"Das ist sehr selten", sagt der Bildhauer zu den Zuhörern, die ihm auf der 3,5 Kilometer langen Bildstock-Wanderung durch Aschach folgen. Bauer deutet auf den mittleren Teil des mehr als zwei Meter hohen Bildstocks, an dem bei genauem Betrachten hellere Stellen im Sandstein auffallen: "Die sind von Ausbesserungen. Die Säule war hier schon quer durchgebrochen", erörtert er und fährt mit den Fingern die Bruchstelle entlang. Bei der Restaurierung werde versucht, die Struktur des Gesteins so gut es gehe nach zu modellieren, damit die Ausbesserungen optisch nicht hervorstächen. Aber nicht nur auf die Farbe haben Bildhauer zu achten, wenn sie sich alten Bildstöcke, Flurdenkmälern oder Kreuzen annehmen. "Es ist wichtig, dass beispielsweise Risse ordentlich abgedichtet sind", führt der studierte Bildhauer aus. Sonst dringe Feuchtigkeit in das alte Gestein ein. Bei Frost im Winter dehnt sich das Wasser aus und sprengt Teile der Skulptur ab.

Bei dem Bildstock mit dem Hl. Georg aus der Zeit um 1630 ist kein Stifter oder Künstler überliefert. Das sei bei den älteren Exemplaren häufiger der Fall. Über die Herkunft könnten dann nur Vermutungen angestellt werden. "Vielleicht wurdener von einem Bürger gestiftet, aus Dank für überstandene Krankheiten oder Katastrophen", meint Bauer. "Vielleicht wurde er jemandem vom Gericht als Buße auferlegt", schildert er eine weitere Möglichkeit, die im 17. Jahrhundert in der Gegend üblich gewesen sei.

Gut zweieinhalb Stunden dauert die Tour, auf der die Teilnehmer durch Aschach geführt und rund 35 Bildstöcke, Flurkreuze und Gedenksteine aus Sandstein, Muschelkalk oder Holz erläutert bekommen. Vom Schloss aus führt die Route an der Saale entlang zum Friedhof und von dort in den Ort zurück. Michael Bauer macht auf gut versteckte Details aufmerksam, die dem Unkundigen andernfalls verborgen bleiben. Holzschnitzereien an einem Balkon etwa, Wappen an der Kirchendecke oder ein kleines, hölzernes Heiligenbild, das am Stamm eines von Efeu umwucherten Baumes hängt. "An dem Bildstock bin ich bestimmt schon 100 Mal vorbei gefahren, ohne dass er mir aufgefallen ist", meint ein Teilnehmer hörbar erstaunt, über einen von Bäumen von Gebüsch umgebenen, unscheinbaren Kreuzdachhaus-Bildstock.

Der Heimat-, Wander und Gartenbauverein veranstaltet die Wanderung alljährlich zum Denkmaltag. "Da laufen wir aber nur die kleine Runde", bemerkt Bauer. Es gebe noch eine große, bei der auf 16 Kilometern um die 50 Bildstöcke vorgestellt werden. Die Führungen werden auf Anfrage ausgerichtet. Für die aktuelle Wanderung zieht er ein positives Fazit: "Die Teilnehmerzahl war in Ordnung und die Leute waren interessiert und aufmerksam." Die Führungen liegen Bauer, der aus einer Bildhauerfamilie stammt, am Herzen. "Die Sachen stehen offen in der Gegend herum, und gerade jüngere Menschen werden damit nicht konfrontiert", meint er. Es lohne sich, das Wissen um die Bildstöcke und Denkmäler zu überliefern.