Auch wenn am Ende nicht immer gemeinsame Positionen gefunden wurden: Zumindest eine bessere Sicht auf das Denken des jeweils anderen haben die CSU-Mitglieder Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner und die Mitglieder des Würzburger Diözesanrats der Katholiken gewonnen. Bei der Frühjahrsvollversammlung auf dem Volkersberg diskutierten sie über aktuelle Herausforderungen der Flüchtlingspolitik. Großes Lob zollten beide Seiten den vielen Ehrenamtlichen, ohne die die aktuelle Herausforderung nicht gemeistert werden könnte.


Schon immer Zuwanderungsland

Sichtlich dünnhäutig reagierten die beiden Politiker auf die Anfrage aus dem Plenum, wo bei der aktuellen Diskussion um Obergrenzen für Flüchtlinge das Christliche und das Soziale aus dem Parteinamen blieben. "Ich komme nicht von irgendwoher. Ich bin in meinem Werdegang christlich geprägt und diesbezüglich kann nur einer über mich urteilen: Gott", sagte Stamm.
Kirchner erinnerte daran, dass Bayern schon immer Zuwanderungsland sei, wie der Anstieg der Bevölkerung durch Zuzug aus Deutschland und dem Ausland von insgesamt zwei Millionen Menschen in den zurückliegenden Jahrzehnten beweise. Außerdem zeige sich der Freistaat sehr wohl barmherzig gegenüber den Flüchtlingen.
Transparenz im Prozess der Entwicklung einer zukunftsfähigen Pastoral, eine bessere Kommunikation über alle Ebenen hinweg und eine Denkweise auch aus Sicht der Gemeinden und nicht nur aus der des Amts: Das fordert der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg in einem Antrag, dem die Delegierten bei der Frühjahrsvollversammlung zugestimmt haben. Außerdem sprachen sie sich in einem weiteren Antrag klar gegen eine Obergrenze für Flüchtlinge aus. Weiter beschloss die Versammlung, im Sommer eine außerordentliche Diözesanratsvollversammlung abzuhalten, die sich ausschließlich mit der Pastoral der Zukunft beschäftigt. Der Antrag zur zukünftigen Pastoral ist an Generalvikar Thomas Keßler und die Projektgruppe gerichtet. Der Text fordert unter anderem ein Berücksichtigen der Ungleichzeitigkeit und Verschiedenheit der Dekanate sowie einen Zeitplan, der die wesentlichen Ecktermine aufzeigt, die im Projekt eingehalten werden sollen. Wichtig sei zudem, dass die Laien und Hauptamtlichen in den sich verändernden Rollen befähigt und unterstützt werden. Das beinhalte auch eine an die anstehenden Veränderungen angepasste Ausbildung der Priester. "Das Grundrecht auf Asyl begründet einen individuellen Schutzanspruch, der nicht mit einer Obergrenze beschränkt werden kann. Schutzbedürftigkeit kennt keine Grenze!", betont der von der Vollversammlung angenommene Text zur aktuellen politischen Flüchtlingsdebatte. Gleichzeitig fordert der Diözesanrat darin eine besonnene und deutlichere Differenzierung von Asyl und Zuwanderung. pow