Heimat ist für Josef Heil ein Ort, "der einem vertraut ist und dem man sich verbunden fühlt". Deshalb sei es für ihn naheliegend, sich neben den aktuellen Geschehnissen auch mit der Geschichte und Tradition der eigenen Heimat auseinanderzusetzen. "Das hat mich schon immer interessiert. Geschichte ist mein Steckenpferd", erzählt der Projektleiter des Oberleichtersbacher Geschichtskreises.
Als sich vor zweieinhalb Jahren im Gemeinderat die Idee entwickelte, zur 1200-Jahr-Feier eine Chronik herauszugeben, sei man an ihn herangetreten. Über Zeitungsanzeigen wurden schließlich interessierte Autoren für das Großprojekt gesucht, die sich mit der Zeit auch fanden. "Etwa vor gut einem Jahr haben wir dann richtig losgelegt", schildert Heil. Dann aber unter viel Zeitdruck, damit das Heimatbuch pünktlich zu den Feierlichkeiten im Juli fertig werde. Bei der Präsentation des gut 500 Seiten starken Werkes zeigte er sich denn auch sichtlich zufrieden: "Ich bin stolz, dass wir alles entsprechend geschafft haben".
Da bereits zur 1175-Jahr-Feier eine Chronik geschrieben wurde, wollten die Autoren diesmal weniger eine geschichtliche Übersicht verfassen. Stattdessen griffen sie unterschiedliche Einzelaspekte heraus, die sie detailliert beleuchteten. "Ziel war es, die Geschichte unseres Dorfes lebendig werden zu lassen", schildert Heil die Idee hinter dem Buch. "Wie haben die Leute im 9. Jahrhundert gelebt, mit welchen Sorgen und Ängsten mussten sie kämpfen, welche Wünsche hatten sie? Oder wie erlebten die Bewohner von Oberleichtersbach den Bauernkrieg oder den 30-jährigen Krieg? Und wie sah das Dorfleben zu Beginn des vorigen Jahrhunderts aus?" Jeder Autor habe seine Spezialgebiete, zu denen er seine Beiträge verfasste.
Josef Heil beispielsweise hat sich auf das mittelalterliche Oberleichtersbach konzentriert. Das liege unter anderem an den Quellen, die er für seine Nachforschungen benutzte. Urkunden aus dieser Zeit seien von der Schrift her gut lesbar. Außerdem wurden sie auf Latein verfasst. "Mit Latein komme ich besser zurecht als etwa mit althochdeutsch", sagt der gelernte Bankkaufmann.
Das Buch sieht Heil als Standardwerk. "Ich hoffe, dass es später bei jedem Oberleichtersbacher zuhause im Schrank steht", meint der Projektleiter. Einen Grund dafür sieht er in dem "Häuserbuch" von Matthias Elm. Elm habe auf über 60 Seiten alle Häuser, die vor 1950 gebaut wurden, systematisch erfasst und sämtliche Besitzer zum Teil bis in das 15./16. Jahrhundert zurückverfolgt. Das gebe Aufschluss über so manche Dorfnamen, die mit Häusern verbunden sind. Auch alteingesessene Oberleichtersbacher wissen manchmal nicht mehr, von wem ihr Dorfname abstamme. Nach Ansicht von Josef Heil bringt der Beitrag von Elm viel Vergessenes ans Licht.

Wunderheilung überliefert


Eine seiner Lieblingsgeschichten ist die Wunderheilung eines taubstummen, sechsjährigen Knaben im Gebetshaus zu Lihtolfesbah am 14. Mai 836. Nachdem der Junge eine Nacht neben den Gebeinen des Heiligen Vernantius verbrachte, habe er am nächsten Morgen Sprechen und Hören können. "Die Reliquie des Heiligen Vernantius wurden gerade von Rom nach Fulda überstellt", erzählt Heil. Auf der Reise machten die Mönche eine Nacht in Lihtolfesbah Station, wo sich das Wunder ereignete. Ein Mönch, der gleichzeitig Bibliothekar in Fulda war, hielt das Geschehene für die Nachwelt in einem Reisebericht fest.
Der Arbeitsaufwand für das Heimatbuch war enorm. "Insgesamt haben alle Beteiligten 7000 Stunden Arbeit für das Projekt verwendet", schätzt Josef Heil. Kein Wunder: "Wenn du zur Recherche in einem Archiv bist, hören drei bis vier Stunden den Schlag nicht." Wenn er beispielsweise mit dem Chefbibliothekar der Theologischen Fakultät in Fulda das Archiv durchforstete, sei er teilweise mit 20 bis 30 Büchern wieder nach Hause gegangen. "Die Archivleiter haben sich viel Zeit für uns genommen", lobt er deren Hilfestellung. Auch für sich persönlich zieht Heil ein positives Resümee: "Etwa zehn Prozent Wissen hatte ich schon vorher, den Rest habe ich mir während der Arbeiten angelesen", meint der Hobby-Historiker, der zuhause eine Sammlung historischer Landkarten besitzt. Und dennoch liege noch viel interessantes Material in den Archiven in Würzburg, Fulda und Marburg, dem er sich in Zukunft noch widmen wolle. Nur ob er noch einmal an einem Buch mitarbeiten werde, wisse er noch nicht.