Am 1. Oktober 1911 wurde der Luitpoldbrunnen am Marktplatz in Königshofen im Grabfeld feierlich übergeben. Wie Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert dazu in den Unterlagen des Staatsarchivs Würzburg recherchierte, ging die Initiative vom Besitzer des Schlosses Sternberg im Grabfeld, Reichsrat Friedrich von Deuster, aus. Bekrönt wird der Brunnen von einer Bronzestatue, die eine Schnitterin darstellt. Die Vorlage dazu ist eine Gipsstatue, die derzeit noch im Besitz von Werner Eberth, Kreisheimatpfleger in Bad Kissingen, ist. Stadt Bad Königshofen und Verein für Heimatgeschichte haben sich nun entschlossen, diese Figur, die für Bad Königshofen ein wichtiges Kulturgut ist, zu erwerben. Das wurde bei der Eröffnung einer Postkartenausstellung vereinbart.
Mitarbeiter des Bauhofes werden die für Bad Königshofen wertvolle Figur demnächst in Bad Kissingen abholen und dann im Kulturarsenal Darre aufstellen. "Das ist der geeignete Ort", waren sich Bürgermeister Thomas Helbling, Kreisheimatpfleger Reinhold Albert und Kreiskulturreferent und Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte, Hanns Friedrich, einig. Wie Werner Eberth im Gespräch sagte, hat die Schnitterin seit Jahren einen festen Platz im Haus. Sie wurde von der Familie restauriert und zeigt noch die Einstiche des Zirkels, womit die Maße millimetergenau auf das Original übertragen wurden.

Entwurf von Balthasar Schmitt

Entworfen wurde die Figur von dem Münchner Bildhauer Balthasar Schmitt (1858-1942), der auch den Auftrag für die Gesamtgestaltung des Brunnens bekam. Er hatte bereits für den 1895 eingeweihten "Kiliansbrunnen" vor dem Würzburger Hauptbahnhof die krönende Bronze-Figur des heiligen Kilian geschaffen.
In den Unterlagen der Stadt Bad Königshofen fand Kreisheimatpfleger Reinhold Albert auch folgende Bemerkung: "Das Ende der Säule mit stilvollem Kapitel trägt als Krönung das in Erz gehaltene Bild einer jugendlich schönen Schnitterin, das Symbol des Reichtums einer üppigen, landwirtschaftlichen Kultur. Die schlanke Gestalt mit dem luftigen, nur lose anliegenden Arbeitskleid, aus dessen geraffter Schürze das Gold der Ähren blickt, hat sich erhoben und ergreift, von quälendem Durst gepeinigt, mit der linken Hand hastig den längst geleerten Wasserkrug. Jetzt die Augen mit der rechten Hand vor dem Sonnenlicht beschattend, sucht sie sehnsüchtig forschenden Blickes den Ort, wo der sprudelnde Quell ihr Labung und Kühlung verheißt."
Man merkt es dem Schöpfer des Brunnens an, dass er mit hellsehender Seele eines Künstlers um die Form für den Inhalt des Bildwerkes gerungen hat, um seinen Ideen adäquate Verkörperung zu verleihen. Vielleicht schwebte dem Künstler "Scheffels Schnitterin" vor.

Wie kommt Aschach ins Spiel?

Schmitt war so geschäftstüchtig, die Figur der Schnitterin, zu der ein Mädchen aus Aschach, seinem Heimatort, Modell stand, als Nippes-Figur (kleine Ziergegenstände aus Porzellan) für das Vertiko (kleiner Zierschrank) zu verkaufen. Seine Verwandten in Aschach besaßen deshalb das farbig gefasste Originalmodell. Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert: "Die Verbindungen ins Grabfeld werden wohl durch Professor Schmitts Freund, den Kleinbardorfer Pfarrer Hugo Paulus, den er des Öfteren besuchte, zustande gekommen sein." Pfarrer Paulus war Angaben des Bad Kissinger Kreisheimatpflegers Werner Eberth zufolge ein Konvertit aus einer bekannten preußischen Offiziersfamilie, aus der wohl auch der Generalfeldmarschall Paulus stammen dürfte, der 1943 die Schlacht um Stalingrad verloren hat.
Zurück zum Luitpoldbrunnen: Der Kostenvoranschlag bezifferte sich auf 10 000 Mark, worin nicht die Bankanlage, das Fundament, die Zu- und Ableitung des Wassers sowie das notwendige Gerüst enthalten waren. Es wurde festgelegt, dass die Umfassung, für deren Planung und Ausführung der in Königshofen ansässige Architekt Valentin Trott verantwortlich zeichnete, in "Sulzfelder Sandstein" ausgeführt werden sollte. Den Auftrag zur Erstellung des Mittelbaus in Enviller Kalkstein erhielt Balthasar Schmidt.
Am 12. März 1911 wurde feierlich der Grundstein gelegt und der Brunnen am 1. Oktober gleichen Jahres fertig gestellt. In der Urkunde im Stadtarchiv heißt es dazu: "Am heutigen Sonntag erglänzt zum ersten Mal die Brunnenzier von des Marktes Höhe; damit haben wir, der Denkmalausschuss, erreicht, was wir namens aller und für die Gesamtheit bezweckt: Ein Weismal tüchtigen Könnens, ein Prunkstück freudigen Genießens und ein ragend Wahrbild königstreuen und vaterländischen Empfindens. Das Werk, vollendet wie es ist, nehmen nunmehr Stadt und Bürgerschaft in Besitz und Obhut. Königshofen am 1. Oktober, dem Rosenkranzfest 1911."