitzt und verschmitzt: "Deefld, es wor widder grandios." Und stolz verweist er darauf, dass er hierher schon 1999, ganz zu Beginn seiner Karriere, als ihn "fast noch kee Sau" kannte, zu Auftritten eingeladen wurde. "Theinfeld gehört zu meinen künstlerischen Wurzeln, hierher komme ich immer wieder gerne zurück!"