100 Jahre Regentenbau - Das stand im Mittelpunkt der "Bad Kissinger Oktober-Gala 2013", die traditionell vom Verein der Kissinger Köche ausgerichtet wird. Mit dem Titel hat man nicht nur die Kunst der Architektur in Bad Kissingen verbunden, wenn Köche eine solche Veranstaltung organisieren, dann geht es natürlich auch um die Kunst des Kochens. Damit diese Kunst den Gästen des Abends nicht so sehr auf die Hüften schlägt, hat man die OMB-Bigband engagiert, die zum Tanze aufspielt.
Der Traditionsball der Kissinger Köche wird seit über 60 Jahren "in der guten Stube von Bad Kissingen" (Regentenbau) ausgerichtet, erzählte Erich Matejsek den knapp 300 Gästen. Nachdem man in den letzten Jahren in die Wandelhalle ausgewichen war, nahm man das 100-jährige Jubiläum des Regentenbaus zum Anlass, wieder in den Max-Littmann-Saal zurückzukehren.

Vorbereitet und dekoriert

Und diesen hatten die fleißigen Helfer des Vereins in Zusammenarbeit mit dem Team vom Kurgarten-Café für den festlichen Abend entsprechend vorbereitet und dekoriert. Die festlich gedeckten Tische zauberten bewunderndes Staunen auf die Gesichter der treuen Gäste, unten ihnen auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) und Kurdirektor Frank Oette. Die Geschichte des Gebäudes wurde mit den Historischen Persönlichkeiten vom Rakoczy-Fest lebendig: Prinzregent Luitpold, König Ludwig III. und Professor Max Littmann als Architekt des Bauwerks.
Die Historischen Persönlichkeiten würdigten die Bedeutung der Kissinger Köche als kulinarische Botschafter weit über die Stadtgrenzen hinaus und als Garanten für einen "genussvollen Abend". Diese Vorschusslorbeeren lösten die Kissinger Köche dann schon bei der Vorspeise ein: Mousse vom geräuchertem Lachs und Forelle mit Gurkentexturen, Eingemachtes von der Barbarie-Ente in geliertem Schlottensud und gebeizter Spanferkelrücken mit marinierten Pilzen.
Nach einigen Tanzrunden und dem Losverkauf für die üppige Tombola wurde das Buffet eröffnet, das im "Weißen Saal" aufgebaut war. In blütenweißer Berufskleidung standen die Aktiven des Köchevereins parat, um die Teller zu füllen, oder auf interessierte Fragen zu antworten. Applaus der Gäste.

Akrobatik am Vertikaltuch

Eine Verschnaufpause im Tanzreigen verschaffte die artistische Einlage von Maike Moerschen am "Vertikaltuch", das über der Tanzfläche verspannt war und womit die junge Frau in zehn Metern Höhe Höchstleistungen präsentierte. Mit dabei an diesem Abend war Marion Stein, eine Karikaturistin und Schnellmalerin. Sie zeichnete die Gäste mit wenigen gekonnten Strichen. Mitternächtlicher Höhepunkt und Überraschung: Das "Dessert vom Buffet", das mit bengalischem Feuer in den "Weißen Saal" lockte. Auch hier ging man weg vom Gewohnten: statt des Eis-Buffets gab es Variationen von geeisten Soufflés und Cremes sowie köstlichen Pralinen und einen Schokobrunnen mit frischen Früchten.
Das Fazit von Erich Matejsek (und vieler Gäste): "Ein wunderbarer Abend, der kulinarisch und tänzerisch alle Erwartungen erfüllte!"

Kulinarische Superlativen

Die Planung des Gala-Abends lag in den Händen von Johannes Werner, der von Michael Seufert und Wolfgang Hämmelmann unterstützt wurde. Und dies schon seit vielen Jahren. Zwar kann man auf die Logistik des Kurgarten-Cafés zugreifen und auch die Heiligenfelder Kliniken erweisen sich als großzügige Sponsoren, jedoch ist der Mensch noch die entscheidende Größe bei den Vorbereitungen.
Das heißt: Die Speisen werden in den Küchen der Luitpoldkliniken vorbereitet, zum Regentenbau transportiert, dort nochmals angerichtet und serviert bzw. beim Buffet präsentiert. Dazu sind Dutzende von Thermophoren für "Kalbsrücken zart rosa im Walnussmantel gebraten" oder "Allerlei vom Saaletal-Lamm" mit grünen Bohnen oder "Eismeer-Kabeljau mit Blattspinat" nötig.
Zusätzlich angerichtet wurden viele Platten für das im Foyer präsentierte "Fingerfood" sowie Hunderte von Weckgläsern für die Soufflés und Cremes. Außerdem waren Vorspeiseteller, Teller für die Haupt- und Nachspeise nötig. Wohl gemerkt: alles muss herbeigeschafft, bereitgestellt, abgeräumt und wieder aufgeräumt werden. Nicht zu vergessen sind das Besteck und die Gläser - wofür mittlerweile das Kurgarten-Café sorgt, denn die personellen Ressourcen der Kissinger Köche reichen hierfür nicht aus.
Der Personaleinsatz, bilanzierte Erich Matejsek, belief sich 2013 auf 15 Personen, die ihre Freizeit für diesen Abend opferten, und nochmals knapp 30 Personen im Service, so Jochen Weh ner als Verantwortlicher des Kurgarten-Cafés. Das sind weniger als in den vergangenen Jahren, bedauert Erich Matejsek, und auch bei den Auszubildenden stößt man auf geringere Resonanz, "wo die doch mal etwas sehen würden, was in den gastronomischen Betrieben in diesem Umfang nicht mehr gemacht wird."

An Grenzen angekommen

Dass alles klappt, muss stramm organisiert sein: Seit Dienstagnachmittag waren die Helfer auf den Beinen, um alles vorzubereiten. Am Samstag ging es ab 8 Uhr morgens weiter bis Sonntag in die frühen Morgenstunden. "Der zeitliche Aufwand erreicht Grenzen, die wir als Verein fast nicht mehr schultern können", meinte Matejsek zurückblickend. "Aber andererseits fühlen wir uns der Tradition des Balls der Kissinger Köche verbunden." Wie geht es weiter? Ein Schulterzucken ist die Antwort.