Sie sind ein buntes, illustres Völkchen. Ausgesucht und doch zufällig zusammengekommen spielen, nein leben sie unterschiedlichste Rollen, die historischen Persönlichkeiten, die dem Rakoczy-Fest so viel Glanz verleihen. Allen ist eines gemeinsam: Ihr Herz schlägt "für Rakoczy" und sie identifizieren sich mit der Figur, die sie darstellen.
Viele der Darsteller der Historischen Persönlichkeiten sind schon lange dabei und gar nicht mehr wegzudenken. Andere dürfen nur für ein Jahr Seide, Uniform oder Gehrock tragen. Alle sind wie eine hochadelige, weitverzweigte Familie, die sich zu einem glanzvollen Fest trifft. Und da redet man sich schon mal mit Fürst an, wenn man Timo Baier meint, oder mit Prinzregent, wenn Peter Krug gegenüber sitzt und für drei Tage heißt die Quellenkönigin Giulia Klimt in diesem Kreis ganz unkompliziert "die Quelle".
Bei den "Blauen", wie die Wittelsbacher wegen ihrer Dynastiefarbe flapsig genannt werden, kann man sich mit Ludwig III. nicht vertun. Der heißt auch bürgerlich mit Vornamen Ludwig und stellt seit 25 Jahren mit großer Begeisterung für das Fest, die Stadt und für seine Figur den letzten König der Wittelsbacher dar: Ludwig Büchner ist eines der Gesichter, die das Rakoczyfest erkennbar machen, und er bekennt: "Ich freu mich jedes Jahr auf das Fest".

Sisis Unterrock und falsche Bärte

Klaus Gloede, Maskenbildner und Visagist, kann nichts mehr aus der Ruhe bringen. 23 Jahre schon klebt er falsche Bärte an die Darsteller, föhnt störrische Perücken, dreht luftige Locken, schminkt, pudert und hat immer einen trockenen Spruch auf den Lippen. Beim Schminken und Ankleiden muss für die Darsteller der "Historischen" ein exakter Plan eingehalten werden.
Am gestrigen Sonntag ging es beispielsweise schon um 8 Uhr in der Früh mit dem Schminken los. Bis alle 27 Darsteller so aussehen, wie sie aussehen sollen, dauert es "eine Weile". Dennoch lassen sich Wartezeiten nicht vermeiden, weil Sisi's Unterrock nicht die richtigen Falten wirft, der Schleier der Gräfin Beatrix nicht halten will und der Backenbart von Rossini abgegangen ist. Die Quellenkönigin wird von ihrer Zofe zurechtgemacht. Ihr Kleid, ein voluminöser Traum aus Tüll und Seide, füllt die schmale Boxengasse der Garderobe: "Ohne Hilfe komm ich nicht in mein Kleid", stellt Giulia Klimt lapidar fest.

Trotz Hitze muss alles stimmen

Alle stöhnen an diesem Wochenende natürlich unter der Hitze in den engen Garderobenzimmern. Erst in letzter Sekunde zieht der Fürstbischof (Ingo Kiesel) seinen schweren schwarzen Samttalar mit Pelzkragen und Barockperücke über. Auch für geistliche Würdenträger gibt es keine Marscherleichterung.
Kaiserin Viktoria Auguste muss unter ihrem Gewand einen mächtigen Reifrock tragen und zusätzlich die Hüften mit Polstern aus Styroprokügelchen tragen. So wollte es die Mode im ausgehenden 19. Jahrhundert, weiß Schneiderin Jutta Bögner, die mit Sicherheitsnadeln und allerlei Utensilien parat steht, falls in letzter Sekunde noch was geändert werden muss. Aber wegen der Schwüle etwas weniger Ballast mitschleppen, das kommt auch für Darstellerin Petra Back keinesfalls in Frage: "Die Kaiserin musste sich ja auch in so ein Ungetüm von Kleid zwängen".

Wie eine große Familie

In der "Maske" , wie es so schön heißt, wuselt alles durcheinander. Die Akteure sind angespannt, kurz vor dem großen Auftritt, aber man hilft sich gegenseitig und bleibt erstaunlich locker. Dafür sorgt der gute Geist in der Garderobe, Monika Eberhardt von der Staatsbad GmbH, die mit selbstgebackenen Kuchen die Darsteller bei Laune hält. Kirschkuchen, Krümeltorte und "Faule Weiber Kuchen" hat sie heuer gebacken und man greift gerne zu. Meist geht auch eine Schafkopfrunde zusammen, für die Fürst Bismarck immer zu haben ist. Alexander Karl ist auch schon seit 1992 Jahre dabei und meint trocken: "Bismarck ist 83 geworden, da kann ich noch ein paar Jährchen dranhängen".

Wie auf den Leib geschneidert

Diese große Familie, das unaufgeregte Miteinander imponiert auch Erwin Full, der erstmals als Architekt Max Littmann mitwirkt. Und wer könnte den Stararchitekten aus München sowohl von der Figur her - was wichtige Voraussetzung ist - als auch durch seinen Beruf besser verkörpern als der Architekt und Baudirektor des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt.
Samstagnachmittag, es geht auf 18.15 Uhr. Bruno Heynen, Thomas Lutz und Sabrina Geis kommen in die Garderobe. Die organisatoren des Festes mahnen zur Eile. Heynen schaut auf die Uhr, klatscht in die Hände: "Aufstellen zur Vorstellung im Rosengarten". Alle Gespräche verstummen, die Spannung steigt, gleich starten die "Die Historischen" ihr Freilichtspiel, das da heißt: Rakoczy 2013.